Neuer US-Botschafter verstärkt den 1. FFC Frankfurt. Die Commerzbank auch – Sensationeller Auftakt einer Pressekonferenz zur neuen Saison des 1. Frauen-Fußball-Clubs

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Nia Künzer, Alexandra Krieger und US-Botschafter Philip D. Murphy
Frankfurt am Main (Weltexpress) - Naja, zugegeben, das haben wir etwas flapsig formuliert, denn obwohl der neue US-Botschafter aus Berlin, Philip D. Murphy, tatsächlich auf dem Podium neben Spielerinnen des 1. FFC auf deren Auftaktkonferenz saß, wird er am nachtmittäglichen Freundschaftsspiel gegen die Frauen aus Lyon - Olympique Lyon - nicht mitspielen, wohl aber im Brentanostadion das Spiel verfolgen!! Und daß, obwohl er mit Dienstterminen rund um die IAA eingedeckt ist, wie wir auch. Wie das kommt? Na, das hat mehrere Gründe. Da ist er zum einen der Mitbesitzer eines Fußballclubs namens Sky Blue FC aus New Jersey, der in den USA Frauenfußballmeister geworden war, da ist er zum anderen ein alter Freund des Commerzbankchefs Martin Blessing, denn Murphy lebte von 1993 bis 1997 in Frankfurt, und das sehr gerne dribb de Bach, in Sachsenhausen, weil er bei einer amerikanischen Bank beschäftigt war.

Auch wenn es gleich um die Frauen und den Frauenfußball geht, hat uns die Anwesenheit des Botschafters bei der Pressekonferenz des 1. FFC im 49. Stock der Commerzbank hoch über Frankfurt doch an so fundamentale Sätze des Surrealismus erinnert wie „das zufällige Zusammentreffen einer Nähmaschine und eines Regenschirms auf einem Seziertisch, was einst der Comte de Lautréamont formulierte, wobei wir nicht so weit gehen wollen, den Beteiligten die Rolle der Nähmaschine oder des Regenschirms”¦zukommen zu lassen. Wir wollen einfach unsere Verblüffung ausdrücken, über diese Freundschaftstat des neuen Botschafters, der sowohl Frauenfußballfreund wie Männerfreund vereinigt. Und das mit dem Frauenfußball hatten wir schon – aber ganz anders – in der Zeitung gelesen. Dort hatten wir erstens gelesen, daß der neue US-Botschafter – auf einem der wichtigsten Posten, die zu vergeben sind – im Wahlkampf Barack Obama unterstützt hatte, auch finanziell, und daß er in Berlin seine Kinder (?), wie wir jetzt wissen, auf jeden Fall seine Tochter, gleich im Trikot der Hertha BSC Berlin antreten ließ.

Gern erzählte er den Anwesenden mehr. Fußball ist ihm grundsätzlich eine Herzensangelegenheit, mit dem deutschen Bundespräsidenten hatte er das Europameisterschaftsspiel der deutschen Fußballfrauen in Helsinki gesehen, das ihn begeistert hat, Birgit Prinz bewundert er und Nadine Angerer hatte er immer hoch geschätzt. So kannte er die Namen der deutschen Nationalmannschaft genauso wie die Berliner Verhältnisse, wobei seine Tochter nun im Nachwuchs der Hertha mittrainiert. Naja, da würde man dem Botschafter und seiner Tochter doch gerne Frankfurt und die hiesige Frauenfußballandschaft gönnen!

Dann aber standen die Spielerinnen, ihr Manager, ihr Trainer und die Sponsoren im Mittelpunkt. Siegfried Dietrich, Manager, Investor und Pressesprecher in einer Person, formulierte, was mit geballter Kraft auch die anwesenden Spielerrnnen, zuvorderst Birgit Prinz, bekräftigten. Nach der Schlappe des letzten Jahres will der 1. FFC am Ende der Saison wieder auf das Siegertreppchen zurückkehren und damit an der Champions League teilnehmen. Die Voraussetzungen dafür seien geschaffen: Zu den Anfang des Jahres hinzugekommenen Weltmeisterinnen Nadine Angerer und Ariane Hingst, konnte die auftrumpfende Dzenifer Marozan vom 1. FC Saarbrücken, die schwedische Weltklasse-Verteidigerin Sara Thunebro und die spanische Nationalstürmerin Laura del Rio verpflichtet werden. Auch sei die üble Verletzungsserie der letzten Saison überwunden, auch Ally Krieger sei gesund und topfit von ihrem Spiel in den USA zurückgekehrt. Diese gegenwärtige Mischung der Mannschaft aus Erfahrung und Jugend sei einfach umwerfend und ein Garant für eine gute Saison.

Das war die sportliche Seite, um die sich seit der letzten Saison Günter Wegmann kümmert. Allerdings war die Aufrüstung der Mannschaft mit weiteren Spielerinnen der Oberklasse nur möglich, weil auch das finanzielle Engagement aufgerüstet wurde. Dafür sind die Sponsoren zuständig, wobei für den Hauptsponsor Generali Versicherungen Michael Segal aus München angereist war, der sich sichtlich wohl fühlte und es als selbstverständlich bezeichnete, das Engagement fortzusetzen. Das gilt erst recht für Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank AG, der sich auch als Person so sehr des Frauenfußballs angenommen hatte, daß heute keine Nachfrage nach seinem beliebten Vorgänger, Klaus-Peter Müller, aufkam, der die Commerzbank erst auf den Weg zum Frauenfußball gebracht hatte, wie einem in diesem Zusammenhang auch unwillkürlich Theo Zwanziger einfallen muß, der heute nicht anwesend war, dem aber mitzuverdanken ist, daß es die Frauen schon so weit gebracht haben. Blessing hatte zudem Trost für die Spielerinnen bereit: Der Frauenfußball der Frankfurterinnen passe auch deshalb so gut zur Commerzbank, weil es in der letzten Zeit auch für die Commerzbank nicht so dolle war. Aber schon hat die Bank im Dax sensationell zugelegt, das verspreche auch eine siegreiche Saison für den 1. FFC.

Allerdings liegt noch viel vor ihnen, den Spielerinnen und ihren Unterstützern, das wurde auch deutlich angesprochen. Zwar sind sensationelle Zuschauerzahlen beim EU-Endspiel der Frauen in Helsinki bekannt – mit über zehn Millionen einige Millionen mehr als die letzten Spiele der nationalen Männer -, aber das korrespondiert nicht mit den Zuschauerzahlen auf den Plätzen der Frauenbundesliga. Dabei hat Frankfurt noch Glück gehabt. Denn trotz der spielerisch schlechten Saison, waren im letzten Fußballjahr rund 1800 Zuschauer pro Spiel gekommen, gegenüber dem Vorjahr, mit rund 2000, dem Erfolgsjahr, wie alle Jahre zuvor. Manager Dietrich gab als Erwartung so 2000 bis 3000 Zuschauer vor, was eine weite Spanne ist. Mit dieser Erwartung sprach er eine andere an, die er direkt an den anwesenden Sportdezernenten Markus Frank richtete: Sanierung des etwas verkommenen Platzes am Brentanobad und Einbau einer Flutlichtanlage und Kunstrasen.

Zwar sei es schon langfristiges Ziel der Frankfurter Fußballfrauen, in der Commerzbankarena, der Heimat der Eintracht, zu spielen, aber so wie der FSV – Frankfurter Sportverein – ein neues Stadion bekommen habe, seien nun die Frauen als dritte Gruppe in Frankfurt dran, ein eigenes Haus, eine eigene Spielstätte zu bekommen. Das sah Markus Frank ein, zumal interessante Nebenbemerkungen darauf schließen ließen, daß das Land Hessen – auch in der Landesregierung gibt es Freunde des Frauenfußballs – sich finanziell beteiligen könne. Frank bestätigte auch gerne, daß der 1. FFC schon heute ein Aushängeschild für Frauenfußball sei und daß das ein Ergebnis harter Arbeit sei, in dieser tollen Sportstadt.

Die Spielerinnen wiederum konnten nahebringen, daß sie jetzt nach der schlechten letzten Saison erst recht aufgebaut und motiviert seien, diese nicht nur gefühlte Niederlage in der kommenden Saison wiedergutzumachen und fortzusetzen an den Erfolgen des 1. FFC Frankfurt, die lauten: sieben Mal deutsche Meisterschaft, ebenfalls siebenmal DFB-Pokal, dreimal Gewinn des UFA Womans’s Cup, in der Saison 2008/2009 deshalb im UEFA-Womans-Ranking die Nr. 1 in Europa.

P.S. die nächsten Spiele. Erster Spieltag ist der 20. September gegen den VfLWolfsburg, darauffolgend ein Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken. Alles andere auf der Webseite www.ffc-frankfurt.de

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