Mit der U-Bahn zum Skigebiet – Serfaus-Fiss-Ladis: Wo Eltern mit Kinder glücklich sind

Kinderskikurs Skischule Fiss-Ladis. © Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbH

So begeistert sind sie, durch den unverspurten, kniehohen, daunenweichen Pulverschnee hinunterzuschwingen. „Das ist der große Vorteil in unserem Gebiet,“ meint Bernie später. „Zum großen Teil sind es Wiesenhänge. So kannst Du schon bei wenig Schnee ohne Angst vor Felsen ins Gelände gehen. Wegen der Höhe zwischen 1200 und 2820 m haben wir auch keine Sorgen, eines Tages keinen Schnee mehr zu haben“.

Als im Jahr 1940 vom kleinen Tiroler Bergdorf Serfaus die erste Materialseilbahn zum Kölnerhaus in 1965 m Höhe schwebte, dachte noch kein Mensch an so etwas. Damals ging es darum, das Alpenvereinshaus auf dem Komperdellplateau, das bei den Bergwanderer bereits sehr beliebt war, bequemer mit den notwendigen Lebensgütern versorgen zu können. Und es dauerte weitere 13 Jahre, bis diese Materialbahn zur ersten Pendelbahn für vier Personen umgebaut wurde. Doch dann ging es stetig nach oben. Nicht nur in Serfaus, sondern auch in den Nachbargemeinden Fiss-Ladis wurden immer mehr Aufstiegshilfen, damals noch vornehmlich Schlepplifte, gebaut. Einer der Pioniere, der frühere Bergbahnchef Alois Geiger erinnert sich: „Die Gründung der Seilbahngesellschaft Komperdell 1957 war der Startschuss für den Wintertourismus bei uns.“ Doch bereits damals sei den Verantwortlichen bewußt gewesen, so Geiger, dass sie nur eine Chance hätten, wenn die Gemeinden zusammenarbeiteten und ein klares Zielgruppenkonzept erarbeiteten. Mit der Eröffnung des ersten Kinderrestaurants in den Alpen auf dem Komperdell machten sie 1977 deutlich, wen sie ansprechen wollten – Eltern mit Kindern. Diese Idee war grandios. Heute gilt Serfaus-Fiss-Ladis als das Familienskiparadies der Alpen; Kenner behaupten sogar, es gebe weltweit keine Wintersportregion mit einem ähnlich perfekten Angebot für Familien wie das Hochplateau über dem Tiroler Inntal.

Kinderskikurs Skischule Fiss-Ladis. © Serfaus-Fiss-Ladis Marketing GmbHDie Verantwortlichern bemühen sich sehr, diesen Ruf zu halten. Mittlerweile können die Kleinsten auf 30 Skiförderbänder erste Stehversuche machen. Höhenverstellbare Förderbänder passt sich vor dem Sessellift automatisch der Größe des Kindes an, so dass es problemlos einsteigen kann. Und eine zuverlässige Sicherung verhindert, dass es während der Fahrt unter dem Schließbügel nach unten durchrutscht. Spezielle Kinderpisten wie Murmlitrail, Dinowald und die Bärenpiste bringen erste Erfolgserlebnisse. Und wenn die Eltern allein ihrem Skivergnügen nachgehen wollen, bringen sie ihre lieben Kleinen in die Murmlikrippe, in Bertas Kinderland oder in die Kinderschneealm, wo sie optimal versorgt werden.

Europas kinderfreundlichstes Skigebiet denkt auch an die Erwachsene. Dabei werden die Wünsche der Pistenfahrer ebenso erfüllt wie die anspruchsvoller Wintersportler. „Die erste Spur“ nennt sich ein Angebot für Frühaufstehern, die lange vor dem normalen Skibetrieb in Begleitung des Bergbahn- oder Skischul-Chefs die erste Schwünge in den weichen Schnee ziehen und anschließend ein exklusives Bergfrühstück genießen können. Variantenfahrern freuen sich über zehn neue Skirouten. „Diese Abfahrten sind markiert und vor Lawinen gesichert, werden aber nicht präpariert,“ erklärt Bergbahn-Geschäftsführer Stefan Mangott.

Das alles wäre nicht möglich gewesen, hätten sich die drei Gemeinden nicht 1999 dazu durchgerungen, endlich zusammenzuarbeiten. Mit der Verbindungsbahn “Sunliner“ zwischen Serfaus und Fiss-Ladis wurden auch gleich auf der Piste klare Verhältnisse geschaffen. Somit war auf dem sonnigen Hochplateau über dem Inntal ein weiträumiges Wintersportgebiet entstanden, das mittlerweile mit seinen 70 Anlagen und 212 Pistenkilometern zum größten Skigebiet Tirols geworden ist. Vom Fisser Zwölfer über Plansegg, Obere Scheid und Masnerkopf bis zum Pezid reiht sich – immer weit über der 2000-Meter-Marke – eine Kette von Skibergen aneinander, die allesamt durch moderne Liftanlagen miteinander verbunden sind. Während gemütliche Skifahrer in den unteren Gefilden ihr Glück finden, zieht es sportliche Skifahrer zur Oberen Scheidbahn, zu den Varianten am weißen Rücken des Lazid, oder sie wechseln zum Schönjoch, dem sportlichen Skiberg von Fiss, dessen Nordseite traumhafte Pulverschnee-Abfahrten eröffnen. Zur Mittagspause hat man die Quahl der Wahl zwischen mehr als zwanzig Bergrestaurants – von der urigen Schöngampalm mit Tiroler Spezialitäten bis zur modernen, architektonisch gelungenen Masner-Skihütte.

Die Gäste kommen vorwiegend aus Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz. Fast alle reisen mit dem Auto an. Auch in dieser Hinsicht haben die Orte weitsichtig geplant. Fiss und Ladis regeln durch entsprechende Hinweistafeln die Ein- und Durchfahrt. Schlagzeilen weltweit machte Serfaus 1986 mit der ersten und bis heute einzigen U-Bahn der Alpen, die den Ort autofrei halten soll. Diese auf Luftkissen schwebende Dorfbahn ist gratis und verbindet geräuschlos im Sieben-Minuten-Takt den großen Parkplatz vor dem Ort mit den 1,3 km entfernten Seilbahn-Stationen am Ende von Serfaus. In einer Stunde kann diese kleinste U-Bahn der Welt zweitausend Personen befördern. Doch wer heute tagsüber durch Serfaus spaziert, wird feststellen, dass das Konzept nicht mehr ganz aufgeht. Auf der Dorfstraße herrscht reger Autoverkehr. Den Verantwortlichen ist dies bewusst und sie knobeln bereits an Verbesserungsmöglichkeiten. Im Gespräch ist beispielsweise eine Seilbahn von der Ortsmitte ins Skigebiet.

Anfahrt: Auf der Inntalautobahn bis zur Abfahrt Landeck, dann Richtung Reschenpaß durch den Landeck-Tunnel bis zur Ortschaft Ried und von dort über die Serpentinenstraße hinauf nach Fiss und Serfaus.
Skifahren: Der Tagesskipass für das gesamte Gebiet kostet in der Hochsaison 45 € (Senioren 43, Kinder 26,50 €)
Weitere Informationen: Serfaus-Fiss-Ladis Information, A-6534 Serfaus/Tirol, Telefon: 0043-5476-6239, Fax: 0043-5476-6813, Email: info@serfaus-fiss-ladis.at, Website: www.serfaus-fiss-ladis.at

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