Mit dem Autopilot auf die Autobahn – Sicherheit von und mit Daimler Trucks

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© Daimler
Berlin, Deutschland (Weltexpress). Am Freitag fuhr auf einer Bundesautobahn erstmals ein Lastkraftwagen (Lkw) mit Autopilot. Für den Test mit einem Daimler Truck erteilte das Land Baden-Württemberg eine Ausnahmegenehmigung. Die Maschine und nicht der Mensch fuhr den Future Truck von Daimler auf und davon. Vor einem Jahr im Juli wurde auf einem gesperrten Stück Autobahn in Sachsen-Anhalt gezeigt, wohin der Wind weht. Bei Magdeburg fuhr der Mercedes-Benz Future Truck 2025, der erste autonom fahrende Lkw der Welt.

Wie lange es dauert wird, bis Lkw „auf den Autobahnen und Fernstraßen Europas autonom fahren" können und wo genau, wird abzuwarten sein. Doch die Daimler AG drückt aufs Tempo, Presse und Politiker, damit der Futur Truck Gegenwart wird und Lkw mit Stern als bestens ausgestattete Maschinen mit Kamera, Radar und vielen feiner Fühler ohne Zutun eines Menschen Gas geben, bremsen, Abstand halten, Hindernisse umfahren und Spur halten. Ein Fahrer müsse an Bord bleiben, damit er im Falle eines Falles schnellstmöglich persönliche Lösung für unerwartete Problemen finden und reagieren könne.

Bei der Testfahrt am Freitag saß dafür Dr. Wolfgang Bernhard, Daimler-Vorstand für Trucks und Busse, am Steuer und neben ihm Deutschlands einziger „grüner“ Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Drei Monate zuvor zeigte das Unternehmen mit dem stolzen Stern unter der sengenden Sonne Brandenburgs auf einem abgegrenzten Stück Rollbahn des Flughafens Schönefeld unter dem Titel „Campus Safety“ seine Sicherheits- und Assistenzsysteme. Die Liste dieser Sicherheits- und Assistenzsystme von Mercedes-Benz Trucks ist lang: „Stabilitätsregel-Assistent, Abstandshalte-Assistent, Wankregel-Assistent, Spurhalte-Assistent, Abstandshalte-Assistent mit Stop-and-Go, Active Brake Assist und Active Brake Assist 3, Antiblockiersystem, Antriebsschlupfregelung, Aufmerksamkeits-Assistent, elektronisch geregeltes Bremssystem, hochleistungs-Motorbremse, Sekundär-Wasser-Retarder, Fahrer-Airbag Regen-/Lichtsensor, Reifendruckkontrolle, Scheibenbremsen rundum, sensierte Sattelkupplung, Beifarerspiegel mit Rangierfunktion und Warnblinken bei Vollbremsung“ werden in einer Presseinformation vom 02.07.2015 erwähnt. „Einen Großteil davor“ habe „Mercedes-Benz selbst entwickelt und als erster am Markt eingeführt”¦ Am Horizont zu sehen“ sei „bereits die Fusion der Assistenzsysteme – sie mündet im autonom und sicher fahrenden Future Truck 2025 von morgen“.

© DaimlerMit Worten wie diesen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie dieser ebnet die Daimler AG den Weg zur Genehmigung vollautomatischen Fahrens mit Lastkraftwagen. Geht es nach den Lkw-Herstellern, sollen Bundesverkehrsministerium und das Kraftfahrt-Bundesamt bald den Zertifizierungsprozess für die Zulassung fürs Freihändig-Fahren beginnen.

Wie sich diese „sichere“ Zukunft anfühlt, wurde Dutzenden Medienvertretern aus vielen Ländern nicht nur erklärt sondern zusätzlich mit Fahrdemonstrationen gezeigt. In der Magengegend herrscht zwar ein mulmiges Gefühl vor, wenn man in einem Mercedes-Benz Actros bei Kurvenfahrten oder Ausweichmanövern die Schleudergefahr erfährt, doch der Kopf nickt dem Stabilitätsregel-Assistent voller Zuneigung und nicht nur wegen einer Vollbremsung. Keine Frage: Die Wirkung des Notbremsassistenten Active Brake Assist 3, der Actros bremste aus voller Fahrt bis zum Stillstand auf ein stehendes Hindernis, bleibt dem Berichterstatter in Erinnerung. Und auch die Funktionsweise des Abbiege-Assistent erfahre ich, sehe die optischen und höre die akustischen Zeichen, wenn die Sensoren ein Hindernis, einen Kollegen zum Beispiel, erkennen.

© DaimlerBernhard erklärte vor versammelter Presse zur erfahrenen Praxis: „Ein 40 Tonnen-Truck mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern hat die kinetische Energie eines Pkw mit 400 Stundenkilometern. Bei einem Aufprall mit dieser Energie hilft keine passive Sicherheit, zum Beispiel durch eine Knautschzone. Da hilft nur aktive Sicherheit. Da helfen nur Systeme zur Unfallvermeidung.“ Die von Daimler, wollte er sicher sagen und sprach in seiner Rede von Pionierleistungen: „1981 brachten wir das ABS, 1986 die Antriebsschlupfregelung, 2000 den Spurhalteassistent, 2001 das ESP, 2006 den Notbremsassistenten – und 2012 den Aufmerksamkeits-Assistenten.“

Was bringt die Zukunft? Geht es nach dem Willen der Daimler AG, soll die neugefasste Wiener Konvention in deutsches Recht übertragen werden. Zur Chronistenpflicht gehört auch der Hinweis darauf, dass nicht nur in der Bundesrepublik sondern auch in Brüssel Entscheidendes getan werden solle. Die Richtlinie ECE R79, „die autonomes Fahren bislang nur bis zu einer Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern erlaubt“, müsse laut Bernhard „angepasst“ werden. Wie? Bernhard: „2016 werden Experten einen Vorschlag für eine Neufassung vorlegen.“ Wir werden darüber berichten und auch über Fahrten mit Autopiloten auf Autobahnen.
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