Mein Führer zu Speis- und Trankstellen rund um Halleluja-Berlin – Zum Brandenburg-Buch von Julia Schoon

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Julia Schoon: Kulinarisches Brandenburg.
Über 100 Ausflügstipps zu Manufakturen und Hofläden finden Leser im Taschenbuch "Kulinarisches Brandenburg" von Julia Schoon. © Trescher Verlag

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Der Trescher-Verlag, der im März 2018 auf der Internationale Tourismus-Börse (ITB) in Berlin den Buch-Preis 2018 für den Georgien-Reiseführer erhielt, der mittlerweile in neunter Auflage vorliegt, ist eigentlich als Reiseführer-Verlag bekannt und beliebt.

Doch eines der Bücher, die oben immer in den Signalfarben Gelb und Rot leuchten und Lesern sofort in die Augen stechen, ist mehr ein Speise- denn ein Reiseführer. Gemeint ist das von Bernd Schwenkros und Detlev von Oppeln herausgegebene und von Julia Schoon geschriebene sowie auf chlorfrei gebleichtem Papier in Deutschland gedruckte Buch „Kulinarisches Brandenburg“, in dem laut Untertitel „über 100 Ausflüge zu den Manufakturen und Hofläden“ vorgeschlagen und kurz in Wort und Bild auf 176 Seiten im Hosentaschenformat beschrieben werden.

Mit anderen Worten: in Brandenburg soll kulinarisch was los sein. Schreibt Schoon. Steht auf märkischem Sand wieder mehr Lafayette als Lidl?

Das nun wirklich nicht. Brandenburg bleibt das Land der Alleen und Discounter, die dort stehen, wo man weg will wie Rainald Grebe es in seinem Brandenburg-Lied bestens beschreibt. Doch die Zeile „Nimm dir Essen mit, wir fahr’n nach Brandenburg“ stimme nicht mehr. Es habe sich „viel getan“. Kulinarisch gebe es „allerhand zu entdecken“, formuliert Schoon im Vorwort (S. 6). Sie antwortet gleich im nächsten Satz: „Kleine Manufakturen, die erstklassigen Senf, ungewöhnlichen Whisky oder Apfeldelikatessen von der Streuobstwiese herstellen.“ Senf, Whisky, Apfelessig. Na super!

Doch das ist nicht alles: Schoon schwärmt von „luftgetrockneter Wurst“ und „von der Hand geformten Ziegenkäse“. Klasse!

Das sind viele Produkte wirklich, denn sie landen erst in der Berliner Spitzengastronomie und dann im Bauch der Besseresser aus der Bourgeoisie der Berliner Republik. Die Wege zu den Herstellern der guten Waren und zu den besseren Gaststätten beschreibt die Autorin, die als freie „Journalistin, Reporterin, Bloggerin und Autorin“ (sic!) in Berlin lebt und arbeitet, in ihrem kleinbürgerlichen und zugleich unkonventionellen Kurztext-Konvolut handwerklich gekonnt.

Den Kladderadatsch über Kulinarisches in Brandenburg zu kaufen, das lohnt sich und ist kein Griff ins Klo, sondern in den Blog Jäger des verlorenen Schmatzes.

Auf der kommenden ITB im nächsten Jahr könnte durchaus dieser Speiseführer von Julia Schoon eine Auszeichnung bekommen. Zumindest an den Brandenburg-Ständen in einer der Messehallen am Ende der Avus sollte man der Frau danken, die mit ihrer Arbeit mehr Gutes bewirkt als alle verkommenen und verlogenen PR-Agenturen dieses Berliner Umlandes voller Blitzer auf dem Weg zur Ostsee.

Bibliographische Angaben

Julia Schoon, Kulinarisches Brandenburg, Über 100 Ausflüge zu Hofläden und Manufakturen, 176 Seiten, 120 Fotos, komplett in Farbe, neun doppelseitige Übersichtskarten, farbige Klappkarten, Verlag: Trescher, 1. Auflage, Berlin 2018, ISBN: 978-3-89794-429-9, Preise: 14,95 EUR (D)

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