Kunst rund um die Uhr – Das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt steht in Celle

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Celle (Weltexpress) - 39854828, unter dieser Nummer ist beim Deutschen Marken- und Patentamt in München ein einzigartiges Museumskonzept registriert: Das erste 24-Stunden-Kunstmuseum der Welt. Morgens, mittags, abends und nachts bietet das Kunstmuseum Celle Begegnungen mit moderner und zeitgenössischer Kunst aus der Sammlung Robert Simon.

24-Stunden-Kunstmuseum heißt, dass es rund um die Uhr etwas zu entdecken gibt: Tagsüber werden – ganz klassisch im Innenraum – Malerei, Grafik, Skulptur, Licht- und Objektkunst gezeigt. Nachts ist das Museum geschlossen, aber dennoch einen Besuch wert. An und hinter der gläsernen Fassade übernimmt die Lichtkunst die Regie und lässt das Haus nach außen strahlen. Wer alles sehen will, kommt zweimal: am Tag und bei Nacht.

Die Sammlung von Robert Simon, der sich für das Kunstmuseum auch als ehrenamtlicher Leiter engagiert, ist über drei Jahrzehnte gewachsen. Einer der großen Glanzpunkte ist der von ZERO-Künstler Otto Piene speziell für Celle gestaltete „Lichtraum“. Piene schuf auch den Lichtfries „Zone Zero“ und das monumentale Skulpturen-Paar „Feuerwerk für Celle“. Sie gehören neben Arbeiten von Brigitte Kowanz, Klaus Geldmacher, Francesco Mariotti, Vollrad Kutscher und Leonardo Mosso zu den Highlights des nächtlichen Lichtkunst-Parcours’ im Außenbereich des Museums.

Das Haus besitzt eine umfangreiche Kollektion an Multiples von Joseph Beuys. Darüber hinaus sind im Sammlungsbestand unter anderem prominent vertreten: Dieter Krieg, Timm Ulrichs, Ben Willikens und Peter Basseler sowie Professoren und Absolventen von Niedersachsens herausragender Kunsthochschule in Braunschweig.

Ein weiterer Schwerpunkt und Sonderbereich der Sammlung ist die Neue Sachlichkeit der 20er Jahre mit Zeichnungen und Gemälden der Hannoveraner Künstler Erich Wegner und Grethe Jürgens. Über die Grenzen künstlerischer Strömungen, Gattungen und Disziplinen hinweg wird der sehenswerte Bestand der Sammlung immer wieder in neue Richtungen vernetzt und ergänzt durch ein kontrastreiches Programm aus Sonderausstellungen, Kunstaktionen, Theater-Events, Vorträgen, Künstlergesprächen, Konzerten, Lesungen und Workshops.

„Gefrorenes Feuerwerk“ – Lichtskulpturen von Otto Piene für das Kunstmuseum Celle  

Wie erstarrte Feuerfontänen ragen vor dem Kunstmuseum Celle zwei monumentale Skulpturen in den Himmel. Geschaffen hat das 8,5 Meter hohe „Feuerwerk“ aus Licht, knallrotem Lack und Stahl der Künstler Otto Piene.

Für Robert Simon, den Leiter des ersten 24-Stunden-Kunstmuseums der Welt, ist die Doppelskulptur der krönende Abschluss der architektonischen Umgestaltung des Hauses: „Pienes Lichtplastiken sind der neue Gegenpol zu unserem leuchtenden Foyerbau. So wie das Museum selbst haben die Skulpturen eine Tag- und eine Nachtseite: im Hellen eine kraftvolle Farbexplosion, bei Dunkelheit ein kilometerweit strahlender Anziehungspunkt…“

Bei der Konzeption des Kunstwerks hatte Piene vor allem die Wirkung seiner Skulpturen vor Ort im Blick: „Die neue Lichtplastik besteht aus einem Paar von konischen vertikalen Rohren, die je eine stählerne Feuerwerksgarbe tragen. Sie werden bei Nacht angeleuchtet und senden einen vertikalen Lichtstrahl in den Himmel. So entsteht im Zusammenspiel mit der Glasfassade des Museums ein lebendiger Licht-Raum-Körper.“

Otto Piene ist Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO und international bekannt unter anderem für seine spektakulären Sky-Art-Aktionen. 2003 erhielt er den Weltkunstpreis. Den Aufbau der Celler Arbeit vor Ort hat der Künstler persönlich beaufsichtigt. Das Werk ist die erste Stahlskulptur des 78-Jährigen. Piene setzt damit einen langgehegten Wunsch in die Tat um: „Seit meinen ersten Helium-getragenen, luftgefüllten Sternblumen hatte ich den Gedanken, sie aus Stahl zu machen – weil Stahl wetterfest ist und dauerhaft.“

Prachtstücke auf Keilrahmen – Meisterwerke von Dieter Krieg im Kunstmuseum Celle

Über 120 Quadratmeter Farblandschaft auf 25 großformatigen Leinwänden vereint die Ausstellung „Prachtstücke!“ im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon. Das vielgestaltige Auf und Ab zwischen krustigen Gebirgsmassen aus Acrylfarbe, energischen Pinselspuren und sacht gehauchten Farbnebeln ist charakteristisch für die Malerei von Dieter Krieg.

Krieg (1937-2005) gehört zu den eigenwilligsten und stärksten Persönlichkeiten der deutschen Gegenwartskunst. Bereits 1978 bespielte er den deutschen Pavillon auf der Biennale in Venedig und trat eine Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf an. Zeit seines Lebens wurde Krieg mit vielen Auszeichnungen geehrt, posthum erhielt er den Preis der Cologne Fine Art. Das Kunstmuseum Celle würdigt Krieg mit einer Sonderausstellung seiner Meisterstücke. Die Ausstellung vereint Werke aus den Beständen der Sammlung Robert Simon und der Stiftung Dieter Krieg in Stuttgart.

Im Gegensatz zu den letzten Großausstellungen in Bonn (2006) und Stuttgart (2008) liegt der Schwerpunkt nicht bei den bekannten seriellen Wort-Bildern des Künstlers. Mit einer exquisiten Auswahl ausdrucksstarker Großformate steht in Celle das Gegenständliche in Kriegs Kunst im Mittelpunkt.

„Ich grübele nicht über den Stoff, sondern ich erfahre ihn durch das Malen“, so beschrieb der Künstler selbst seinen Umgang mit den Motiven. Mit ganzem Körpereinsatz und oft unkonventionellen Malwerkzeugen tastete sich Krieg an seine Bildgegenstände heran. Aus der Nahsicht wirken ganze Passagen wie abstrakt. Gerade in den großformatigen Gemälden zeigt sich Krieg als experimentierfreudiger Erforscher der Möglichkeiten und Grenzen von Malerei. Seine Bilder laden ein, die spannungsvollen Gegensätze zwischen Klüften, Brocken, Graten und Ebenen aus Farbe im imaginären Nachvollzug des Entstehungsprozesses mit dem Blick zu erwandern.

Mit mehr Abstand zur Leinwand rückt die Malerei hingegen in die Nähe einer rauen Spielform der Pop-Art: Was Dieter Krieg per Blow-up-Verfahren satt leuchtend in Szene setzt, sind oft banale Gegenstände der Alltagskultur. Bierdeckel, Würste, Hähnchenschenkel, Putzeimer, Blumentöpfe und treu blickende Dackelköpfe plusterte er auf zu grandiosen Bild-Monumenten. Für den spannungsvollen Bruch sorgt sein nach wie vor singulärer Malstil. Statt den Objekten zu huldigen, stellte Krieg sie in Frage: Er kratzte sie an, brach sie auf, raubte ihnen Erdung und Schwerkraft und holte so fremde Seiten des Vertrauten an die Oberfläche.

Die Ausstellung „Prachtstücke! Malerei von Dieter Krieg“ im Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon läuft bis zum 7. Oktober 2012. Sie wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen.

Infos: Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon, Schlossplatz 7, 29221 Celle, Tel. (05141)12685, www.kunst.celle.de, Di-So 10-17 Uhr, täglich 17-10 Uhr (Internationale Lichtkunst von außen)

Übernachtungstipps: Wer gern nahe der Altstadt und des Kunstmuseums wohnen möchte, wählt: www.intercityhotel.com/Celle; www.fuerstenhof-celle.com/de; www.caroline-mathilde.de
Wer lieber ruhig und etwas außerhalb mit feinster Wellness-Oase nächtigen möchte, wählt: www.celler-tor.de

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