Kulturmetropole an der Moldau – Prag im Glanz seines barocken Erbes

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Blick über die Moldau auf die Kleinseite. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Prag, Tschechien (Weltexpress). Nicht nur von der historischen Karlsbrücke aus erschließt sich die Faszination der Prager Stadtkulisse.

Wachwechsel an der Prager Burg. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Wachwechsel an der Prager Burg. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Zuweilen zeigt sich die „Goldene Stadt an der Moldau“ auch von ihrer finsteren Seite. Denn es gibt sie noch, die schaurige und zugleich fantastische Welt der Alchimisten und Magier, der Geister und Gespenster in den engen Gässchen und dunklen Durchgängen der Altstadt. Wie aus dem Nichts tauchen sie auf und lassen zart besaiteten Gemütern das Blut in den Adern gefrieren. Die „Schneefrau“ kennt sie alle, ist sie doch selbst eine dieser obskuren Gestalten, die wie Schatten ihrer selbst aus den Tiefen der Unterwelt wieder auferstehen. Dabei stets getrieben von der Absicht, auf Veranlassung des Prager Sagen- und Gespenstermuseums die Geheimnisse der nicht durchweg „guten alten Zeit“ wieder zutage zu fördern.

Allesamt sind sie bedauernswerte Wesen, denen die innere Ruhe und der ewige Frieden versagt bleiben. Sei es, wie bei der „Schneefrau“, durch das gerüttelte Maß an persönlicher Schuld, die auf ihren Schultern lastet. Oder aber, wie beim unstet vorbei huschenden „Wassermann“, eine unerfüllte Liebe, die ihn noch heute innerlich verzehrt. Einst hatte seine Angebetete durch einen verzweifelten Sprung von der Moldaubrücke im feuchten Element ein tragisches Ende gefunden. Als kostbarstes Andenken ist ihm nur ihr lebloser Kopf geblieben, den er während dieser kurzen Begegnung in liebevoller Hingabe immer wieder an sich presst.

Barockes Lebensgefühl

Karlsbrücke mit Blick auf den Veitsdom. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Karlsbrücke mit Blick auf den Veitsdom. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Den Gegenpol bildet das „Goldene Prag“, dessen gepflegte Fassaden sich glanzvoll auf der Oberfläche der Moldau spiegeln. Wer wollte es sich da entgehen lassen, bei einer Schiffstour entlang den steinernen Bögen der Karlsbrücke venezianisches Flair in sich einzusaugen? Dabei ist es vor allem die barocke Architektur, die der Stadt ihren glanzvollen Charakter verleiht. Jene Form der Architektur, die in ihrem verschnörkelten und illusionären Stil immer wieder beiträgt zu dem barocken Lebensgefühl, das sich fast überall in der Stadt entfaltet.

Ein besonderes Prunkstück barocker Architektur ist das Schloss Troja vor den Toren der Prager Altstadt. Eingerahmt von grün leuchtenden Rebstöcken und einem großzügig angelegten Barockgarten, versprüht es noch heute den Charme jener galanten Zeitepoche. Alles ist Kunst, und nichts wird dem Zufall überlassen. Das bestätigen bereits die mythologischen Figurengruppen der Treppenanlage, die den Sieg des Göttlichen über das Chaos zum Inhalt haben. Entspricht diese optimistische Sichtweise nicht auch dem Selbstverständnis des Hauses Habsburg als Beschützer und Bewahrer der damaligen politischen Ordnung?

„Barock auf dem Teller“

Mozart Dinner im Boccaccio Ballroom. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Mozart Dinner im Boccaccio Ballroom. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Zum barocken Gesamterlebnis zählt natürlich auch die Küche der Moldaumetropole. Niemand weiß dies besser als Pavel Maurer, dem nun schon im 11. Jahr die Organisation des „Grand Restaurant Festivals“ sowie des „Grand Food Festivals“ obliegt. „Barock auf dem Teller“ lautet sein diesjähriges Motto mit dem erklärten Ziel, beste Gourmet-Qualität mit überschaubaren Preisen in Einklang zu bringen.

Noch gediegener geht es zu beim regelmäßig stattfindenden „Mozart Dinner“ im Boccaccio Ballroom des Grand Hotel Bohemia. Wird hier doch eine Sternstunde des Prager Barockerlebnisses zelebriert, wenn in prächtig ausgestalteter Barockkulisse köstliche Speisen aus jener Zeit aufgetragen werden. Dazu musikalische Ohrwürmer von Wolfgang Amadeus Mozart, wobei es dem bezaubernden Gesangsduo sowie einem kleinen Streichorchester im Nu gelingt, zwischen den einzelnen Gängen die erwünschte Barock-Seligkeit hervorzuzaubern.

Barockes Vergnügen

Barocke Ankleidezeremonie in den Barrandov Studios. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Barocke Ankleidezeremonie in den Barrandov Studios. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Als ein Barock-Eldorado ganz anderer Art erweist sich das Barrandov Filmstudio, eines der ältesten und größten in ganz Europa. „Cinderella“ erblickte hier vor langer Zeit das Licht der Welt, daneben „Mission Impossible“ sowie „Casino Royale“. Und, wie sollte es anders sein, natürlich auch „Amadeus“, jene Kultfigur, die sich bereits damals durch die legendäre Reise nach Prag in die Annalen der Stadt eingetragen hatte.

Als überaus eindrucksvoll erweist es sich, mit Hilfe von Ausstellungen und Exponaten wichtige Teile der Filmgeschichte noch einmal nachzuvollziehen. Das größte Erlebnis jedoch ist es, mit Unterstützung geschulter Hände in die Original-Kostüme des Films hinein zu schlüpfen und sich mit etwas Glück darin vor einer Kamera wiederzufinden. In der Tat ein außerordentliches barockes Vergnügen!

Frühlings Erwachen

Üppige Kopfbekleidung in Vortova. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Üppige Kopfbekleidung in Vortova. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Doch auch dieses ist noch steigerungsfähig. Dazu jedoch bedarf es der Anreise nach Vortova, einem Zentrum ostböhmischen Frühlingsbrauchtums, das unlängst in den Rang des immateriellen UNESCO-Welterbes erhoben wurde. Auf einzigartige Weise hat sich hier der Brauch erhalten, den harten Winter zum Rückzug zu bewegen, um endlich dem Frühling Platz zu machen.

Es ist ein illustres Spektakel, wenn dabei die unterschiedlich maskierten Frühlingsboten von Haus zu Haus ziehen und mit Musik- und Tanzdarbietungen der neuen Jahreszeit die Tore öffnen. Erinnert das hin und wieder erschallende Brunftgeschrei nicht gar an einen weit zurück liegenden Fruchtbarkeitskult? Das ganze Dorf nimmt Teil an diesem sinnlich-barocken Schauspiel und demonstriert damit symbolisch seine Generationen übergreifende Zusammengehörigkeit.

Europäische Zeitenwende

Genscher-Balkon des Palais Lobkowitz. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Genscher-Balkon des Palais Lobkowitz. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Von ähnlich symbolischer Aussagekraft für die deutsche Zusammengehörigkeit erweist sich, zurück in Prag, das Palais Lobkowitz, der Sitz der deutschen Botschaft. Der gepflegte Barockgarten auf seiner Rückseite lässt heute nur noch mit Mühe erahnen, welche dramatischen Szenen sich hier abspielten, als Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher vom Balkon herab der ungeduldig wartenden Menge seine befreiende Ausreise-Botschaft verkündete.

Mehr als ein Vierteljahrhundert nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ist dieser Ort zu einem Pilgerziel für deutsche Besucher geworden. Die Stadt Prag indes trägt es mit Gelassenheit. Denn über die Jahrhunderte hinweg ist sie bestens vertraut mit dem steten Wandel historischer und kultureller Epochen.

Reiseinformationen “Barockes Prag”:

Gesangsduo beim Mozart Dinner. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Gesangsduo beim Mozart Dinner. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise: Mit der Bahn oder dem Auto z.B. über Nürnberg nach Prag; mit dem Flugzeug z.B. über München nach Prag

Einreise: Für die Einreise empfehlen sich Reisepass oder Personalausweis

Reisezeit: Die Reisezeit ist ganzjährig. Von den Wetterbedingungen her empfehlen sich allerdings die Monate von Frühling bis Herbst. Frühlingsfest in Vortova zum Ende der Karnevalszeit; Gourmetfestivals: Februar/Mai

Reiseveranstalter: Pauschalreisen können bei den meisten größeren Reiseveranstaltern gebucht werden.

Unterkunft: Empfehlenswert: Andel‘s by Vienna House Prag

Auskunft: Tschechische Zentrale für Tourismus, Wilhelmstraße 44, 10117 Berlin, Telefon: 030-2044770, E-Mail: berlin@czechtourism.com, Web: www.czechtourism.com

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Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt von der Tschechischen Zentrale für Tourismus.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine Erstveröffentlichung.

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