Königliche Sommerfrische – Der Chiemsee und seine Ausstrahlung

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© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014
Prien, Bayern, Deutschland (Weltexpress). Als „Königlich Prien“ besinnt sich die Stadt auf die reichen Natur- und Kulturschätze vor ihrer Haustür.

„Mit Napoleon lässt sich gut Staat machen!“ Zu dieser befreienden Erkenntnis gelangten die Bayern, als sie der französische Eroberer zu Beginn des 19. Jahrhunderts überraschend wegen ihrer Bündnistreue mit dem bayerischen Königtum belohnte. Zwar hatte diese monarchische Institution von Napoleons Gnaden nur Bestand bis zum Ersten Weltkrieg. Doch den Bayern bescherten ihre Könige aus dem Fürstengeschlecht der Wittelsbacher bis heute einen erheblichen Anteil ihrer bajuwarischen Identität.

Vor allem ist es König Ludwig II., der als exzentrischer Monarch nicht nur im kollektiven bayerischen Unbewussten seinen Platz fand, sondern dazu auch über die Generationen hinweg in die bayerischen Herzen Einzug hielt. Sein Musenfreund Richard Wagner hielt ihn gar, wie ähnlich auch viele seiner Zeitgenossen, für „leider so schön und geistvoll, seelenvoll und herrlich, dass ich fürchte, sein Leben müsste wie ein flüchtiger Göttertraum in dieser gemeinen Welt zerrinnen“. Was es dann, je nach Sichtweise, auch wirklich tat?

Ausgangspunkt des Ludwig-Kults

Der bayerische Chiemsee jedenfalls gehört zu den Landschaften, denen König Ludwig II. seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Stätten, auf die der „Kini“ einst seinen Fuß setzte, haben daher bis heute den Status Heiliger Orte. In einer Mischung aus Verehrung und Mitleid, insbesondere angesichts seines Todes im Starnberger See, dessen Ursachen und Hintergründe bis heute nicht vollständig geklärt sind.  

Die Gemeinde Prien am Westufer des „Bayerischen Meeres“ hat sich zu einem wesentlichen Ausgangspunkt des heutigen Ludwig-Kults entwickelt. Nicht etwa, weil der König dem Ort damals größere Beachtung geschenkt hätte. Im Gegenteil, denn Ludwig kehrte ihm auf seinem Weg zur Herreninsel so schnell er konnte den Rücken. Vielmehr, so Stadtführerin Helga Schömmer, transportierte ihn seine Kutsche umgehend hinauf zum Nordufer des Sees nach Urfahrn, von wo aus er sich, möglichst unerkannt, an der engsten Stelle zur Insel hinüber rudern ließ.

Chiemsee-Verkehrsknotenpunkt

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Dennoch hat Prien dem König viel zu verdanken. Denn mit der Anbindung an die Bahnstrecke München – Salzburg sowie der kleinen „Bockerlbahn“ hinunter zur Haupt-Anlegestelle der Chiemsee-Fährschiffe, hat sich die Stadt in der Tat zu einem Verkehrsknotenpunkt des Chiemsee-Tourismus entwickelt.

Und dessen Hauptschneise führt hinüber zur Insel Herrenchiemsee. Doch nicht etwa wegen des Augustiner Chorherrenstifts, dem einst Napoleon im Zuge der Säkularisierung seine Bedeutung nahm. Und auch nicht wegen der darin zu findenden Räumlichkeiten, in denen nach dem Zweiten Weltkrieg über die Grundlagen einer neuen Verfassung für die Bundesrepublik Deutschland nachgedacht wurde.

„Sonnenkönig“ als Vorbild

Denn all dies wird übertroffen von einem Bauwerk der Superlative, das König Ludwig II. auf der anderen Seite der Insel errichten ließ: das Schloss Herrenchiemsee. So prächtig, dass nach seiner Fertigstellung die Baukosten höher ausfielen als die Gesamtkosten aller seiner übrigen Schlösser. Ein gigantisches Projekt der allerhöchsten Prachtentfaltung, das folglich den damaligen bayerischen Finanzbehörden erhebliches Kopfzerbrechen bereitete.

Obwohl jedoch das Bauwerk höchsten europäischen Prunk-Maßstäben entsprach, sollte es doch nicht speziell als bajuwarisches Vorzeigeobjekt dienen. Ja nicht einmal dem Ruhm seines Erbauers sollte es mehren. Vielmehr bestand in der Vorstellungswelt Ludwigs seine Funktion ausschließlich darin, dem französischen „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. allerhöchste Reverenz zu erweisen. Eine heute nicht leicht nachvollziehbare Position, die sich jedoch eindeutig in der Ausgestaltung aller Prunkräume deutlich widerspiegelt.

Prachtvoller als Versailles?

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Trotz aller technischen Raffinessen hinter den Kulissen demnach ein politischer Rückschritt hin zum französischen Absolutismus? Und damit zur Verehrung eines Monarchen, dessen militärisches Eingreifen dem deutschen Rhein so viele Ruinen bescherte? Am bayerischen Chiemsee steht eine solche kritische Sichtweise heute verständlicherweise nicht im Vordergrund. Was vielmehr zählt ist der Stolz auf dieses hochkarätige Gesamtkunstwerk, das sogar zu der Frage Anlass gibt, ob es in seiner perfekten und kompromisslosen Ausgestaltung das große Vorbild Versailles nicht sogar noch übertrifft.

So darf sich die Region auch weiterhin mit dem Ruhm dieses „königlichen“ Bauwerks schmücken in der Gewissheit, dass der Besucherstrom an diesen heiligen Ort fürstlicher Repräsentation niemals abreißen wird. Doch weiß man darüber hinaus auch um die Schönheit der Chiemseer Seenlandschaft. Einer von den Bergen der Voralpen aufgelockerten Region, die sich auf großzügig angelegten Radfahrwegen bestens erschließen lässt.

Bayerische Gemütlichkeit

Mit Einkehrmöglichkeiten am Seeufer, in denen, wie in der Fischhütte von Michi und Brigitte Reiter, umgehend bayerische Gemütlichkeit um sich greift.  Michi, einer der 17 Fischer in der Chiemsee-Region, steht am Grill, wo er die von ihm gefangenen frischen Seeforellen mit pikanter Pfeffer- und Salzsauce bestreicht und als „Steckerlfisch“ an einem langen Stab über dem Holzkohlenfeuer garen lässt.

Drinnen in der Hütte serviert Brigitte das schmackhafte Mahl mit einem würzigen Bayerischen Bier. Als Tochter von Beppi Steinbeißer, der ältesten Berufsfischerin Deutschlands, hat sie stets Interessantes zu erzählen über die Fischereitradition am See. Über Aal, Hecht und Barsch bis hin zum Wels, der sich mit bis zu zwei Metern Länge und einem Gewicht von fünfzig Kilogramm natürlich nicht ganz leicht aus dem Wasser ziehen lässt.

Royal Urlauben

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Ihr bewährter Wahlspruch: „Schee dass hie seid’s“, der einladend an ihrer Eingangstür angebracht ist, verfehlt, wie Brigitte überzeugt erklärt, als Einkehr-Philosophie natürlich nicht seine Wirkung.

Ebensowenig wie auch das offizielle Motto der Stadt „Königlich Prien“ 2014, das zum „Royal Urlauben am Bayerischen Meer“ einlädt. Zu authentischen Hofstaatführungen und wildromantischen Nachtwanderungen, zu „See-Insel-Königs-G’schicht’n“ und Kutschfahrten zum Königsschloss.
Noch ist es Zeit, denn der Sommer ist noch lang.

Reiseinformationen „Chiemsee“:

Anreise: Mit dem PKW über die A8 München-Salzburg, ab München eine Stunde. Mit der Bahn über München im Stundentakt nach Prien. Mit dem Flugzeug über München, Transfer 90 Minuten, oder Salzburg, 40 Minuten.

Reisezeit: Ganzjährig, Hauptsaison im Sommerhalbjahr.

Buchung: Kur- und Tourismusbüro Prien, Telefon: 08051-6905-0 oder Email: info@tourismus.prien.de

Auskunft: PrienerTourismus GmbH, Alte Rathausstraße 11, 83209 Prien am Chiemsee, Telefon: 08051-6905-0, Websiten: www.tourismus.prien.de; www.herren-chiemsee.de; www.frauenwoerth.de; www.chiemsee-schifffahrt.de

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Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Prien.

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