Kampf gegen Heuschrecken oder Windmühlen? – Die Linke und die Kapitalisten bei Thyssen-Krupp

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Stahl
Stahlwerk (Symbolbild). Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Nach einer Episode aus dem Jahrhundertroman „Don Quijote“ des Schriftstellers Miguel de Cervantes Saavedra, in der der Titelheld einen sinnlosen Kampf gegen Windmühlen führt, die er für mächtige, vielarmige Riesen hält, wird der der Kampf gegen Windmühlen als ein aussichtsloser angesehen.

Mit dem Ansehen ist das so eine Sache. Wenn Begriffe wie Heuschreckenkapitalismus in die Debatte geworfen werfen wie schwer verdauliche Brocken vor die Säue, dann wissen wir nur eines, nämlich dass der Beobachter blind ist. Mit Heuschrecken oder Heuschreckenkapitalismus hat das nichts zu tun, wenn der Fonds Elliott Eigentum an der Thyssen-Krupp AG erwirbt.

Dass der 1944 in New York geborene Paul Singer den Hedgefonds Elliott Management Corporation gründet und leitet, damit Geld einsammelt und dieses in das Unternehmen, das in Essen seinen Sitz hat steckt, das ist Kapitalismus und nichts anderes. Und das Kapitalisten mit ihrem Kapital machen, was sie wollen, das sollte auch Kritik des Kapitalismus wenig wundern.

Dass an diesem Industriekonzern mit Sitz in Deutschland, der heute seinen Schwerpunkt in der Verwertung von Stahl hat, US-Amerikaner mehr denn je mitreden, das ist im wahrsten Sinne des Wortes normal. Näheres zu dieser Form der Kapitalgesellschaft regelt das Erste Buch des Aktiengesetzes und nicht das Programm einer Partei des Sozialismus oder Kommunismus. Das gilt auch für Thyssen-Krupp.

Und auch das Senken der Ausgaben sowie das Heben der Einnahmen dürfte als allgemein üblich angesehen werden. Das ist also genau so wenig etwas Besonderes wie der Umstand, das der Zustand der Eigentümer ein eigentümlich sein kann, mithin einer verschiedener Interessen.

Ob US-Milliardär Paul Singer in einem Brief an den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp erklärt, dass der Vertrag mit Tata Steel „sehr enttäuschend“ sei, spielt für die um den Mehrwert betrogenen Lohnarbeiter keine Rolle. Und ob der Finanzinvestor Elliott oder der Finanzinvestor Cevian, der mit rund 18 Prozent zweitgrößter Aktionär bei Thyssen-Krupp ist, massiv auf einen starken Umbau des Konzerns drängt, das spielt im Grunde genommen keine Rolle. Singer schrieb in einem Brief dazu: „Wir möchten klarstellen, dass jedwede dieser Anschuldigungen kategorisch falsch und verleumderisch ist. Da Professor Lehner keine Beweise für solche Anschuldigungen haben kann, gehen wir davon aus, dass er die Anschuldigungen böswillig oder zumindest rücksichtslos gemacht hat.“ Ulrich Lehner ist derzeit Aufsichtsratschef bei Thyssen-Krupp. Er oder ein anderer, was kümmert das die Linke?

Wer die Merkel-Regierung aus CDU, CSU und SPD wie Alexander Ulrich von der Partei Die Linke auffordert, „nicht länger tatenlos“ zuzusehen, „wenn Heuschrecken wie der US-Fonds Elliott sich bei uns breitmachen“ um „produzierende Unternehmen wie ThyssenKrupp“ zu „zerstören“ und „dabei tausende Arbeitsplätze“ vernichtet, der hat nicht begriffen, dass die Kapitalisten dieser Welt längst schon nach dem Motto Survival of the fittest tanzen und das auch hierzulande.

Wer Thyssen-Krupp als bedeutenden Konzern des Standorts Bundesrepublik Deutschland zu stärken sucht wie Hubertus Heil (SPD) als Minister unter Kanzlerin Angela Merkel, der vertritt die Interessen der Bourgeoisie, der kämpft gegen Windmühlen, von mir aus gegen Heuschrecken, aber nicht gegen Kapitalisten, wie immer sie im Einzelnen auch heißen mögen, wo immer sie im einzelnen auch geboren sein mögen. New York, Rio, Tokio – it doesn`t matter für die Ausgebeuteten.

Wenn sich Kapitalisten in die Wolle kriegen, und hierin ist vor allem auch die Alfried-Krupp-von-Bohlen-und-Halbach-Stiftung als größter Aktionär von Thyssen-Krupp verstrickt, warum müssen sich Linke wie Alexander Ulrich für die einen mit Kohlen und Reibach und also gegen die anderen in die Bresche werfen? Ist die Bourgeoisie deutscher Zunge besser? Von wem Lohnarbeiter in der BRD ausgebeutet werden, das dürfte im Grunde genommen selbst diesen egal sein.

In die richtige Richtung geht immerhin Ulrichs Forderung nach Belegschaftsbeteiligungen, beispielsweise durch eine bessere Förderung von Genossenschaften. Mit Sozialismus oder Kommunismus hat das aber nichts zu tun. Das ist Sozialdemokratie pur und also ein sinnloser Kampf gegen vielarmige Riesen in penetranter Permanenz.

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