Jubelnder Applaus für Premieren-Aufführung von Cendrillon in der Komischen Oper Berlin

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Berlin, Deutschland (Weltexpress). Schon viele verschiedene Varianten der Inszenierung hat die Geschichte Aschenputtels erlebt, des guten, ins Abseits gedrängten Mädchens, das mit etwas Hilfe erreicht, was es verdient: u.a. Walt Disney, Gebrüder Grimm - in einer Opernversion wäre hier noch Rossinis Opera buffa "Cenerentola" zu nennen. Der umjubelte französische Starkomponist des Fin de siècle, nach der französischen Revolution, Jules Massenet (1899) hat in seiner französischsprachigen Märchen-Oper weite Kreise in der Musikgeschichte abgeschritten mit z.B. gregorianischen Gesängen als Liebesduett des Prince Charmant (einer Hosenrolle, fabelhaft besetzt mit Karolina Gumos) und Lucette, genannt Cendrillon (von Nadja Machantaf ebenfalls brilliant gesungen) und weiter mit barocker, romantischer Märchenmusik, die oft sehr herzergreifend ist und Gänsehautfeeling vermittelt.

Diese Inszenierung des international renommierten Damiano Michieletto zeigt Aschenputtel als Tänzerin, die sich verletzt und im verzweifelt weinend im Krankenhausbett liegt – ein Zukunftstraum wurde ihr geraubt. Der ursprünglich "Gläserne Schuh" ("La petite pantouffle de verre") des Librettos von Charles Perrault wird zu Ballettschuhen. Die Bühne changiert nahtlos zwischen Ballettschule, Märchenwald und Krankenhausdekor. Prince Charmant, der Märchenprinz ist ebenfalls ein Verzweifelter – er leidet unter seinem herrschsüchtigen Vater, dem Impressario, der Leistung und Erfolg von ihm erwartet. Die ursprüngliche Geschichte des Balls, auf dem der Prinz seine Braut finden muss, wird als Casting dargestellt.Pandolfe, der Vater Cendrillons (bezaubernd gesungen von Werner van Mechelen), leidet unter dem strengen Regiment seiner neuen Frau, Madame de la Haltrière. Sie hofft mit ihren beiden Töchtern Noémie und Dorothée auf gesellschaftlichen Aufstieg.
Lucette erscheinen am Krankenbett Feen, ihre Patenfee und der Feenchor – nicht in pastellfarbenen Kitschkostümen í  la Walt Disney, sondern menschlich als betagte, gütige Damen mit Dutt, Strickstrümpfen und grauen Wollmänteln. Goldener Staub heilt sie und ein wunderschönes Kleid wird aus Märchen gewoben. Die Schöne überrascht die Gesellschaft und tanzt mit dem verliebten Prinzen – das Happy End ist bekannt!

Viel Zwischenapplaus erntet auch der unvergleichlich lustig präsentierte der Opernchor  – alle tragen hellblaue Tütüs und Barock-Perücken, auch die Männer. Die Chorsolisten, Solisten und Solistinnen singen und tanzen – natürlich nur Andeutungen von Ballett. Die vibrierende Klangfülle und Koloratur des Chores ist ergreifend! Ein veritables Ballett-Pärchen tanzt als alter Egos im Hintergrund bei den ergreifenden Duetten von Lucette und Prince Charmant. 

Der Schlussapplaus will kein Ende nehmen mit seinem Jubelrufen – eine unvergleichlich geniale Inszenierung der vom Orchester der Komischen Oper mit duftigen Orchesterklängen unter die Haut gehend gespielten Märchenoper!
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