Indigene Präsidentschaftskandidatin in Mexiko nominiert

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Mexiko
Quelle: Pixabay


Berlin, Deutschland (Weltexpress). Am Sonntag, 28. Mai wählten gut eintausend Delegierte des Nationalen Indigenen Kongresses CNI (Congreso Nacional Indigena) María de Jesús Patricio Martínez zur ersten indigenen Präsidentschaftskandidatin Mexikos. Patricio Martínez ist Sprecherin des Indigenen Regierungsrates CIG (Concejo Indígena de Gobierno) und wird für diesen bei den Präsidentschaftswahlen 2018 als unabhängige Kandidatin antreten. Die 53-jährige Nahua-Indigene stammt aus Tuxpan im zentralmexikanischen Bundesstaat Jalisco, wo sie als Ärztin ein Zentrum für traditionelle Medizin leitet.

Auf der konstituierenden Versammlung des CIG in San Cristóbal de las Casas wurden neben der Präsidentschaftskandidatin auch die Mitglieder des Indigenen Regierungsrates bestimmt. Das durch Vertreter*innen von 58 in Mexiko lebenden indigenen Ethnien gewählte Gremium soll das Land kollektiv regieren. Nach außen wird es durch seine Sprecherin Patricio Martínez vertreten.

Ende 2016 beschlossen Vertreter*innen der Zapatistischen Armee zur Nationalen Befreiung EZLN und des Nationalen Indigenen Kongresses CNI einen basisdemokratisch gewählten Regierungsrat einzurichten, um Mexiko aus der aktuellen, schweren Krise zu führen. Diese Entscheidung wurde von einer Reihe linker Medien kritisiert. Sie befürchten mit Aufstellung der indigenen Gegenkandidatin eine Spaltung der Linken und die Schwächung des Kandidaten der 2014 gegründeten Morena-Partei (Movimiento Regeneración Nacional).

Belange der Indigenen sollen in den Mittelpunkt rücken

Mit der Nominierung der indigenen Präsidentschaftskandidatin beabsichtigen CNI und EZLN das herrschende System von unten zu demontieren. Sie wollen sichtbar machen, dass Millionen Mexikaner*innen mit indigenen Wurzeln marginalisiert und diskriminiert werden, von politischen Ämtern ausgeschlossen sind und in extremer Armut leben. Nach dem Willen der beiden Organisationen soll der Indigene Regierungsrat den sozialen Zusammenhalt im Land wieder herstellen und die Belange der indigenen Bevölkerung mehr in den Mittelpunkt der Politik rücken.

Um bei den Wahlen im Juli 2018 als unabhängige Präsidentschaftskandidatin auch antreten zu können, hat María de Jesús Patricio Martínez noch eine große Hürde zu nehmen. Innerhalb von 120 Tagen muss sie knapp 800.000 Unterschriften von wahlberechtigten Unterstützer*innen sammeln.

Anmerkung:

Die Erstveröffentlichung des Beitrags erfolgte am 31.05.2017 beim Nachrichtenpool Lateinamerika.

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