In 30 Jahren vom Messejungen zum Kapitän – MS „Nordlys“-Kapitän Kai Albrigtsen (45) im WELTEXPRESS -Gespräch

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Kapitän Kai Albrigtsen (l) auf der Brücke
Stralsund (Weltexpress) – WELTEXPRESS-Redakteur Dr. Peer Schmidt-Walther (PSW) fuhr vor wenigen Wochen auf der MS „Nordlys“, einem Huritgruten-Schiff, entlang der norwegischen Küste. Als Kenner reiste er in den weniger gebuchten Wintermonaten, wenn arktisches Licht den Himmel dramatisch mit Pink-, Orange-, Grau- und Blautönen anstreicht, Schnee die „Alpen des Nordmeeres“ überpudert oder sogar giftgrüne Nordlichtschleier – größter Advents-Wunsch aller Mitfahrer - durch die Dunkelheit wabern. So steht denn die Reise - für Viele ein Lebenstraum - auch unter dem Motto „Hunting the light“. „Nordlys“ - der Name „Nordlicht“ ist Programm. Wenn das Wetter einmal nicht mitspielt beim Blick auf See und Land, dann bleibt Zeit, Leute zu befragen. MS „Nordlys“-Kapitän Kai Albrigtsen lies sich nicht lange bitten.

PSW: Wie sind Sie Hurtigruten-Kapitän geworden?

Kai Albrigtsen: Gleich nach der Schule fing ich an, ganz unten: als Messejunge auf Hurtigruten-Schiffen. Bis ich in den Decksdienst wechselte. Dazu gehörte auch ein Jahr Fahrtzeit als Motormann in der Maschine der alten „Kong Olav“. Zwei Jahre dauerte dann die Ausbildung an der Seefahrtsschule in Bodö. Es folgten Stationen als Zweiter und Erster Offizier, bis ich 2008 zum Kapitän auf der „Finnmarken“ ernannt wurde. Auf der absolvierte ich meine längste Reise: von Norwegen nach Australien. Eine holländische Erdölfirma hat das Schiff für drei Jahre als schwimmendes Arbeiterwohnheim gechartert.

PSW: Welche Voraussetzungen braucht man, um ein Schiff in den nicht ungefährlichen norwegischen Küstengewässern zu fahren?

Kai Albrigtsen: Wichtig ist vor allem eine profunde Kenntnis der gesamten Küste, das heißt Häfen, Winde, Strömungen, Wetter. Hauptherausforderung ist das Manövrieren. Grundsatz dabei: niemals gegen, sondern immer mit den Elementen!

PSW: Welche Eigenschaften sind für eine Kapitäns-Persönlichkeit besonders wichtig?

Kai Albrigtsen: Immer die richtige Entscheidung zu treffen. Auf der letzten Reise musste ich zum Beispiel vier Häfen ausfallen lassen, weil die Wetterbedingungen einfach zu schlecht waren.

PSW: Wie viele Reisen macht das Schiff eigentlich pro Jahr?

Kai Albrigtsen: Rund 30 bis 32. Wir fahren 21 Tage und haben dann 21 Tage Urlaub.

PSW: Welcher Monat ist für Sie der schönste für eine Hurtigruten-Reise?

Kai Albrigtsen: Eindeutig der April. Da herrscht im hohen Norden noch Winter, im Süden hingegen beginnt der Frühling und es wird allmählich heller – ein Kontrastprogramm. Der Winter ist zwar für hartgesottene Passagiere besonders schön, für uns als Nautiker aufgrund der schnell wechselnder Wetterbedingungen und Dunkelheit nicht so sehr. Obwohl ich ein fan des akrtischen lichts bin mit seinem Himmel in Pink-, Lila-, Orange-, Blau- und Grautönen.

PSW: Wie stehen Sie zu Ihrer Entertainer-Rolle?

Kai Albrigtsen: Das gehört für mich dazu, wenn man Gäste hat. Bei meinen Runden durchs Schiff treffe ich viele, interessante Leute, die schon alles gesehen haben. Im Gespräch gestehen sie mir dann, dass eine Hurtigruten-Reise für sie der Höhepunkt ist. So was motiviert mich immer wieder, den Menschen die Besonderheiten unserer kombinierten Fracht- und Passagierlinie sowie des Küstengewässers nahezubringen. Dazu gehören unter anderem auch Routeninformationen, die Polartaufe oder eine Trockenfisch-Probierrunde.

PSW: Glückwunsch Kapitän Albrigtsen zu Ihrer außergewöhnlichen Karriere und vielen Dank für dieses Gespräch!

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