Immer größeres Augenmerk auf die Türkei

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Dr. Günter Seuffert, Vural Öger und Klaus Kreiser am 2. Mai 2012 in Berlin. © Weltexpress, Foto: Christine Keiner
Berlin (Weltexpress) - Zwischen der Humboldt-Universität Berlin und der Middle-East-Universität in Ankara wurde ein neuer Master-Studiengang im Bereich Sozialwissenschaften eingerichtet, der für junge Akademiker mit deutsch-türkischem Hintergrund eine bisher nicht dagewesene Möglichkeit zur Erschließung neuer Wege und ebensolcher Perspektiven bietet.

Etwa 80-90 junge Menschen bewerben sich seit 2005 jährlich um die 20-25 Studienplätze, die dieser Studiengang bietet. Überraschenderweise kommen die Bewerber jedoch aus aller Welt und die ersten Absolventen arbeiten bereits bei Einrichtungen wie beispielsweise der UNO, GTZ oder im Türkischen Außenministerium.

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung der Türkei und ihrer neuen Positionierung im Nahen Osten geben Anlass, sich mit neuer und erweiterter Perspektive mit dem Land zu beschäftigten. So lautete auch der Tenor einer Podiumsdiskussion, die in der vergangenen Woche im Festsaal der Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit dem "Network of Turkey", der Mercator Stiftung und der Humboldt-Universität stattfand. Dort referierten u.a. der Journalist und Filmemacher Osman Okkan, Klaus Kreiser und Vural Öger zum Thema: "Die Türkei im 21. Jahrhundert – Deutsch-Türkische Perspektiven".

Die Referate zeigten die gesamte Bandbreite der Fragen auf, die man sich im Zusammenhang mit der Türkei stellen muss und immer wieder wurde erwähnt, dass man mit 100 Fragen ins Land und mit 1000 Fragen wieder zurück komme.
Fakt jedoch ist, dass sich das Land in eine höhere Liga gespielt hat und täglich einflussreicher wird. Bedenken hinsichtlich eines zu großen Einflusses des Islam wies der Unternehmer und ehemalige Europa-Abgeordnete (SPD), Vural Öger zurück. Für ihn sei die Regierung von Ministerpräsident Tayyip Erdogan (AKP) eine laizistische und wirtschaftlich orientierte unter einem gläubigen Ministerpräsidenten.  Dass die Türkei die Frage, wie sie es mit ihren ethnischen und andersgläubigen Minderheiten hält, noch nicht wirklich befrieden konnte, ist immer wieder Gegenstand kritischer Diskussionen.

Mit Sorge betrachtet wurde auch hier das hohe Leistungsbilanzdefizit erwähnt. Dazu sagte der türkische Finanzminister in den vergangenen Tagen, dass dies vor allem daran liege, dass in der Türkei zu wenig gespart werde und andererseits die Importabhängigkeit, vor allem für Energie, nach wie vor groß sei. Auch wenn schon länger vor einer Überhitzung der türkischen Wirtschaft gewarnt wird und die Ratingagentur Standard & Poor`s eine Herabstufung von "postitiv auf stabil" für nötig hielt, betonte gerade heute der Marktstratege der Royal Bank Scotland, Timothy Ash, dass die Türkei besser dastehe, als Ratingagenturen schätzen. Er bescheinigte der Türkei eine hohe Kreditwürdigkeit.

Der fast schon traditionell größte Handelspartner Deutschlands ist die Türkei und die Zahl deutscher Firmen, die in der Türkei investieren oder mit Niederlassungen präsent sind, steigt kontinuierlich. Vor diesem Hintergrund werden gut ausgebildete junge Menschen mit türkisch-deutschem Hintergrund mehr gebraucht denn je, in Deutschland ebenso wie in der Türkei. So sind sowohl im akademischen wie im gesamten  Bildungsbereich starke Tendenzen zu erkennen, die beide Länder noch enger aneinander binden.

www.sowi.hu-berlin.de/getma

www.gtss.metu.edu.tr

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