Im Schwarzwald Natur pur entdecken und erleben

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Die Schwarzwaldklinik im Glottertal heute. © WELTEXPRESS, Fotos: Sonja Schön
München (Weltexpress) - Eine Region wie aus dem Bilderbuch – dunkle Wälder, grüne Hügel, helle Matten, tiefe Schluchten und romantische Höfe – das ist der Schwarzwald, Deutschlands beliebtestes Mittelgebirge. Hier herrschen Leichtigkeit und Lebensfreude einer alten Wein – und Kulturlandschaft. Vor allem für diejenigen, die regionale Besonderheiten suchen, hat sie mehr zu bieten als Kuckucksuhren und Bollenhut.

Achtung! Seht her! Das ist toll! Hier wächst Fettkraut!“, ruft Elsa Stadelmann, Studentin der Forstwissenschaften der Wandergruppe zu, die sie über den Feldberg führt. Sie zeigt auf fünf gelbliche bis hellgrüne, längliche Blätter, die eine flach am Boden liegende Rosette bilden. „An der Oberfläche befindet sich ein klebriges Sekret, mit dem die Pflanze kleine Insekten wie Mücken und Ameisen, aber auch Pollen fängt und die Beute durch Enzyme verdaut“, erzählt Stadelmann. Das Fettkraut (lateinisch: pinguicula) ist eine fleischfressende Pflanze, die in Deutschland als gefährdet gilt und deshalb in die Bundesartenschutzverordnung aufgenommen wurde. Aufgrund der in ihr enthaltenen Zimtsäure wurde Fettkraut früher zu Heilzwecken verwendet. Samuel Hahnemann, Begründer der Homöopathie, empfahl es bei aufgesprungener Haut, zur Schmerzstillung, bei Lungensucht und gegen Knochenbrüche. Außerdem macht Stadelmann auf eine meterhohe, kräftige, krautartige Pflanze aufmerksam: „Das ist Gelber Enzian!“ ruft sie begeistert aus. Er blüht erst im Alter von zehn Jahren und kann über ein halbes Jahrhundert alt werden. Da er reich an Zuckern und Bitterstoffen ist, eignet er sich für Aperitife, Magenbitter und Schnäpse. Auch die leuchtend gelb blühende Arnika findet man noch am Feldberg. Sie enthält ätherische Öle und wirkt entzündungshemmend. Hildegard von Bingen hielt sie für eine Zauberpflanze, durch die man Liebe entfachen konnte. „Arnika ist wurde schon in vorchristlicher Zeit der Muttergöttin Freyja zugeordnet“, weiß Stadelmann, die auch als Rangerin auf dem Feldberg arbeitet. Er ist mit 1.493 m der höchste Berg im Schwarzwald und liegt südöstlich von Freiburg im Breisgau, umgeben von den Orten Hinterzarten, Titisee, Menzenschwand, Bernau und Todtnau. Von weitem erkennt man ihn am Bismarckdenkmal auf dem Seebuck. Seit 1937 ist der größte Teil des Feldbergs aufgrund seiner subalpinen Vegetation als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Es umfasst eine Fläche von 42 Quadratkilometern und ist so groß wie 6.500 Fußballfelder. Wer sich nicht nur für seltene Pflanzen, sondern auch für seltene Tiere interessiert, kommt hier auf seine Kosten. „Selbst der schweizerische Dreizehenspecht brütet wieder auf dem Feldberg“, berichtet Stadelmann. Jedes Jahr baut er sich eine neue Bruthöhle in die Fichte. Dabei ist er wenig scheu: „Bis zu fünf Meter lässt er Menschen an sich heran bevor er flieht.“ Sogar Auerhähne, die außerhalb der Alpen in Deutschland fast nur noch im Schwarzwald vorkommen, findet man auf dem Feldberg. Sie stehen auf der „Roten Liste gefährdeter Arten“ und dürfen nicht gejagt werden. „Im Sommer ernähren sie sich vor allem von Heidelbeeren, im Winter von Fichtennadeln“, so Stadelmann. Weiter geht es an den Feldsee, der durch Gletscher der letzten Eiszeiten entstanden ist. An seinen Ufern herrscht mittlerweile Badeverbot. Dadurch soll eine seltene Art des stachelsporigen Brachsenkrauts (lateinisch: isoetes echinospora) geschützt werden. Es handelt sich dabei um einen Unterwasserfarn, der in bis zu zwei Metern Tiefe gedeiht und in Deutschland außer im Feldsee nur noch im Titisee vorkommt. Rund um den Feldsee wächst ein Bannwald, in dem keinerlei Forstwirtschaft betrieben wird. Wer vespern möchte, ist im 500 Meter weiter gelegenen „Raimartihof“ richtig. Er gehört zu den ältesten Gasthäusern in Baden-Württemberg und wird derzeit in der sechsten Generation von Familie Bernhard & Ruth Andris bewirtschaftet.

Alte Traditionen findet man auch im Glottertal, das durch die Fernsehserie „Die Schwarzwaldklinik“ mit Klausjürgen Wussow, Gaby Dohm und Sascha Hehn weltberühmt wurde. Dort gibt es die kleinste selbstvermarktende Winzergenossenschaft im gesamten badischen Raum. Sie wurde 1951 gegründet und zählt heute über 150 Winzerfamilien zu ihren Mitgliedern. Gemeinsam bewirtschaften sie eine Fläche von 60 Hektar. Weinbau im Glottertal wird zum ersten Mal im 16. Jahrhundert erwähnt und mit dem ehemaligen Schloss Winterbach in Zusammenhang gebracht. Damals stand die Region noch unter österreichischer Herrschaft und ging erst nach den napoleonischen Kriegen an das Großherzogtum Baden. Früher wie heute wird ein Großteil der Rebfläche von Hand bearbeitet. Denn aufgrund der steilen Weinberge sind Maschinen nur selten einsetzbar. So kennt der Winzer hier noch jeden Rebstock „persönlich“. „Außer dem Spätburgunder Weißherbst, der eigentlichen „Glottertäler Spezialität“, bauen wir auch hervorragende Rot- und Weißweine aus“, meint Pia Lickert, Winzerin und Vorstand der Winzergenossenschaft Glottertal. „Auf den Granit-Gneis-Verwitterungsböden fühlen sich alle Burgundersorten wohl und reifen jedes Jahr zu edlen Tropfen heran.“ Aber auch Chardonnay, Gewürztraminer, Weißburgunder und Müller-Thurgau gedeihen an den Südhängen des Glottertals, die zu den höchst gelegenen in ganz Deutschland zählen. Dabei steht die gesetzlich geschützte Bezeichnung „Roter Bur“ für besonders qualitätsvolle Weine. Der Name stammt vom Rotburenhof, dem die besten Parzellen in zentraler Lage des Eichbergs gehörten. Dank des guten Klimas und der optimalen Sonneneinstrahlung reifen dort Spitzenweine. So soll schon der Dichter Viktor von Scheffel, der 1881 in Bad Dürrheim zur Kur weilte, nach dem Genuss eines „Roten Burs“ beim Löwenwirt zu Rietheim bei Villingen so angetan gewesen sein, dass er den Wein aus dem Glottertal mit folgendem Gedicht ehrte: „Gott geb allen Menschen ein Streben nach Wahrheit 

dann bleibt auch dem Weine die Echtheit und Klarheit,

Gott spende des Sonnenlichts sonnigsten Strahl

den Blüten der Reben im Glottertal.“

Wer sich heute auf die Suche nach der legendären Schwarzwaldklinik begibt, wird an den „Carlsbau“ verwiesen. Das vor dem ersten Weltkrieg errichtete Anwesen diente Mitte der 1980er Jahre als Außenkulisse für die von Traumschiff-Erfinder Wolfgang Rademann produzierte Serie und war in Wirklichkeit eine Kurklinik der Landesversicherungsanstalt Württemberg. Jeden Tag kamen Fans aus nah und fern, um die „Schwarzwaldklinik“ mit eigenen Augen zu sehen und um ihren Idolen dort zu begegnen. Diese drehten jedoch in einem Hamburger Studio. So handelte es sich auch bei dem privaten Wohnhaus von Professor Klaus Brinkmann alias Klausjürgen Wussow um das Heimatmuseum Hüsli in Grafenhausen. Der fiktive Ort, in dem sich die Schwarzwaldklinik befindet, waren der Marktplatz und die Altstadt von Schiltach. Weitere „Hot Spots“ des Schwarzwaldes wie der Schluchsee oder die Triberger Wasserfälle flankierten ebenfalls die Dramen der „Götter in Weiß“. Insgesamt wurden bis 1989 70 Folgen produziert und in 38 Länder verkauft. Rund 28 Millionen Zuschauer sahen wöchentlich zu und machten „Die Schwarzwaldklinik“ somit zu einem der größten deutschen Fernseherfolge. Inzwischen ist der Star der Serie, Klausjürgen Wussow – laut „Hörzu“ der „Arzt, von dem die Frauen träumen“ – gestorben und der „Carlsbau“ steht zum Verkauf. Wer jedoch im Schwarzwald Körper, Geist und Seele stärken möchte, sollte an den Titisee fahren. Dort befindet sich das gleichnamige Maritim Hotel. Das 130-Zimmer-Hotel verfügt über eine eigene 5.000 Quadratmeter große Seewiese mit Sonnenliegen zum Entspannen. Pool, Sauna, Solarium, Infrarotkabine und Fitnessraum befinden sich im Wellness-Bereich. Eine regionale Besonderheit auf der Beautyfarm „Exclusiv“ sind Anwendungen mit Molke vom Ospelehof aus Hinterzarten. Schon vor über 2000 Jahren wurde dieses Naturprodukt von Kleopatra als Schönheitsmittel geschätzt. Es ist reich an Proteinen, Aminosäuren, Mineralien und Vitaminen. „Molke wird auch von empfindlicher Haut gut vertragen und eignet sich deshalb für Allergiker“, weiß Christine Homburger, Leiterin der Beautyfarm „Exclusiv“ im Maritim Titisee Hotel. „Sie stabilisiert den Säureschutzmantel der Haut, regt die Durchblutung an, wirkt rückfettend und entzündungshemmend.“ Molke bekämpft Hautunreinheiten und wirkt gegen Umwelteinflüsse. Sie begünstigt die Regeneration der Zellen und sorgt für eine straffere, zartere und schönere Haut. Molke gibt es als Peeling, Bad, Packung, Kosmetik und Drink. Für Radfahrer, die den See umrunden möchten (7 km), hält das Maritim Titisee Hotel City-Bikes bereit. Mountainbikes und E-Bikes verleiht der „Skihirt“ gleich gegenüber. Damit kann man auf den Feldberg oder auf dem „Oberaltenweg“ Richtung Thurner (St. Märgen) radeln, von wo aus man einen traumhaften Blick auf Freiburg hat. Egal, was man tut, der Schwarzwald ist immer eine gute Adresse.

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