Im Dienst der Schönheit – Stilgefühl am Tegernsee

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© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014
Tegernsee, Bayern, Deutschland (Weltexpress). Die Schönheit der Landschaft und die Ästhetik der Kleidung verleihen der Region ihren speziellen Reiz.

Irgendetwas muss dran sein am Dirndl. Denn nicht grundlos lässt es die Männerherzen höher schlagen. „Wenn wir Frauen es nicht so leicht hätten, wären wir alle schon längst ausgestorben“, erklärt mit einem Augenzwinkern Fanny Probst. Und die muss es schließlich wissen. Denn mit ihrem guten Namen und ihren sechs bewährten Mitarbeiterinnen steht sie für stilechte Dirndlherstellung am Tegernsee.

„Nicht kitschig wie Bonbonpapier“, darauf legt sie besonderen Wert. Vielmehr ganz im Tegernseer Stil: den Ausschnitt nur angedeutet mit weißer Spitze und leicht roten Rosenblüten. Ein ästhetischer Kunstgriff, der nicht zu viel offenbart, dafür aber umso mehr die Fantasie beflügelt. So stehen die modebewussten Frauen vor „Fanny’s Maßatelier“ in Tegernsee Schlange und halten ihre Mitarbeiterinnen hinter der Nähmaschine auf Trab.

Sinnenrausch bewährter Ästhetik

Ja, ihr Markt reicht von hier aus über Las Vegas sogar bis nach Tokio. Und eine Braut, die irgendwo auf der Welt etwas auf sich hält, kauft zur Hochzeitsfeier gleich drei dieser Prachtstücke. Wie unlängst die Tochter eines argentinischen Opernhausdirektors, die sich zur Vorfeier mit grün, zum Polterabend mit türkis und zur Trauung selbstverständlich mit weiß einkleidete.

Ein wahrer Sinnenrausch bei einer seit Generationen bewährten Ästhetik. Wie geschaffen für die Schönheit des Tegernseer Tals, in deren Dienst sie sich stellt. Jenes unvergleichliche Fleckchen Erde in überschaubaren Dimensionen, wo nicht zu hohe Berge den nicht zu großen See nach menschlichem Maß malerisch umrahmen. Treffpunkt und Wohnsitz all jener, die nicht nur über guten Geschmack verfügen, sondern zuweilen auch über das entsprechende Kleingeld.

Wie aus dem Ei gepellt

Unter ihnen befand sich im Mittelalter schon Kaiser Friedrich Barbarossa, der hier im Kloster am Seeufer einst die überregional berühmte Schreibwerkstätte der Benediktinermönche aufsuchte. Nicht zuletzt mit dem Ziel, um hier für den eigenen Bedarf die kostbaren Schriften zum geistlichen und weltlichen Leben mit Gold aufzuwiegen. Später waren es dann die bayerischen Könige aus dem Hause Wittelsbach, die an diesem Ort Gefallen fanden und unter Max I. Joseph im Klosterbereich ein Schloss einrichteten.

Auch Ludwig II., so wird überliefert, soll sich hier des Öfteren wohlgefühlt haben. Eitel vom Kopf bis zur Sohle, zeigte er sich  stets wie aus dem Ei gepellt. Und diente damit als ein Vorbild für all die gestandenen Mannsbilder, die bis heute ihre Trachtenkollektion an Fest- und Feiertagen öffentlich zur Schau stellen. Von der Trachtenlederhose und dem Trachtengürtel über die Trachtenjacke und die Wadenstrümpfe bis hin zum heimischen Trachtenhut, der jedem seiner Träger den letzten modischen Schliff verleiht.

Tief verwurzelte Identität

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014So jedenfalls sieht es Hutmacher Martin Wiesner aus dem benachbarten Kreuth, der sich, so zeigt sich im Gespräch, offenbar in den verborgensten Winkeln der Männerseele bestens auskennt. Und der bei jeder Anprobe in seiner Hutmacherei sogleich intuitiv spürt, welche Kopfbedeckung zu welchem Mann zu welchem Anlass am besten passt. Allesamt  Maßanfertigungen und damit  jedem Kopf individuell angepasst. Und natürlich auch im richtigen seitlichen Neigungswinkel der Hutkrempe aufgesetzt. Denn zwischen modischem Chic und unbeabsichtigter Blamage, da ist Martin Wiesner sich sicher, verläuft  häufig nur eine ganz schmale Trennlinie.

Wer sich jedoch mit einer fachmännisch angepassten Trachtenkleidung auf dem jährlich zum Sommeranfang stattfindenden Tegernseer Klosterhoffest  einfindet, weiß genau, dass er oder sie nichts falsch macht. Denn Tradition ist hier durchweg angesagt, ja erfreut sich einer stets wachsenden Beliebtheit. Denn, so fragt sich Martin Wiesner, ist sie nicht der äußere Ausdruck einer tief verwurzelten Identität, die nicht nur das Selbstbewusstsein beflügelt sondern auch das bayerische Wir-Gefühl bestärkt?

Weiß-blauer Himmel

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Den Beweis dafür liefert das „Tegernseer Bräustüberl“. Ein Treffpunkt von jung und alt, gut betucht und weniger reich, bayerisch oder zugereist. Hier findet, so Bräustüberl-Mitarbeiterin Barbara Lang, bei einem guten Tropfen und einer üppigen Mahlzeit jeder seinen Gesprächspartner. Und schwelgt dazu, teils auf schmalen Holzbänken an langen Tischen, in bayerischem Lebensgefühl. Mit etwas Glück auch unter einem strahlend weiß-blauen Himmel, dessen Farben sich im See schimmernd widerspiegeln.

Besonders gut erkennbar von der Terrasse des Hotels „Der Westerhof“ mit dem wohl schönsten Blick des Ortes aus lichter Höhe auf den See. Schön Kaiser Barbarossa soll sich hier vor seinem Aufbruch ins Heilige Land ein Mysterienspiel der Mönche angeschaut haben. Wohl auch deshalb an diesem einzigartigen Ort, weil das Grundstück in der damaligen Zeit noch Bestandteil des Benediktiner-Kloster im Tal war.

Geschmackvolle Prunkfassade

Weiter unterhalb, aber mit ähnlich überzeugender Lage hoch über den Ufern des Tegernsees, liegt „DAS TEGERNSEE“. Ein Hotelkomplex, der sich ebenfalls der Schönheit des Tegernseer Tals verschrieben hat. Mit modernstem Hotelneubau  bis zurück zu einem schmucken Schlösschen aus Wilhelminischer Zeit.

Hinter dieser noch heute als geschmackvoll empfundenen Prunkfassade lässt sich mit Blick auf den See stilvoll dinieren, wobei Chefkoch Horst Trautwein seiner Küche und seinem Ruf alle Ehre macht. Zarter Spargel mit zerlassener  Butter an würziger Schinkenkollektion, flankiert von einem trockenen Riesling. Ein Hochgenuss nicht nur für Kenner, sodass die Zeit aus dieser Vogelperspektive wie im Flug vergeht und schon bald die Lichter am Seeufer, von einer bewegten Wasseroberfläche reflektiert, funkelnd herauf leuchten.

Zartes „Tonnato Vitello“

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Eine Klasse für sich bietet auch das „Seehotel Überfahrt“ an der schmalsten Stelle des Tegernsees. Und dazu in Blickweite des legendären Malerwinkels von Rottach-Egern. Besonders in seinem Inneren unterstützen stilvoll gestaltete Blumenarrangements den Gesamteindruck von diesem traditionellen und doch modern konzipierten Refugium.

Dazu gehört die anderswo am Seeufer versteckte neue „Fährhütte 14“. Schlicht und rustikal in ihrem Äußeren, weiß sie jedoch mit ihrer Küche in höchstem Maße zu überzeugen. So in unübertroffener Zartheit die Vorspeise des „Tonnato Vitello“, zubereitet von Gourmetkoch Matthias Brust. Kann man sich erinnern, jemals sonst einen solchen schmackhaften Thunfisch gegessen zu haben? Hüttenchef Johannes Gaberger freut sich nach der Neueröffnung „seiner“ Fährhütte natürlich über den begeisterten Zuspruch seiner Gäste.

Liebe zum Detail

© Foto: Dr. Bernd Kregel, 2014Einen abschließenden Höhepunkt bietet das „Hotel Bachmair Weissach“ in Rottach-Egern, in dem bereits „Kini“ Ludwig II. Einkehr hielt. Ganz schlicht in einem der Nebenräume an einem massiven Holztisch am Kamin, der noch heute auch für jeden Bürgerlichen zum abendlichen Dinner gedeckt wird. Einst in Vergessenheit geraten und dem Verfall preisgegeben, erstrahlt das „Bachmair Weissach“ unter Hotelchef Korbinian Kohler seit wenigen Jahren in neuem Glanz. Als einziger Tegernseer Bub unter den namhaften Hotelchefs der Region betrachtet er sein Haus als Lebensaufgabe.

Zum Glück, kann man bei so viel Stilgefühl und Liebe zum Detail nur sagen. Denn bei durchweg stimmigem Interieur entsteht hier allabendlich ein Hotelerlebnis der Extraklasse. Die Stoffe und Holzmöbel sind so perfekt gearbeitet, dass sie sogar bei der Berührung ein taktiles Vergnügen und Wohlbefinden auslösen. Und dabei zeigt sich doch alles schlicht in der Gesamtkonzeption ohne stilistischen bajuwarischen Überschwang.

Ist demnach auch das „Bachmair Weissach“ ein Beitrag im Dienste der Schönheit des Sees? Hotelchef Kohler will es nicht ausschließen und verweist auf seine Tegernseer Identität. Kein Wunder, dass anhand solcher positiven Beispiele verstärkt deutsche Reiseziele in den Mittelpunkt des Interesses rücken.

Reiseinformationen „Tegernsee“:

Anreise: Mit dem PKW: Autobahn A8 München – Salzburg, Ausfahrt Holzkirchen/Tegernsee über die B318 / B307 noch ca. 25 km bis zur Gemeinde Gmund. Mit der Bahn: Vom Münchener HBF stündlich mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB). Mit dem Flugzeug: Flughafen München, weiter über München HBF

Reisezeit: Wie überall im alpinen Raum gibt es die Sommersaison für Natur, Kultur und Genuss; die Wintersaison dagegen schwerpunktmäßig für den sanften Wintersport.

Unterkunft: Der Westerhof: www.derwesterhof.de; DAS TEGERNSEE: www.dastegernsee.de; Althoff Seehotel Überfahrt: www.seehotel-ueberfahrt.com; Hotel Bachmair Weissach: www.bachmair-weissach.com

Essen und Trinken: Bräustüberl Tegernsee: www.braustuberl.de; Fährhütte 14: www.faehrhuette.de; Egerner Höfe: www.egerner-hoefe.de; Genießerland Tegernsee: www.geniesserland-tegernsee.de

Handwerksbetriebe: Dirndlschneiderin Fanny Probst: www.fannyfashion.de; Hutmacher Martin Wiesner: www.hutmacherei-wiesner.de; Haferlschuhmacher Martin Mitterer: www.mitterer-tegernsee.de

Auskunft: Tegernseer Tal Tourismus GmbH, Hauptstraße 2, 83684 Tegernsee, Telefon: 08022-92738-0, Fax: -22; Website: www.tegernsee.com

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Unterstützungshinweis:

Die Recherche wurde unterstützt vom Tegernseer Tal Tourismus.

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