„Ich will mein Leben zurück!“ oder Justizirrtümer in Deutschland – Zum Buch „Der Richter und sein Oper“ von Thomas Darnstädt

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© Piper
Berlin, Deutschland (Weltexpress). „Ich will mein Leben zurück!“. Das will nicht nur Harry Wörz, der mehr als 13 Jahre unschuldig von der Justiz verfolgt wurde, gefangen im Netz der Justiz war. Das wollen viele. Und das weiß der 1949 geborene Doktor der Juristerei Thomas Darnstädt, der als Journalist mit den Schwerunkten Polizeirecht, Bürgerrechte und Internationales Recht und als Spiegel-Redakteur in der Bundesrepublik bekannt ist.

Der in Hamburg lebende Thomas Darnstädt, dessen Vater bereits Journalist war, dessen Mutter Kinderbuchautorin war und dessen Bruder Drehbuchautor ist, hat bereits mehrere Bücher geschrieben. Nach „Der globale Polizeistaat. Terrorangst, Sicherheitswahn und das Ende unserer Freiheiten“ legt er mit „Der Richter und sein Oper. Wenn die Justiz sich irrt“ erneut schwere Kost vor.

Das Buch ist voll mit spektakulären Justizirrtümern (Der Fall Rupp, Röhrbach, Jenny, Mollath, Kachelmann oder der eingangs erwähnte Wörz), die zeigen: „Es kann jeden treffen“ und beweisen, dass das alles kein Zufall ist und „wie die Justiz all ihre macht einsetzte, um die eigenen ehler zu vertuschen und den Opern ihre Rehabilitation vorzuenthalten.“ Schlimmer noch formuliert Darnstädt im Vorwart das Schlichte: „In einigen Fällen drängt sich der Verdacht auf, der Irrtum sei gar kein Irrtum gewesen, sondern Ergebnis einer vorsätzlichen Intrige.“

Darnstädt erweist sich als Zweifler im Weinberg der Juristerei. Er greift sich die Urteile und misst die Richter an ihren Begründungen, die jeder im Volk verstehen können müsse. Nimmt man dann Ralf Eschelbach, Richter am Bundesgerichtsof, der schätzt, dass jedes vierte Strafurteil ein Fehlurteil ist, und teilt die täglich von Montag bis Freitag gesprochenen Strafurteile in Höhe von rund 3.000 durch die vermuteten vier, dann wird 750 mal am Arbeitstag falsch geurteilt. Das sind in einer Woche 3.750 und in einem Jahr 210.000 Justizirrtümer.

Schuld an der massigen Wucht von falschen Urteilen deutscher Strafgerichte seien „einseitige Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, überschätzte Gutachter und selbstgewisse Richter“, schreibt Darnstädt. Wer dessen Buch liest, der weiss, was der Mann damit sagen will.

Sein Schlusskapitel befasst sich mit den vier großen Problemen der Justiz und „die sechs Punkte für ihre Lösung. Aber lesen Sie selbst!

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Thomas Darnstädt, Der Richter und sein Oper, Wenn die Justiz sich irrt, 352 Seiten, Hartcover, Gebunden mit Schutzumschlag Piper, Website: www.piper.de, München und Zürich, 16.04.2013, ISBN: 978-3-492-05558-1, Preise: € 19,99 [D], € 20,60 [A], sFr 28,90

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