„Heftige Schläge“ gegen Iran und Syrien – Israel verlegt Iron Dome auf besetzte Golanhöhen

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Golandhöhen.
Vom Berg Bental auf den Golanhöhen blickt man bloßen Auges nach Syrien. Quelle: Pixabay.

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Dass die Gefahr einer noch kriegerischeren und tödlicheren Auseinandersetzung zwischen Israel, Syrien und Iran wächst, darauf muss niemand ernsthaft hingewiesen werden, der sich im Nahen Osten halbwegs auskennt.

Wenn Tomer Bar, Stabschef der israelischen Luftwaffe, den israelischen Angriff vom vergangenen Samstag als „bedeutendsten Angriff seit 1982“ bezeichnet, dann wissen alle Eingeweihten, was gemeint ist und Dominik Peters und Christoph Sydow in „Spiegel-Online“ (12.2.2018) unter ihren „Hinweis auf die Operation ‚Maulwurfsgrille 19‘ zu Beginn des Ersten Libanonkriegs“ beschreiben: „Israel zerstörte damals in weniger als 48 Stunden fast 80 syrische Kampfjets und nahezu alle syrischen Boden-Luft-Raketenbatterien, die im Libanon stationiert waren.“ Die waren sowjetischer Bauart und nicht die besten. Manche Berichterstatter geben die Zahl der zerstörten Maschinen mit über 80 an, einige sprechen von über 90 kaputten Kriegsflugzeugen. Unter den Flugzeugen viele veraltete sowjetischer Bauart. Nur ein israelische Flugzeug wurde zerstört.

Wohl wahr, dass manche Journalisten, die den Mund nicht halten können, wenn Schweigen Gold wäre, dieses Massaker Anfang Juni 1982 für eine „Luftschlacht“ halten und zwar für „eine der größten Luftschlachten seit Ende des Zweiten Weltkriegs“ mit Düsen- statt Propellerflugzeugen. Selbst Israelis nannten fortan die Bekaa-Hochebene im Libanon Turkey Shoot.

Wenn die Russische Föderation moderne FlaRak-Komplexe wie die S-300, mit denen sowohl Marschflugkörper als auch Tarnkappenflugzeuge vom Himmel geholt werden können, an die Syrisch Arabische Republik liefern würde, dann wäre das ein ganz anderes Kaliber als die damaligen SAM-Batterien. Und wenn Moskau auch noch S-400-Systeme an Damaskus aushändigen würde, die bei Fachleuten höherwertiger als Patriot-System gelten, dann wäre sofort Sense mit der Lufthoheit der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte, die über S-200 oder TOR-M1 nur müde lächeln kann.

Gadi Eizenkot wird als einstiger Soldat der Golani-Brigade und heutiger Chef des Generalstabs das sowohl Avigdor Lieberman, den amtierenden Verteidigungsminister, als auch dem Oberbefehlshaber Benjamin Netanjahu klargemacht haben. Kein Wunder, dass Jerusalem im Kreml den entscheidenden Spieler für den geopolitischen Kriegsschauplatz Naher Osten sieht. DIe USA können Israel zwar militärisch unterstützen, doch die helfenden Hebel für das schmale Handtuch am östlichen Rand des Mittelmeers hält Moskau in der Hand.

Auch Reuven Rivlin lobte als Präsident Israel die Luftangriffe „gegen acht syrische und vier iranische Ziele“ auf dem Staatsgebiet Syriens, darunter die iranische mobile Startvorrichtung der Drohne, die angeblich in den israelischen Luftraum flog, sowie die entsprechende Leitstelle, also zwei witzlose Ziele, sowie weitere „zwölf Ziele bei Damaskus, darunter vier syrische Luftabwehrbatterien und vier „iranische militärische Ziele“.

Laut „Haaretz“ (12.2.2018) will die israelische Armee dabei „rund die Hälfte aller Luftverteidigungsanlagen der syrischen Armee zerstört haben“. Mag sein, aber wenn, dann nur die mit musealer Technik. Und das ist weder der Rede noch einen schriftlichen Bericht wert. Erst wenn Damaskus über ausreichend S-400-Systeme verfügt, von denen die Russen unter eigener Hoheit mehrere in Syrien wie auf der Krim und um Königsberg stationiert haben, dann wird es ernst. Dann nutzt die Verlegung schwere Luftabwehrsysteme auf die Golanhöhen nichts, um die israelische Lufthoheit wiederherzustellen.

Wenn der Chef des Nördlichen Kommandos der IDF, Generalmajor Joel Strick, davon spricht, dass das israelische Militär dem Iran nicht erlauben werde, in Syrien Fuß zu fassen, dann muss Israel dafür sorgen, bevor Syrien oder der Iran in der Region über die modernen und mobilen allwetterfähigen Langstrecken-Boden-Luft-Raketen-Systeme zur Bekämpfung von Kampfflugzeugen und Marschflugkörpern in allen Flughöhen verfügt.

Bevor Syrien oder Iran weiter auf Augenhöhe mit Israel rüsten, will Netanjahu-Israel den Krieg, denn ab einem bestimmten Zeitpunkt ist es zu spät, weswegen alle, die wie Friedrich Schmidt und Jochen Stahnke in der „FAZ“ (12.2.2018) gbehaupten, das keine Seite einen Krieg wolle, ahnungslose Trottel oder bezahlte Halunken, die vom Hof berichten, sind.

Dass Damaskus und Teheran alles daransetzen, von Moskau richtig gute Rüstungsgüter zu bekommen, um Israels Lufthoheit ad acta legen zu können, das darf getrost voraussgesetut werdem. Noch hält sich die Putin-Administration zurück. Wenn Israel jedoch dazu übergehen sollte, Syrien weiter im Wochentakt anzugreifen, wird der seidene Faden der Geduld bald gerissen sein.

Dass sowohl Moskau, Teheran und Damaskus Interessen haben, das scheint in Washington und Jerusalem niemand ernst zu nehmen, bei den Vasallen in London, Paris und Berlin sowieso nicht. Vorstößen französicher, groß-britischer und klein-deutscher Diplomaten in Teheran dürften daher mit Unverständis zur Kenntnis genommen werden. Vielleicht sollten die Staatsmännchen an Themse und Seine sowie die verhinderte Kanzlerin an der Spree einmal mit Moskau reden. Und zuhören. Wer dem russischen Bären an Fell rückt, der muss sich nicht wundern, wenn Putin auf dem Großen Schachbrett spielt wie Sergei Rachmaninoff auf dem Klavier.

Anmerkung:

Siehe hierzu auch den Beitrag Israel greift erneut Ziele in Syrien an von Horst-Udo Schneyder im WELTEXPRESS vom 10.2.2018.

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