Häufige Unfallursache sind defekte Stoßdämpfer – Bei der HU ist eine Sichtung der Dämpfer vorgeschrieben

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© KYB Europe G.M.B.H
Berlin, Deutschland (Weltexpress). Deutlich längere Bremswege, unsichere Kurvenfahrt und ein erhöhtes Aquaplaning-Risiko sind unter anderem die Folgen defekter Stoßdämpfer. Trotz der erhöhten Unfallgefahr ist jedes siebte Auto laut einer Untersuchung des TÜV Rheinland mit mindestens einem defekten Stoßdämpfer unterwegs. Das liegt auch daran, dass das Fahrwerk bei der Hauptuntersuchung (HU) laut Gesetz lediglich einer Sichtprüfung unterzogen werden muss.

Die Stoßdämpfer haben die Aufgabe, die Reifen auf der Straße zu halten  sowie das Springen der Räder, das Ausbrechen des Fahrzeugs beim Bremsen und das Schleudern in der Kurve zu verhindern. Ihre für die Sicherheit relevanten Bauteile verschleißen meist langsam, so dass die Veränderungen dem Fahrer oft gar nicht auffallen. Indizien sind starkes Eintauchen bei Kurvenfahrten, beim Bremsen oder Gas geben, eine starke Seitenwindempfindlichkeit sowie Flattern des Lenkrads. Etwa alle 80 000 Kilometer sollten die Dämpfer ausgetauscht werden, bei häufig voll beladenen Autos sogar noch früher.

Und so gefährlich sind abgenutzte Stoßdämpfer: Durch die geringere Bodenhaftung des Fahrzeugs kann es zu unkalkulierbaren Risiken im Straßenverkehr kommen. Defekte Stoßdämpfer verlängern zudem den Bremsweg erheblich: „Sechs Meter mehr, trotz ABS und ESP, bei nur 80 km/h – das haben Fahrtests des TÜV ergeben“, warnt Hans-Jürgen Link, Leiter Sales & Marketing von KYB, einem der weltgrößten Stoßdämpferhersteller. Das ergebe im ungünstigsten Fall einen um 20 Prozent längeren Bremsweg und damit ein enorm erhöhtes Unfallrisiko.

Bei einem schnellen Spurwechsel oder Ausweichmanöver kann das Auto zudem völlig unkontrollierbar reagieren und auch ausbrechen. „Auf unebener Straße verlieren die Reifen durch schlechte Stoßdämpfer den Kontakt zur Fahrbahn“, erklärt Unfallanalytiker Norbert Todt von Dekra. Dann lasse sich der Wagen nicht mehr richtig lenken. „Außerdem können schwache Stoßdämpfer weitere Folgeschäden an Reifen, Aufhängung, Bremsen, Radlagern und Lenkung verursachen, was zu zusätzlichem Verschleiß und höheren Reparaturkosten führt”, ergänzt KYB-Experte Link. Das sei meist viel teurer als ein rechtzeitiger Stoßdämpfer-Tausch.

Ohne entsprechende Technik, die sehr aufwendig ist, lässt sich die Funktion der Stoßfänger aber nicht genau testen. Lediglich als Anhaltspunkt kann der so genannte „Wipptest“ dienen, bei dem der Kotflügel des Fahrzeugs per Hand kräftig belastet und dann sofort losgelassen wird. Die Dauer des Nachschwingens gibt dabei Aufschluss über die Wirkung des Stoßdämpfers. Allerdings können damit nur stark defekte Exemplare erkannt werden. Auch deutliche Ölspuren am Stoßdämpfer sowie ein unregelmäßig abgefahrenes Reifenprofil können Hinweise auf Defekte sein. Komplexe Stoßdämpfertests sind in einigen Kfz-Werkstätten, bei Dekra und TÜV möglich.

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