Götterdämmerung in der SPD – Deutschland wenige Tage vor der Wahl

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Superschulz
Superschulz © 2017, Karikatur: Marian Kamensky

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Um nicht missverstanden zu werden, möchte ich vorausschicken, dass nicht ich den SPD-Kandidaten für einen Halbgott halte, sondern der Buchdeckel aus Würselen selbst gottgleich durch alle Talkshows tingelt. Mit dem Habitus des Allwissenden pariert er die Fragen des zuvor penibel ausgewählten Publikums, und hat natürlich auf alles eine Antwort. Schulz spielt für den Bürger sozusagen die Eier legende Wollmilchsau und den weltgewandten Problemlöser, obwohl er selber das Leben als einfacher Bürger nicht so richtig verstanden oder vollständig abgelegt hat. Mundgerechte Königswege sind halt sein auserkorenes Wahlhobby, auch wenn er sich längst im Labyrinth der eigenen Synapsen verirrt hat.

Drei Tage vor der Wahl allerdings dämmert es ihm, obgleich man sich nur schwer vorstellen kann, dass in seinem Oberstübchen jemals ein Licht strahlen könnte. Die Partei liegt laut „ARD-Deutschlandtrend“ in der Wählergunst seit heute nur noch bei 20 Prozent. Immerhin scheint es doch noch eine große Anzahl von Wähler zu geben, bei denen es intellektuell ähnlich düster zugeht wie bei Schulz. Nichtsdestoweniger eilt Martin der Bärtige, – auf Rednerpulten einen breiten Schleimbatzen hinterlassend, von Stadt zu Stadt, in denen er sich als jovialer Heilsbringer für alle aufspielt. Man möchte sich gleich die Hände waschen, sollte man von ihm persönlich begrüßt worden sein.

Kommt ihm eine Krankenschwester in die Quere, kündigt er 30 Prozent mehr Lohn für alle Pflegekräfte an. Und als sei das nicht genug, legt er gleich noch 100.000 Fachkräfte für die Versorgung der Alten und Gebrechlichen oben drauf. Kaum kreuzt ein verarmter Rentner seinen Weg, stabilisiert er dessen Rente bei 48 Prozent und droht mit einem neuen Mindestniveau. Hebt ein Lehrer wegen einer Frage den Finger, kontert er mit Generalsanierung aller Schulen und gebührenfreie Bildung. Allein, die unwichtige Hürde, zum Kanzler erhoben zu werden, ist so unrealistisch wie ein deutsche Dogge auf der Jagd im Fuchsbau.

Erwähnt ein Selbständiger, dass auch Beamte in Rentenkassen einzahlen sollten, erhält er die knackige Antwort: „Bin ich für!“ An dieser Stelle verrät er seinen unangenehmen Stallgeruch, den er überall verströmt, wo er auch immer auftaucht. Denn nicht nur deutsche Sprache ist für ihn ein unüberwindliches Hindernis. Er weiß auch nicht so genau, was er daher plappert, zumal er grundsätzlich zuerst redet und viel später denkt – sofern man diesen fragwürdigen Vorgang überhaupt als Denkprozess bezeichnen darf. 1,9 Millionen Beamten würden ihn in der Luft zerfetzen, wenn er sie unisono zur Rentenkasse bitten würde.

Panisch registriert man in Berlin, dass das Wahlergebnis bei AfD von der gleichen Sendeanstalt auf 12 Prozent geschätzt wird, während Herr Özdemir die neue Wahlprognose seiner Partei von etwas mehr als 7 Prozent verdrängt. Auch Frau Merkel schielt auf eine schweigende Wählergruppe von 40 Prozent, die möglicherweise nicht so wählen könnte, wie sie sich das wünscht. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei den Parteibossen, dass sich jene „Unentschiedenen“ nicht in die Karten schauen lassen. Man befürchtet sogar, dass sie zwar so tun, als würden sie sich für die Blockparteien entscheiden, wenn es aber an die Urne geht, der AfD die Stimmen geben.

Auch Angela weiß sich, wie ihre Gegner auch, elegant zu helfen, wenn es um Studiogäste in den Politveranstaltungen geht. Eigens beauftrage „Casting-Unternehmen“ filtern jeden kritischen Frager heraus und lassen nur parteikonforme Schwätzer zu. Wann und wie lange und an welcher Stelle applaudiert werden muss, wird genau abgesprochen und aufs Stichwort genau vorher signalisiert. Natürlich ist auch ein Quoten-Querdenker im Publikum, das zuvor in Sammelbussen zur Sendung gefahren wird. Der darf dann auch einmal etwas Kritisches fragen, wird aber sofort in die Schranken gewiesen, wenn es unangenehm werden sollte. Schließlich soll die Sendung mit einem „positivem“ Ergebnis enden. Im Anschluss gibt es ein kleines Entgelt für die eifrigen Claqueure.

Wie sagte unser beleibter Peter Altmaier so kernig? Lieber nicht wählen, als der AfD eine Stimme geben. Das verschlug selbst der Generalpfeife Oppermann die Sprache. Immerhin, fasst man die Talkshows und Wahlkampfauftritte zusammen, stellen wir fest: Jeder Politiker kann alles, jeder Politiker weiß es besser als der Gegner, und alle Politiker haben die perfekte Lösung für ein starkes Deutschland. So gesehen werden wir von einer genialen Geisteselite zu unserem Glück geführt. Hoch lebe die kollektive Wahrnehmungsverzerrung unserer politischen Wunderheiler, die den Gläubigen das ihnen in der Wahlperiode zugesprochene Heil zuteil werden lassen.

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Claudio Michele Mancini wurde am 20. Septemberg 2017 in Scharfblick erstveröffentlicht.

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