Glücksfall an der Donau: Maria Theresia – Wien mit Blumenstrauß zum Jahrhundertjubiläum

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Maria Theresia
Denkmalspose Maria Theresias. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Wien, Österreich (Weltexpress). Ansprechend und informativ präsentiert die Donaumetropole Wien das reiche Erbe der Ausnahmeherrscherin Maria Theresia.

Maria Theresia
Porträt der jungen Maria Theresia. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

„Liebe auf den ersten Blick?“ Unnötig zu betonen, dass Liebesgott Amor zuweilen auch Fürstenhäuser im Visier hat. Wobei sein spitzer Pfeil imstande ist, selbst dicke Schlossfassaden zu durchdringen. Warum also sollte die blutjunge Habsburger Prinzessin Maria Theresia davon verschont bleiben? Die Pfeilspitze trifft sie unerwartet mitten ins Herz bei einem Besuch des Hauses Lothringen in der habsburgischen Metropole Wien. Kaum hat sie den jungen lothringischen Prinzen Franz Stephan erblickt, und schon ist es um sie geschehen – spätere Heirat inbegriffen.

Ob beide wohl damals schon ahnten, dass sich aus ihrer starken Zuneigung zueinander auch eine „Liebe fürs Leben“ entwickeln würde? Immerhin gingen nicht weniger als sechzehn Nachkommen aus ihrer Ehe hervor, die fast alle, selbst bei damals hoher Kindersterblichkeit, das Erwachsenenalter erreichten. Welcher persönliche Reichtum und dazu was für ein politisches Kapital! Denn kaum im heiratsfähigen Alter, konnten nahezu alle Kinder lukrativ in Europa verheiratet werden und die bereits bewährte habsburgische Heiratspolitik zu neuen Erfolgen führen. So kam der bewundernde Titel einer „Schwiegermutter Europas“ für Maria Theresia sicherlich nicht ungelegen.

Österreichische Identität

Maria Theresia
Die kaiserliche Familie. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Auch für das dankbare Wien ist dieser Sachverhalt zum 300. Geburtstag seiner Lieblingsmonarchin eine besondere Würdigung wert. Einer der Schauplätze ist das legendäre „Hofmobiliendepot“, das unzählige Schätze und Gebrauchsgegenstände des Hauses Habsburg beherbergt. Hier steht in einer Sonderausstellung Maria Theresia als Mutter ihrer Großfamilie im Mittelpunkt, die zielgerichtet ihre Familie auch als politisches Geschäft betreibt. Nicht immer mit Erfolg, wie das Schicksal ihrer jüngsten Tochter Marie Antoinette zeigt. Denn als Gemahlin Ludwigs XVI. von Frankreich gerät diese hinein in die Wirren der Französischen Revolution und findet unter der Guillotine ein unerwartet tragisches Ende.

Vom Mythos einer erfolgreichen Familienmutter bis hin zur vorbildlichen Landesmutter, so verdeutlichen die Exponate, ist es nur noch ein kleiner Schritt. Wer könnte all die emotional überhöhten Bilder und Denkmäler zählen, die exemplarisch vom Ruhm der Monarchin erzählen? Allesamt Abbildungen, die noch in ihrer Fernwirkung wesentlich zur Identitätsfindung Österreichs im 19. und 20. Jahrhundert beitrugen.

Frauenpower und Lebensfreude

Rückfront von Schloss Schönbrunn. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel
Rückfront von Schloss Schönbrunn. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Am augenfälligsten jedoch wird Maria Theresias Wirken im Schloss Schönbrunn. In jener gewaltigen Rokoko-Anlage am Rande Wiens, in der die architektonische Prachtentfaltung in riesigen Dimensionen Gestalt annahm. Zwar nur eine Sommerresidenz, dabei jedoch das Zentrum habsburgischer Repräsentationslust in jener Zeit. Allein der Zeremoniensaal ist beispielhaft für diese Fülle. Nicht zufällig begegnet genau hier die Monarchin in ihrem wohl bekanntesten Porträt als „erste Dame Europas“.

Doch zuweilen pflegt Maria Theresia noch eine andere Seite ihrer Persönlichkeit. Das beweist die an den Schlosspark angrenzende Kaiserliche Wagenburg, ausgestattet mit wundervollen Kutschen und wendigen Karussellwagen. Lässt sich aus ihnen nicht das Anliegen herauslesen, Frauenpower und Lebensfreude mit traditioneller höfischer Eleganz in Einklang zu bringen? So bietet ihr die auf sie zugeschnittene Welt der Pferde offenbar eine perfekte Gelegenheit, sich sportlich zu verausgaben und einer damals fast durchweg männlichen Weltordnung als Frau stilvoll zu begegnen.

Militärische Selbstbehauptung

Maria Theresia
Prächtiger Festsaal Schloss Hof. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Die politische Situation in der Mitte des 18. Jahrhunderts fordert jedoch ihren militärischen Tribut, der Maria Theresia auch eine „männliche“ Seite abverlangt. Diese Komponente ihrer Herrschaft wird deutlich in der Ausstellung „Bündnisse und Feindschaften“ in ihrem einstigen niederösterreichischen Schloss Hof außerhalb von Wien. Die Ausstellung führt ein in den österreichischen Erbfolgekrieg. Jene militärische Auseinandersetzung, bei der sich die soeben mit Hilfe der „Pragmatischen Sanktion“ an die Macht gekommene Thronerbin des Hauses Habsburg sogleich massiver Erbansprüche aus Bayern und Böhmen erwehren muss.

Hinzu kommt der Überfall des jungen Preußenkönigs Friederichs II. auf das zu Habsburg gehörende Schlesien. Zweifellos ist dies der Anlass für all die tiefen feindschaftlichen Gefühle, die Maria Theresia gegenüber ihrem Widersacher bis ins hohe Alter hegt. Eine Abneigung, die umgekehrt dazu führt, in einem historischen „Wechsel der Allianzen“ dem bisherigen Erzfeind Frankreich als neuem Koalitionspartner die Hand zu reichen. Ein Bündnis, das auch während des „Siebenjährigen Krieges“ Bestand hat.

Modernisierung und Reformen

Maria Theresia
Rückfront Schloss Niederweiden. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Demgegenüber zeigt die Ausstellung im benachbarten Schloss Niederweiden, in welchem Maß Modernisierung und Reformen die Amtszeit Maria Theresias kennzeichnen. Erschreckend war der Monarchin nach dem preußischen Überfall auf Schlesien klar geworden, dass das österreichische Heer im Unterschied zu den Türkenkriegen nicht über eine ausreichende Kampfkraft verfügte. Eine Heeresreform musste also her und zwar schnell! Da die Herrscherin als junge Frau jedoch nicht auf ihr späteres Amt vorbereitet worden war, tat sie gut daran, sich dem Rat kompetenter Fachleute in ihrer unmittelbaren Umgebung anzuvertrauen.

Ebenso verhielt es sich mit Reformen in den Bereichen der Justiz und Wirtschaft. Ja selbst in der Bildungspolitik erwies sich ein grundlegender Wandel als unverzichtbar. Allesamt Maßnahmen, durch die sich die Monarchin als Bauherrin eines modernen europäischen Staates profilierte. Als umso unerklärlicher will es daher erscheinen, dass Maria Theresia zunächst noch an der Folterpraxis als einem „Mittel der Wahrheitsfindung“ festhielt, bis sie sich durch das Gedankengut der Aufklärung eines Besseren belehren ließ.

Feldherren und Berater

Maria Theresia
Maria-Theresia-Denkmal in Wien. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Ein Mikrokosmos ihrer Persönlichkeit und ihres Lebenswerkes findet sich in dem zu ihren Ehren errichteten Maria-Theresia-Denkmal zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum. Souverän und würdevoll zugleich sitzt sie da, legitimiert durch das Schriftstück der „Pragmatischen Sanktion“, die Ihr als Frau zur Macht verhalf. Eine Krone allerdings sucht man vergeblich auf ihrem Haupt, da sie natürlich nicht alle ihre vier Kronen gleichzeitig tragen kann. So muss ein Diadem auf ihrer Stirn genügen, um zugleich vor aller Welt auch noch ihre Bescheidenheit zu symbolisieren.

Fast so wichtig wie sie selbst sind jedoch die Vertrauten auf dem Sockel des Denkmals, wobei besonders die Silhouetten von vier Feldherren hoch zu Ross die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Erst beim zweiten Blick, darauf verweist kenntnisreich Stadtführerin Kerstin Timmermann, werden ihre weiteren Berater und Vertrauten erkennbar, einschließlich des von ihr hoch geschätzten Leibarztes Gerard van Swieten.

Liebe im Tod

Maria Theresia
Grabmal in der Kapuzinergruft. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Bleibt noch eine allerletzte und dazu verborgene Hinterlassenschaft, in der sich der Lebenskreis der Herrscherin vollendet. Und die zugleich Maria Theresias „Liebe bis in den Tod“ gegenüber ihrem Gemahl unter Beweis stellt. Es ist das gemeinsame Grabmal in der Kapuzinergruft, das nach dem überraschenden Tod von Kaiser Franz Stephan regelmäßigen von der durch tiefe Trauer gekennzeichneten Witwe aufgesucht wird, bis der Sensenmann auch ihrem Leben ein Ende setzt.

Wen wollte es also wundern, wenn diese Ausnahmepersönlichkeit den Wienern über die Jahrhunderte als ein Glücksfall der Geschichte ans Herz wuchs. Wirkt da nicht die stilvolle Würdigung Maria Theresias durch die Donaumetropole anlässlich ihres runden Ehrentages geradezu wie ein riesiger bunter Blumenstrauß?

Reiseinformationen „Wien Maria Theresia“:

Maria Theresia
Detail am Maria-Theresia-Denkmal. © 2017, Foto: Dr. Bernd Kregel

Anreise: Mit dem Flugzeug: Direktflüge mit Lufthansa, Eurowings und Austrian Airlines ab Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München und Stuttgart; mit Auto oder Bahn z.B. über München.

Reisezeit: Ganzjährig; 300 Jahre Maria Theresia: Jubiläumsausstellungen bis 29.11.2017

Unterkunft: Hotel KärntnerhofHarmonie Vienna, Palais Hansen Kempinski Wien25hours Hotel Wien Museumsquartier

Essen und Trinken: Motto am Fluss, Café Frauenhuber, Vestibül im Burgtheater, Zum Schwarzen KameelCafé Central, Café Landtmann

Wien-Karte: Für 48/72 Stunden bei Euro 21,90/24,90 freie Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie 210 weitere Vorteile

Auskunft: Wien Tourismus, Invalidenstraße 6, 1030 Wien, Telefon: +43-1211140, ; erste Anlaufstelle in Wien: Albertinaplatz/Ecke Maysedergasse, Telefon: +43-124555

Anmerkungen:

Vorstehender Beitrag von Dr. Bernd Kregel ist eine Erstveröffentlichung im WELTEXPRESS. Die Recheche wurde unterstützt vom Wiener Tourismusverband.

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