Gina Lewandowski, FC Bayern München, als Bloggerin im Weltexpress International – Eine Amerikanerin schreibt über den deutschen Frauenfußball und seine Potentiale

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München, Bayern, Deutschland (Weltexpress). Die US-Amerikanerin Gina Lewandowski, geboren am 3. April 1985 in Coopersburg, Pennsylvania, ist eine US-amerikanische Fußballspielerin. Sie veröffentlicht ab sofort ihre monatlichen Blogs in deutscher Sprache im Weltexpress International. Lewandowski gehört mit sieben Jahren Spielpraxis zu den dienstältesten Amerikanerinnen in der „Allianz Frauen-Bundesliga“. Ihre Karriere in Deutschland begann sie als Defensivspielerin anno 2007 beim 1. FFC Frankfurt. Seit 2012 spielt sie bei den Frauen des FC Bayern München unter Cheftrainer Thomas Wörle.

Vor kurzem habe ich mit dem FC Bayern München meinen Vertrag verlängert. Es war eine sehr durchdachte Entscheidung. Da ich als Amerikanerin im Ausland spiele, bereits eine lange Zeit von Zuhause weg bin, hatte  ich bei meiner Entscheidung alle Optionen zu berücksichtigen und zu überdenken.

Gleichzeitig schien es für mich eine recht einfache Entscheidung zu sein.

Fußball ist meine Passion und erlaubt mir, meine Passion voll auszuleben sowie die vielen positiven Aspekte des Wegseins von Zuhause voll zu genießen. Deswegen kann ich sagen,  dass es mich freut hier zu bleiben und für die nächsten paar Jahre ein Teil des FC Bayern München zu sein. Ich schaue mit allem nach vorne, um als Mensch zu wachsen und mich als Spielerin sportlich  mit dem Club weiterzuentwickeln.

Unsere Mannschaft beendete gerade unsere letzte Saison, wir wurden Vierter.

Es war mit seinen unzähligen Höhen und Tiefen ein hart umkämpftes Jahr, aber im Großen und Ganzen war es für uns eine äußerst positive Saison, da wir gleichzeitig mehr über uns und unseren Verein lernen konnten, um weiterhin auf unsere Ziele hinarbeiten zu können. Jedes Team träumt es nach ganz oben zu schaffen, ein besseres Team zu werden, damit sie es sein können. Obwohl ich nur zwei Jahre beim Verein bin, haben wir,  seitdem ich hier bin, uns Wünsche und Ziele gesetzt,  um näher an die Spitze zu kommen. Natürlich sind es Herausforderungen,  die Zeit und Geduld in Anspruch nehmen, da sich kleine und große Hindernisse in den Weg stellen. Aber mit diesen Herausforderungen kommt, um die Zielrichtung zu erreichen, das Schöne des Kampfes zu Tage. Die Entwicklung bringt uns auch Hoffnung bei, an die Zukunft zu glauben, etwas,  was verlangt wird, wenn man ganz oben hin möchte, oder nur ganz einfach ein Ziel erreichen will.

Obwohl uns die Saison nicht den ersten Platz bescherte, können wir sagen, das wir einen Schritt  dem näher kamen, wo wir unseren Club in naher Zukunft sehen wollen – an die Spitze der Liga.

Alle,  die innerhalb des Vereins im Team involviert waren,  halfen uns in die Richtung nach vorne zu kommen. Für einige werden wir nächste Saison diesen Weg gemeinsam gehen, wenn wir uns zur Vorbereitung zur neuen Saison Mitte-Juli wieder sehen. Aber für andere werden sich unsere Wege trennen, oder wenigstens für eine vorübergehende Zeit. Es gibt eine erhebliche Anzahl von Mädels, die den Club verlassen, insgesamt sind es zehn Spielerinnen, alle aus unterschiedlichen Gründen. Wir stehen vor den größten Veränderungen,  die unser Team jemals erlebt hat. Ihr könnt euch also vorstellen, dass es innerhalb des Clubs über die nächsten Monate eine riesige Neugestaltung geben wird, da einige Spielerinnen sich verändert haben  und weggegangen sind, dafür andere deren Plätze einnehmen müssen. Dieser Übergang, der einerseits durchaus traurig stimmen kann, kann anderseits positive Energie mit sich bringen. Dieser Prozess ist ein Grundzug des Lebens, den wir alle durchleben müssen.

Es ist der ständige Veränderungsprozess, der Prozess der Anpassung und die neuen Abenteuer,  der jeden von uns auf unserem Weg im Leben leiten, um all das zu erreichen,  was wir können.

Zusätzlich zum Wechsel in unserem Verein, habe  ich über die letzten sieben Jahre ein enormes Maß an Umsetzung , Veränderung und Wachstum innerhalb der gesamten Bundesliga, in der seit ich 2007 zu spielen begann, gesehen. Ich habe eine wesentliche Entwicklung in Sachen Qualität innerhalb jedes Teams mitgemacht und konsequenterweise über die letzten Jahre einen grundsätzlichen Anstieg der Steigerung in Sachen Wettbewerb hinweg gesehen. Als Folge davon hat hauptsächlich das Interesse und die Anziehung für Frauenfußball einen Schub bekommen, bezeichnender Weise  unter örtlichen und sogar internationalen Fußballfans und sogar unter allgemeinen Sportfans.

Frauenfußball hat mittlerweile weltweit eine Menge Schritte in Richtung leistungsbetonter Annäherung zum Männerfußball gemacht.

Obwohl die Unterschiede weiterhin eher groß sind, und bedauerlicherweise nie das gleiche Niveau erreichen werden, kann man das Potential, dass der Frauenfußball hat, den Respekt und die Unterstützung, die der Frauenfußball aktuell bekommt, gut erkennen. Wie ich in meinem letzten Blog erwähnte, sind wir hier beim FC Bayern München ein internationales Team, denn beinahe die Hälfte des Teams sind Ausländer, ob Ausländer oder Spielerinnen  mit Migrationshintergrund. Es gelang mir,  mich über die Entwicklung des Frauenfußballs in deren Ländern  mit einigen Spielerinnen zu unterhalten, um einen Überblick über die Entwicklungen der letzten Jahre zu bekommen sowie über die Unterstützung,  den der Frauenfußball erhalten hat, jeweils von ihren Ländern als auch von den entsprechenden Männervereinen.

Es gibt manche grundsätzliche Ähnlichkeiten im Frauenfußball zwischen den Ländern, die mir es erlauben zu sagen, dass es in den letzten Jahren weltweit eine übergreifende Zunahme von Aufmerksamkeit  für den Frauenfußball gegeben hat.

Es hat einen Zuwachs der Frauenprogramme gegeben, sowohl regional und international als Schub gegenüber den Männern. Eine weitere Gemeinsamkeit der Länder sind die begrenzten Möglichkeiten, die die  Frauen als Ganzes noch immer haben. Dass die meisten Frauen Teilzeitjobs oder eine Berufsausbildung nachgehen müssen,  um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, sowie ein Leben außerhalb des Fußballs zu kreieren. Natürlich  gibt es Ausnahmen für Spielerinnen, die eine Zeit lang zumindest als ganz streng professionell angesehen werden. Eine weitere Entwicklung,  die sie alle Länder und Spielerinnen vereinigt,  ist das Wachstum, der Anstieg von jungen Talenten, die in die Ligateams und sogar in die Nationalmannschaften aufsteigen. Mehrere Länder erkennen jetzt das Bedürfnis um junge Mädchen bereits früh im Leben in eine Entwicklung zu bringen, sie zu verbessern, der Mannschaft dann damit helfen, schneller und früher gut zu werden.

Die Mannschaften werden deshalb grundsätzlich jünger und positiv beeinflusst mit der Einbeziehung dieser jungen Talente.

Obwohl es viele gemeinsame Entwicklungen gibt, sind da immer noch ein paar Unterschiede innerhalb jeden Landes die eine eigene Geschichte erzählt. Jedes Land befindet sich auf seinem individuellem Weg von Wachstum, das zu einem Grossteil von dem regionalen Fundament von Frauensportarten und den Ressourcen die jedes Land zur Verfügung hat, abhängig sein kann. Ich selbst kann logischerweise mehr über Deutschland und die "Alklianz Frauen-Bundesliga sprechen, da ich jetzt schon sieben Jahre hier bin. Ich werde einen kleinen Einblick geben, speziell in die Länder Norwegen und Italien, durch zwei meiner Teamkolleginnen. Doch nur für in diesem Blog Beitrag werde ich über meine Erfahrungen in Deutschland sprechen, und den Rest in meinem nächsten Blog. Wie ich schon erwähnte, hat der Frauenfußball in Deutschland große Schritte in der Entwicklung, dem Interesse  und der Unterstützung sowohl auf nationaler Ebene als auf internationalem Niveau vollzogen.

Frauenfußball in Deutschland wird als sehr technisches und auf Ballbesitz orientiertes Mannschaftsspiel angesehen, verglichen mit anderswo.

Das Spiel ist in seinen physischen und taktischen Bestandteilen in den letzten Jahren sogar weiter fortgeschritten und hat den Schwerpunkt auf die Aspekte der Geschwindigkeit, Agilität und der Konditionierung des Individuums gesetzt, dass eine mehr komplette Spielerin in seiner Gesamtheit auf dem Feld generiert. Das funktionale Training im Fitnessraum und die Geschwindigkeit des Spieles auf dem Feld ist ebenso fortgeschritten, was das Spiel viel moderner und dynamischer macht. Auf Grund dieses Fortschritts hat sich die "allianz Frauen-Bundesliga" individuell verbessert und konsequenterweise die Teams im Großen und Ganzen besser gemacht, die Liga dadurch konkurrenzfähiger gemacht. Obwohl die Topteams noch immer nach Jahren irgendwie zu dominieren scheinen, beginnt sich eine Balance innerhalb der Liga zu verstetigen, in der die „schwächeren" Mannschaften  es den „besseren" Mannschaften sehr viel schwerer machen, erfolgreich zu sein.

Während Technik und Verständnis des Spiels alles waren, was man in der Vergangenheit brauchte, um  erfolgreich zu sein, wird jetzt ein erhöhter Wert auf Taktisches gelegt.

Jetzt entwickeln die Mannschaften einen mehr kompakteren Stil von Spiel. Dies führt dazu, dass die  Spielerinnen weniger Zeit und Raum für den Ball haben und sie somit gezwungen werden, schnellere und intelligentere Entscheidungen auf dem Feld zu treffen. Dann gibt es die Forderung und die Wichtigkeit für Spielerinnen, sich einen insgesamt dynamischeren  Spielstil an den Tag zu legen,  auf diesem sich immer weiter entwickelnden Niveau. Innerhalb der Frauenbundesliga gibt es Mannschaften,  die  vom männlich geprägten Hauptverein unterstützt und integriert werden sowohl als auch Teams die finanziell unabhängig von den Männervereinen sind.  Weil sich die Qualität des Spiels innerhalb der Liga erhöht, wird mehr Unterstützung und Sponsoring investiert in den Frauenfußball,  entweder  durch deren männliches Gegenstück im Hauptverein oder durch regionale Sponsoren.

Die Bundesligamannschaften sind dadurch in der Lage sich professioneller aufzustellen, indem die Frauen mehr und sogar besseres Training anbieten können.

Indem durch bessere Ressourcen die Spielerinnen sich schneller entwickeln können,  sind die Spielerinnen auch besser in der Lage versetzt, der Intensität und den physischen Anforderungen des Sportes standzuhalten. Als Ergebnis dieser positiven Fortschritte hat es einen Zuwachs  von ausländischen Spielerinnen gegeben, die die "Allianz Frauen-Bundesliga" sehr attraktiv finden und deshalb ein Teil der Liga sein wollen, um ihre eigene spielerische Qualität zu steigern.  Bei uns beim FC Bayern München zum Beispiel erfahren die Frauen mittlerweile ein größeres Interesse sowie mehr Anerkennung und Unterstützung vom Männerhauptverein als auch von den regional ansässigen Sportfans. Seit der letzten Saison spielen wir alle unsere Heimspiele im Stadion an der Grünwalder Straße. Dies war ein großer Schritt für unsere Mannschaft, die dieselben Einrichtungen zu nutzen, die den FC Bayern München II Amateure der Männer zu kommen. Unsere Medienabteilung für die Frauen hat sich mittlerweile auch weiterentwickelt.

Unsere Medienabteilung bringt die FC Bayern Frauen Nachrichten, Berichte und Videos nicht nur in das Mediengeschehen in Deutschland,  dank der starken Marke Bayern München informieren wir in Englisch die ganze Welt.

Auch auf der Jugend- und Kinderebene für Mädchen wird im Verein seit Jahren viel mehr gemacht. Zusätzlich wird den Mädchen durch das Anbieten von Fußballcamps/-Lager die Chance gegeben, sich früher mit dem Frauenfußball auseinanderzusetzen. Mit so  einer Einführung gibt es die Gelegenheit, die Liebe zum Spiel durch die Generationen weiterzuleiten und dadurch unter den jungen Mädchen ein größeres Interesse zu erzeugen. Wegen der aktuellen Entwicklungssteigerung im Frauenfußball, hat die "Allianz Frauen-Bundesliga für ein starkes Interesse im Mediensektor gesorgt. Der Sportspartensender  Eurosport begann seit der vergangenen Saison regelmäßig ausgewählte Spiele in live zu senden. Damit wurde ein enormer Schub in der Unterstützung der Frauenbundesliga ausgelöst. Das  TV-Portal des DFB hat gleichermaßen sein wöchentliches Kontingent an gezeigten Spielen erhöht, sodass die Zuschauer quer durchs Land, als auch auf der ganzen Welt, im TV-Streaming am häuslichen Computer  das gezeigte Spiel sehen können.

Diese erhöhte Aufmerksamkeit zum Frauenfußball hat eine direkte Auswirkung auf die Qualität der Zuschauerzahlen der Bundesliga produziert.

Das TV-Portal des DFB kann ohne Blocker überall auf der Welt mit verfolgt werden. Mit einem Durchschnitt von 1.185 Fans ergaben die Spiele der 12 Mannschaften in der Saison 2013/2014 eine Steigerung von 6% auf die Rekordsaison von 2011/2012. Die überwältigende Zahl von 12.464 Fans wohnten alleine dem entscheidenden Finalspiel der Saison zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem VFL Wolfsburg im Wolfsburger Stadion bei, um am letzten Saisontag zu ermitteln, wer nun Meister und wer Vizemeister werden würde. Alleine dieses letzte Spiel entschied die Meisterschaft, was wiederum ein deutlicher Beweis dafür ist, dass im Kampf um die Tabellenplätze ein noch nie da gewesener Wettbewerb entstanden war. Mit diesen Rekorden im Rücken ergab sich für die prosperierende Entwicklung der Frauenbundesliga ein enorm starkes Zeichen.

Eine weitere positive Auswirkung auf die Entwicklung des Frauenfußball in Deutschland ist das Wachstum an deutschen Mannschaften,  die in Wettbewerben auf internationalem Niveau teilnehmen.

Innerhalb der letzten 13 Jahre hat jeweils acht Mal eine deutsche Frauenmannschaft die UEFA Champions League gewonnen, davon fünf Mal in den letzten sieben Jahren. Außerdem schafften es zwölf Mannschaften in das Finale. Das bedeutet natürlich auch eine Anerkennung der Qualität in Deutschland, die durch die "Allianz Frauen-Bundesliga" generiert werden konnte. Damit kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass die deutsche Frauenbundesliga die beste Liga der Frauen in der Welt ist. Der vor kurzem stattgefundene  UEFA Champions League Wettbewerb der letzten Monate erbrachte im Halbfinale VfL Wolfsburg gegen Turbine Potsdam mit über 10.000 anwesenden Fans im Wolfsburger Stadion einen weiteren Beweis für die gestiegene Popularität des Frauenfußball.

Nach all dem Gesagten kann man sicherlich sagen, dass der Frauenfußball auf der Welt auf einem richtigen Weg ist.

Obwohl es immer manche Begrenzungen für die Frauen sowohl als diverse Herausforderung oder Hindernis geben wird, sind wir Frauen und Spielerinnen in der Bundesliga sowie den weltweit anderen Ligen in großer Hoffnung, dass wir den Frauenfußball populärer machen können.  In meinem nächsten Beitrag werde ich über die Fortschritte im Frauenfußball in Norwegen und Italien berichten, dank meiner wundervollen norwegischen und italienischen Vereinskolleginnen.

Übersetzung aus dem Amerikanischen durch Tom Thaw und Thao Ho.

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