Gewogen und für zu leicht befunden – Das Auswärtsspiel-Elend der Berliner Eisbären findet seinen Niederlagenhöhepunkt in Wolfsburg

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Berliner Eisbären vs. ERC Ingolstadt. © 2016, Foto: Joachim Lenz

Wolfsburg, Niedersachsen (Weltexpress). Viele Spieler, die im Kader der Berliner Eisbären stehen, wurden bei noch mehr Eishockey-Unternehmen gewogen und für zu leicht befunden.

Wer es in besseren Eishockey-Ligen nicht schaffe, der muss, wenn er als Lohnarbeiter Einnahmen mit Eishockey erzielen will, in schlechtere Ligen auswandern. Eine dieser schlechteren Ligen ist und bleibt die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) und in den vergangenen Jahren haben alle Verantwortlichen mehr statt weniger dazu beigetragen, dass sich das nicht zum Besseren ändert.

Wir wollen hier und heute zwar nicht die Totengräber des deutschen Eishockey nennen beziehungsweise des Eishockeys, der auf deutschem Boden oder unter deutschen Eigentümern zu Markte getragen wird, aber darauf hinweisen, dass bei internationalen Vergleichen wie seit 2014 in der Champions Hockey League (CHL), vom Europapokal, der von 1965 bis 1996 ausgetragen wurde, oder der European Hockey League der Internationalen Eishockey-Föderation, die von 1996 bis 2000 veranstaltet wurde, oder des European Champions Cup, mit dem von 2005 bis 2008 versucht wurde internationales westeuropäisches Eishockey zu bieten, oder dem ersten Versuch unter dem Titel Champions Hockey League in den zwei Jahren danach, für DEL-Vertreter, wenn sie denn ins Sechzehntelfinale kamen, dort oder darüber hinaus spätestens im Achtelfinale der Ofen aus war. Vor allem Schweden und Finnen, aber auch Tschechen und Schweizer waren und sind besser. Und von der besten Liga auf europäischem Boden, der Kontinentalen Hockey-Liga ist sowieso keine Mannschaft dabei. Wenn in der zweitklassigen CHL sich DEL-Mannschaften noch nicht einmal als drittklassig erweisen, dann sagt das viel über den üblen Zustand des Eishockeys in Deutschland aus.

In dieser DEL waren ein paar Jahre die Berliner Eisbären Dank Dollars ihres US-amerikanischen Eigentümers das Nonplusultra. Wer darüber hinaus glänzen, Ruhm und Ehre sowie Lohn für Arbeit als Eishockey-Spieler wollte, der musste die Berliner Eisbären und also die DEL verlassen, um auf fruchtbareren Böden zu ernten.

Vom Gipfel des Genusses, der nicht vom Himmel fällt, plumpsen die scheinbar Prächtigen bekanntlich am Tiefsten. Die Serie von Tiefpunkten im Berliner Eishockey unter der Eigentümermarke Eisbären scheint nicht zu reißen. Weder Peter John Lee noch Stefan Ustorf oder Uwe Krupp kriegen das Ruder seit Wochen rumgerissen. Seit Wochen? Das Menetekel der Berliner Eisbären in der DEL mit wenigen befriedigenden und selten guten Ausnahmen ist die Regel und die zieht sich mittlerweile über Monate. Schade eigentlich. Das Desaster fand vorher statt.

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung namens EHC Eisbären Management erfährt das Dilemma wie Tausende Zuschauer, die zu Eisbären-Heimspielen gehen und dafür Geld geben. Schlussendlich tröstet sich die Masse mit Erinnerungen an „gute, alte Zeiten“. Die Verantwortlichen hingegen klagen über den Kader, der es nicht besser könne. Als Ausrede hielten die Vorderen noch das Verletzungspech zu vieler Spieler hoch wie einen antifaschistischen Schutzwall. Dumm nur, dass sie aus dieser Argumentationsfalle nach diesem Wochenende mit vier Reihen und null Punkten selbst nicht rauskommen. Letztendlich lamentieren sie nur über sich selbst.

Neuester Höhepunkt an Niederlagen nach dem 1:6 kürzlich in Nürnberg ist das 1:7 bei den Grizzlys Wolfsburg. Schlimmer geht immer. Dass die Krupp-Truppe an der bislang größten Pleite, zu Buche steht ein 1:7 in Ingolstadt, noch nicht vorbei kam, das konnten ein paar Hundert, Kollegen schreiben von „900 Eisbären-Fans“ (Jörg Lubrich in der „BZ) beziehungsweise „rund 1000“ Anhängern (Jörg Leopold im „Tagesspiegel“), nach Wolfsburg gereiste Berliner und Brandenburger selber sehen. Die schienen nur zum Feiern da zu sein, während die Mannschaft von Krupp am Sonntagnachmittag vor insgesamt 4354 Zuschauern von den Grizzlys, die nicht nur beim Treffen ins Tor sondern auch taktisch überzeugten, in Grund und Boden geballert wurde. Dabei spielten das Null-Punkte-Auswärtswochenende-Team von der Spree wie am Freitagabend in Augsburg wieder mit vier Reihen. Die jüngsten Neuzugänge, Charles Linglet und Marc-Louis Aubry, blieben blass. Die Leistung der Berliner war nicht ausreichend, sie war mangelhaft.

Was erlaube Mannschaft? Was erlaube Trainer? Um es mit Giovanni Trapattoni zu sagen!

Befriedigend war noch das gezeigte Können – in Bezug auf das DEL-Niveau im Allgemeinen und das Eisbären-Niveau im Besonderen – von Darin Olver.

Wenn beim Kader „Flasche leer“, dann musse Kasse voll.

Für einige der sich eingeweiht wähnenden Beobachter deutet alles darauf hin, dass entweder der Eigentümer aus den USA nicht mehr kann oder er nicht mehr will.

Habe Anschutz fertig?

Keine Frage: Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen.

Mit leeren Händen begeben sich Leute wie Lee und Ustorf nicht auf Einkaufs- sondern auf Betteltour. Sie bekommen Almosen wie Aubry. Traurig mit ansehen zu müssen, wie einst ehrgeizige und erfolgreiche Leute wie Lee im Management und Ustorf auf dem Eis so runtergekommen zu sein scheinen.

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