Gereiztheit, Bauch- oder Kopfweh sind bei Schülern Ausdruck von Stress

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München (Weltexpress) - Nervosität, Ängste, Stimmungsschwankungen und Unkonzentriertheit können ebenso wie körperliche Beschwerden auf Schulstress hinweisen. Neben Schlafstörungen haben betroffene Kinder und Jugendliche dann oft auch Kopf- und Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden. „Beobachten Eltern derartige Stresssymptome beim Nachwuchs, sollten sie ein ungezwungenes, offenes Gespräch mit dem Kind suchen. Oftmals fehlt den Kindern der Mut, von sich aus über ihre Sorgen und Belastungen zu sprechen“ rät Prof. Frank Häßler von der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) in Berlin.

Haben sich die schulischen Leistungen verschlechtert, sollten Eltern Vorwürfe vermeiden. „Kinder und Jugendliche sollten das Gefühl haben, dass sie auch Fehler machen und Schwächen haben dürfen – und dass sie mit dem Problem nicht allein sind. Eltern sollten Hilfe anbieten, gemeinsam mit dem Kind nach Lösungen suchen, anstatt das Kind auszuschimpfen oder zu bestrafen. Andernfalls laufen Eltern Gefahr, dass sich ihr Nachwuchs ihnen nicht mehr anvertraut und Probleme künftig verschwiegen werden.“ Es ist wichtig, dass Kinder in der Familie die nötige Unterstützung erhalten und dazu motiviert werden, sich von Schwierigkeiten und schulischen Misserfolgen nicht einschüchtern zu lassen. Kritisch ist es, wenn Eltern die Schüler einzig mit hohem Druck und Zwang zu besseren Leistungen und Erfolg anspornen wollen. Auch erweisen sich offene und subtile Vergleiche zu der eigenen Schulleistungen und -karriere oder zu denen von Geschwistern in der Regel als kontraproduktiv. Zum einen haben sich die Zeiten geändert und erlauben keine direkten Vergleiche, zum anderen hat jedes Kind seine eigenen Stärken und Schwächen.

Für Schulkinder gibt es verschiedene Quellen von Stress. Sie können sich überfordert oder unter Druck gesetzt fühlen oder Versagensängste haben. „Die Schule stellt ein Bewertungssystem auf, an dem sich Eltern und Kinder mehr oder weniger orientieren. Hat ein Kind ein schwaches Selbstwertgefühl, kann es das Gefühl entwickeln, nur so viel Wert zu sein, wie es auch Leistung erbringt. Dieser Druck wächst weiter, wenn Eltern ihre Zuneigung überwiegend an schulische Erfolge koppeln“, erklärt der Direktor der Klinik für Psychiatrie, Neurologie, Psychosomatik und Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter der Universität Rostock. Auch soziale Angst, die mit Scheu im Sozialkontakt mit Mitschülern oder Lehrern einhergeht, kommt als Stressor in Frage. Körperliche bzw. psychosomatische Beschwerden treten dann ähnlich wie bei Leistungsangst auf. Manchmal liegt die Ursache des Stresses aber nicht in der Schule, sondern zum Beispiel im Schlafmangel, ungesunder Ernährung oder häuslichen Problemen begründet. „Kinder, die müde sind und sich nicht wohl fühlen, werden wesentlich schneller durch lärmende Mitschüler oder fordernde Fragen der Lehrer gestresst, als vitale Kinder“, ergänzt der Experte.

Grundsätzlich ist es günstig, wenn Eltern selbst in Krisensituationen einen kühlen Kopf behalten und lösungsorientiert mit Problemen umgehen. „Indem man den Kindern vermittelt, die Bewältigung von Alltagsproblemen nicht als Belastung, sondern als Herausforderung anzusehen, kann Stress durchaus positiv wahrgenommen werden. Eltern können vorleben, dass es gut und wichtig ist, schwierige Aufgaben in Angriff zu nehmen und auch, dass man sich Hilfe holen kann, wenn man überfordert ist“, erläutert Prof. Häßler. Lassen Konzentrationsprobleme und impulsive Reaktionen trotz elterlicher Unterstützung nicht nach, zieht sich das Kind zurück oder verweigert den Schulbesuch, sollten sich Eltern an einen Kinder- und Jugendpsychiater wenden.

Bitte weisen Sie bei Veröffentlichung auf das Informationsportal der DGKJP, www.kinderpsychiater-im-netz.de, hin.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) vom 22.02.2011.

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