Gedenkfeier und ein kleines bisschen Kindergeburtstag: Eisenach gedachte am 21. März Johann Sebastian Bach zu dessen 327. Geburtstag

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Dr. Hansen und das Orgelpositiv. © WELTEXPRESS, Fotos: HS
Eisenach (Weltexpress) - Eisenach ist eine hügelige kleine Stadt zu Füßen den berühmten Wartburg, wo einst Luther versteckt von seinen Verfolgern das Neue Testament übersetzte. Eisenach ist aber auch die Stadt, in der Johann Sebastian Bach geboren wurde. Gestorben und gewirkt hat Bach jedoch vor allem in Leipzig.

Aber Bachs wunderbare Musik hat nun eben einmal ihren Ursprung in Eisenach, einer Stadt, die ihren berühmten Sohn nicht nur verehrt, sondern auch 327 Jahre nach seiner Geburt immer noch ehrt.

Zwei historische Häuser von überregionaler Bedeutung

So ist es nur logisch, dass Eisenach ein Lutherhaus (vielleicht das älteste Haus Thüringens) und ein Bachhaus vorweisen kann. Das Bachhaus allerdings hat einen supermodernen Anbau bekommen, über dessen Architektur in Eisenach jahrelang gestritten wurde. Heute hat man sich daran gewöhnt, wegsprengen kann man den Bau sowieso nicht. Man hat sich damit arrangiert, dass Historisches und Modernes kein Widerspruch sein muss. So wird jedes Jahr am 21. März vor dem Bachdenkmal am Bachhaus getrauert, aber auch gefeiert.

Ein Denkmal mit abgekürzten Vornamen

Gedenken an einen der bedeutendsten Musiker und Komponisten Deutschlands.
Es war eine Gedenk- und Geburtstagsfeier, die den Nicht-Eisenacher zum Staunen brachte. Eine bunte Kette aus Luftballons vor dem Bach-Denkmal, einem Denkmal, dem man nicht einmal die ausgeschriebenen Vornamen Bachs gönnte, erinnerte an einen Kindergeburtstag, als würde die Kurrende unter Dirigent Stötzner nur deshalb singen. Und dann das eigentliche Zeremoniell: Wie an der Perlenschnur aufgereiht, mit Blumenbuketten und würdevollem Schritt, gingen die Bach-Honoratioren dem Denkmal entgegen, und auf den Kranzschleifen konnte man lesen: „In ehrendem Gedenken – Die Thüringer Landesregierung“ und daneben die Schleife mit "Happy birthday, Johann!", das von Bachhaus-Direktor Hansen persönlich niedergelegt wurde. So war der offizielle Teil des Bach-Geburtstags auch ein kleines Event, umrahmt von klangvollen Posaunen.

Bereits Tradition ist ein gigantischer Kuchen mit dem Bild von Bach in der Mitte, mit dem die Gäste durch die Mitarbeiter beschenkt werden – Kuchen und Kaffee gab es auf Kosten des Bachhauses. Eine schöne Tradition.

Luther und Bach

Dr. Hansen und das Orgelpositiv. © WELTEXPRESS, Fotos: HSDer Vorsitzende der „Neuen Bachgesellschaft“, Prof. Martin Petzoldt, zeigte auf, wie wichtig das Schaffen von Luther wie Bach noch heute für die Menschheit ist. Petzoldt sagte: „Es hat zwei erstaunliche Ideen gegeben, die sich in einem Zeitraum von 200 Jahren in Eisenach unauslöschlich verbinden. Das war Luthers Acht-Lieder-Buch von 1527 und Bachs Choralkantaten ^1^724, denen Luthers Kirchenlieder zugrunde lagen. Bach hat sorgfältig auf die Reformation geachtet, er verehrte den Reformator und seine Theologie. Bach selbst hat zwei Luther-Ausgaben der Bibel gehabt, die Jenenser und die Altenburger Ausgabe.“

Über die spannende Ausstellung „Luther und [Bachs] Musik“, eine Sonderausstellung im Bachhaus Eisenach noch bis zum 11. November 2012, werden wir noch berichten.

Enthüllung eines Orgelpositivs aus dem 17. Jahrhundert

Als wäre es ein verspätetes Geburtstagsgeschenk, wurde nun am 21. März 2012 eine Orgel im Bachhaus enthüllt, die Bach vermutlich zu Tränen gerührt hätte, so schön wurde sie restauriert. Einst von Zuchthäuslern für ein Zuchthaus mitfinanziert, wanderte sie mit immer wechselnden Besitzern durch die Republik, um sich im Jahre 2009 von Dr. Jörg Hansen, Geschäftsführer und Direktor des Bachhauses, ersteigern zu lassen. Ein Glücksfall! Die Orgel ist ihrer Bedeutung und ihrer perfekten Restaurierung wegen zu einem Schnäppchen geworden: Kauf und Restaurierung der Orgel kosteten knapp 61.000 Euro.

Kleine Geschichte

Geballte Bach-Kompetenz in Eisenach zu Gast: Frau Dr. Ingeborg Allihn und Prof. Martin Petzoldt. © WELTEXPRESS, Fotos: HSEs handelt sich um ein Thüringer Orgelpositiv (eine kleine, leicht versetzbare Orgel mit wenigen Registern), gebaut um 1650. Es stammt aus Kleinschwabhausen bei Weimar und wurde in Traunstein/Chiemgau versteigert. „Es ist das älteste erhaltene Thüringer Orgelpositiv“, stellte der Instrumentenwart des Bachhauses Uwe Fischer begeistert die „neue“ Orgel vor. Es ist ein wertvolles Stück von hoher Seltenheit, denn lediglich drei weitere barocke Thüringer Orgelpositive sind überhaupt noch erhalten. Und die Besucher des Bachhauses können nun stündlich ihrem wunderbaren Klang lauschen. Sie können jetzt ein regionales Instrument hören, wie es auch Bach kannte.

Ob Bach allerdings dieser Orgel jemals persönlich begegnete oder sie gar bespielte, das weiß heute niemand mehr. Man weiß aber, dass der Weimarer Hoforgelmacher Heinrich Nicolaus Trebs, ein Freund Bachs, die Orgel 1724 und erneut 1740 instandsetzte, und Johann Caspar Vogler, einer der bedeutendsten Bachschüler und sein Nachfolger als Hoforganist in Weimar, die Orgel in den Jahren 1738, 1740 und 1744 prüfte. Offiziell weihte am 21. März 2012 der Altenburger Schlossorganist Dr. Felix Friedrich das Geburtstagsgeschenk mit eindrucksvollem Spiel ein.

Nicht nur für Liebhaber von Johann Sebastian Bach ist das Bachhaus in Eisenach auf jeden Fall einen Besuch wert – und die Wartburg sowieso!

Wissenswertes

Bachhaus Eisenach, Frauenplan 21, D-99817 Eisenach, Tel: +49 3691 / 7934-0, Fax: +49 3691 / 7934-24 – E-Mail: info@bachhaus.de, Öffnungszeiten: täglich von 10-18 Uhr, Eintrittspreise: Erwachsene: 7,50 €, Gruppen ab 10 Personen: 6,00 €, Schüler, Studenten: 4,00 €, Familienkarte (Eltern mit Schulkindern): 15,00 €, Kinder unter 6 Jahren und Mitglieder der Neuen Bachgesellschaft: frei.

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