Eine Winterreise auf Schienen – Mit dem Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz

0
201
© Foto: Rainer Hamberger
Zermatt, St. Moritz, Schweiz (Weltexpress). Nein, diesem Treiben musste ein Ende gesetzt werden. Mit wachsendem Misstrauen beobachtet Königin Victoria das Interesse ihrer männlichen Landsleute wohl aus Langeweile die höchsten Berge der Alpen zu besteigen. Als man ihr die Nachricht ihres dort verunglückten Verwandten Lord Douglas überbringt erwägt sie sogar ein Verbot dieses waghalsigen Bergsportes.

Doch wie die meisten Verbote erreicht man damit gerade das Gegenteil. Bereits seit dem späten 18. Jahrhundert wird ein Gipfel der Alpen nach dem anderen erobert. Dabei ist besonders Edvard Whymper in die Geschichte des Alpinismus eingegangen.

Im Matterhorn Museum wird man mit Bild und Ton durch die Geschichte geführt. Besonders beeindruckend ist das dünne Seil, das zur Erstbesteigung verwendet wurde.

Heute sind es jährlich 3000 Personen, d. h. an einem Tag mit idealen Wetterverhältnissen bis zu 300 Bergsteiger, welche den Gipfel erklimmen. Eng verbunden mit diesem Triumph und der Tragödie ist die Entwicklung Zermatts, das sich bis heute zu einem der bekanntesten Reiseziele in der Schweiz entwickelt hat. Im Sommer mit Bergtouren jeglicher Schwierigkeitsgrade und im Winter mit traumhaften Pisten zieht es ganzjährig Touristen in seinen Bann. Im Dorfkern findet man noch alte Wohn- und Vorratsgebäude mit den typischen Rundsteinen, welche das Ungeziefer abhielten.

Besondere Attraktion während des Sommers ist die Geißenkehr der Schwarzhalsziegen. Während sechs Wochen zieht morgens und abends eine Herde Schwarzhalsziegen durch die Bahnhofstrasse von Zermatt.

Noch strömt eine Vielzahl an Besuchern aus der vom Gornergrat herunter kommenden Bahn heraus. Es ist später Nachmittag und wir nehmen die Fahrt bergauf. Nur Wenige sind um diese Zeit auf dem Weg nach oben unterwegs. Die höchste im Freien angelegte Zahnradbahn Europas führt auf den 3089 Meter hohen Gornergrat. In der abendlichen Beleuchtung strahlen das Monte Rosa Massiv, der Gornergletscher und 29 Gipfel mit über 4000 Metern. Eines der höchstgelegenen Hotels Europas verschönt hier oben mit komfortablen Zimmern und einem gediegenen Restaurant einen Aufenthalt in dünner Luft.

Glacier Express – Spitzenleistung auf Schienen

© Foto: Rainer HambergerNicht nur der Gornergratbahnhof, sondern auch derjenige für alle anderen Züge ist Ausgangspunkt für Eisenbahnfahrten durch wilde Landschaften. Aus den Abteilen dringt angeregte Unterhaltung. Hin und wieder ein Ausruf des Staunens.

Zum Staunen gibt es allerdings genügend. Unterwegs mit dem Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz fährt man durch eine der spektakulärsten Landschaften der Schweiz. Die Reise möglich machen zahlreiche Brücken und Tunnels, technische Wunderwerke, deren Entstehung weit ins letzte Jahrhundert zurückgeht. Kreisviadukte erleichtern die teilweise sehr steilen Anstiege meist ohne Zahnrad oder Seil. Auf einer Strecke von 100 Metern kann die Bahn maximal sieben Höhenmeter bewältigen. Auf den 2033 hohen Oberalppass schafft es die Lok nur mit Hilfe des Zahnrads. Jetzt begleiten hohe Schneemauern die Fahrt.

Von Zermatt führen die Gleise über die Surselva nach Disentis, Ilanz nach Reichenau-Tamins. Dort teilt sich die Strecke in eine Abzweigung nach Chur, Landquart, Klosters und schließlich nach Davos.

Die großen Panoramafenster ermöglichen einen weiten Rundumblick. Die Schnee bedeckten Gipfel gleißen in der Sonne. Über weite Strecken führen nur Langlaufloipen, keine Gondelbahn drängt sich in die landschaftliche Idylle. Zu den herausragenden Bauten des UNESCO Welterbes zählen  das 65 Meter hohe Landwasserviadukt, das direkt in den Fels führt, und die Strecke zwischen Bergün und Preda mit den Kehrtunnels. Atemberaubend ist der Blick in die Tiefe.

Die nächste Durchsage kündigt das Mittagessen an. Frisch zubereitet an Bord bekommt der Gast ein drei-Gänge-Menü serviert. So muss man auch im langsamsten Schnellzug der Welt auf erlesenes Essen verzichten.

Der Albula-Tunnel liegt hinter uns. Jetzt beginnt das Oberengadin, das oftmals mit einer völlig anderen Wettersituation die Zuggäste empfängt. Beinahe wehmütig verlassen wir in St. Moritz die uns über Stunden lieb gewordene Bahn.

Wo Finnland und Italien sich treffen

© Foto: Rainer HambergerAls die „Heimat des Winters“ bezeichnet sich die größte Wintersportregion der Schweiz. Abfahrt, Langlauf oder Bobfahren: Wintersport hat hier Tradition. Anscheinend wurde bereits 1864 hier der Wintertourismus geboren. Wen wundert es dann, dass 1878 hier das erste elektrische Licht der Schweiz anging. Mit vier Hauptgipfeln und 350 Kilometern Pisten, 200 Kilometern Loipen und 150 Kilometern Winterwanderwege bietet sich ein abwechslungsreiches Urlaubsgebiet. Noch findet man liebevoll restaurierte Häuser und gemütliche Lokale. Dabei ist nicht zu übersehen, dass Luxushotels mit den entsprechenden Angeboten ein wichtiger Faktor im Ort sind.

Auch hier waren es zunächst Engländer als Pioniere von Sportarten mit Schlitten, Bobs und zu Pferd. Aber die allgemeine Entwicklung als Wintersportort kam wie überall auch ins Oberengadin. Die über viele Monate schneesichere Lage aufgrund der großen Höhe der Pisten über 1800 m wirkt sich ebenso förderlich aus wie die Vielzahl der Sonnenstunden. Gegenüber des neuen Hotels Nira Alpina führt von Silvaplana aus die Gondelbahn auf den Corvatsch, wo man aus 3300 m Höhe den besten Blick auf das Berninamassiv hat. Eine „Skischaukel“ verbindet aussichtsreichePisten aller Schwierigkeitsgrade. Unten liegen wie weiße Platten der eis- und schneebedeckte Malojaer und der Silser See. In Sils Maria wohnte zeitweise Friedrich Nietzsche. Er liebte das Oberengadin „wo Finnland und Italien sich treffen“, wie er es auszudrücken pflegte.

Für Liebhaber sanften Wintervergnügens fahren Pferdekutschen das Rosegtal entlang. Dick in Decken und Felle gehüllt genießen sie die vorbeiziehenden Winterwälder und den Blick auf die umgebenden Gipfel. Licht überflutet und blendendweiß zeigen sich die Alpengipfel vom Philosophenweg oberhalb von Muottas Muragl. Wieder eine Zahnradbahn verkehrt von Pontresina aus bis auf 2453 m zum gleichnamigen Romantikhotel. Wagemutige fahren mit dem Schlitten zurück ins Tal. Weniger abenteuerlich aber geruhsamer ist die Wanderung auf geräumten Wegen. Tafeln mit zeitlosen Aphorismen bekannter Philosophen laden zum Verweilen.

Informationen

© Foto: Rainer HambergerZermatt: Umfassende Auskünfte über Zermatt erfährt man unter www.zermatt.ch/de/index.cfm; eine zentral aber ruhig gelegene Unterkunft ist z. B. das Sunstar Style Hotel www.zermatt.sunstar.ch; Details über das Hotel Gornergrat oberhalb der Gipfelstation gibt es unter www.gornergrat.com/cms/
Glacier Express: es ist möglich die Strecke von St. Moritz oder von Zermatt aus zu befahren, sowohl mit vor gebuchten Übernachtungen oder nur die Zugfahrt  www.glacierexpress.ch/de/Pages/default.aspx

Engadin – St. Moritz: die offizielle Website www.engadin.stmoritz.ch/winter/de enthält die relevanten Details zur Planung eines Winterurlaubes. Eine sehr praktische Lage gegenüber der Talstation des Corvatsch hat das neue Hotel Nira Alpina in modernem Stil mit mehreren Restaurants; ab zwei Übernachtungen sind die Bergbahntickets und der öffentl. Nachverkehr im Preis enthalten; www.niraalpina.com;
Aktuelles Kartenmaterial zu Zermatt und dem Oberengadin sowie zu allen Zielen der Schweiz bieten die Landkartenverlage Kümmerle und Frey, sowie Hallwag; näheres unter www.swisstravelcenter.ch

Allgemeine Informationen gibt es kostenfrei unter der Telefonnummer 00800 100 200 29 bzw. unter der Website www.myswitzerland.com

Anzeige