Ein Paradies für Ratten, Schmetterlinge, Birkenliebhaber und Totschläger – Annotation zum Roman „Blasse Helden“ von Arthur Isarin

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Blasse Helden von Arthur Isarin
Blasse Helden von Arthur Isarin. © Knaus

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Moskau Ende der 90er Jahre, noch hält sich der schwache Präsident Jelzin in Russland, doch das unsichtbare Regiment hat die Geschütze bereits in Stellung gebracht. Hier und da rumort es, dann steht plötzlich das „weiße Haus“ in Moskau in Flammen und ein paar Altkader hauchen ihr Leben aus.

Das korrupte Russland der letzten zehn Jahre war ein Paradies für Hedonisten und Moneymaker. Der sich romantisch gebende Anton ist einer von ihnen. Getrieben von der Gier nach Geld und schönen Frauen kam er nach Moskau und saugte mit Seinesgleichen als windiger Finanzmakler für viele Jahre das Land aus – bis Väterchen Wladimir den eisernen Besen schwang.

Anton stellte keine unliebsamen Fragen, hielt sich aus der Politik heraus, bestach die richtigen Leute und zog im passenden Moment den Kopf ein.

Klar mochte er Birken und die hohen Wangenknochen der Russinnen. Da er gut bezahlte, durfte er von jedem Kuchen ein wenig naschen und nagen. Sein Sinn für die schönen Künste führte ihn sofort in Kreise gleich gearteter HedonistInnen.

Ein paar traurige und lustige Nutten, Klein- und Großkriminelle, arme Künstler, fiese Geheimdienstler und korrupte Beamte bilden das Arsenal der Figuren im ironischen Roman um den blassen Buben Anton und das wilde Russland zwischen Gorbi und Putin. Geld löste die meisten Probleme, es wurde verdient, geklaut, geschöpft, geschröpft, gemacht.
Und Du, Mütterchen Russland? Mütterchen Russland wurde selbstverständlich dabei gefleddert, dass die Fetzchen und Mätzchen flogen.

Moral? Was ist das denn? Vögeln wir, was das Zeug hält, ab und zu gerät immer einer unter die Räder.

Und Drogen? Drogen kommen eher dezent zum Einsatz, wenn man Wodka nicht für eine Droge hält.

Die Sprache des der Blassen Helden ist geradlinig, für jede Situation gibt es ein teilweise passendes Sprichwort. Das holpert mitunter ein wenig, wird aber vom herrlich bösen Grundsound locker übertüncht, der bis zum voraussehbaren Ausgang das Buch zu einer leidlich spannenden Angelegenheit macht.

Ein Buch für die müßigen Stunden zwischen Frühstück und Schweinbraten, das sich schneller liest als ein böser Wind um die Ecken des Kremlfriedhofs pfeift!

Bibliographische Angaben

Arthur Isarin, Blasse Helden, Roman, 320 Seiten, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, Format: 13,5 x 21,5 cm, Albrecht-Knaus-Verlag, München 2018, ISBN: 3-8135-0777-5, Preise: 22 (D), 22,70 EUR (A), CHF 30,90

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