Ein Angstgegner weniger – Harmlose Kleeblätter verlieren in der Wuhlheide

0
1013
An der Alten Försterei
Stadion An der Alten Försterei. © Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Es war das 21. Aufeinandertreffen der beiden Mannschaften in der Berliner Wuhlheide. Gegen keinen anderen Gegner hat der 1. FC Union solch eine verheerende Bilanz. Nur ganze zwei Siege sprangen für die Eisernen bisher heraus.

Der Angstgegner war wieder zu Gast. Als Fazit bleibt nach dem Spiel zu konstatieren, der Angstgegner war einmal. Man sah dem Spiel deutlich an, wer auf Platz 17 der Tabelle nur sieben Punkte auf dem Konto hat. Die Eisernen hatten den Gegner im Griff. Kurzfristig war – auf Linksaußen – Union-Verteidiger Kristian Pedersen ausgefallen. Für ihn rückte Peter Kurzweg in die Startelf. Er wurde zum Mann des Spiels. Die Punktspiele seiner Mannschaft in der Alten Försterei sah er zuvor von Tribüne aus. Es lief erst die 3. Spielminute, da attackierte er Roberto Hilbert und brachte den Ball zu Akaki Gogia. Der Querpass im Strafraum fand einen Verwerter, Peter Kurzweg traf zum 1:0. Abgesehen von einigen Vorbereitungsspielen, standen auf seinem Arbeitsnachweis lediglich die 120 Spielminuten aus der ersten DFB-Pokal-Runde gegen den 1. FC Saarbrücken. Nun kommen weitere 73 Einsatzminuten hinzu und sein erstes Tor für den 1. FC Union. Der gebürtige Bayer ließ seiner Freude in der Mixed-Zone freien Lauf. „Ich bin praktisch von der Tribüne unter die ersten Elf gerutscht und dann gleich solch ein Einstand. Ich schieße nicht unbedingt in jedem Spiel ein Tor.“ Sein letztes Tor erzielte er noch im Dress der Würzburger Kickers, damals gegen 1860 München. Bei den blau-weißen Münchnern durchlief er seine fußballerische Ausbildung.

Dieses frühe Tor durchkreuzte alle Planungen der Kleeblätter. Sie wollten möglichst lange die Null halten und gefährlich kontern. Die Eisernen erspielten sich einige Chancen und gestatteten den Fürthern sehr wenig. In der ersten Halbzeit waren lediglich einige Torannäherungen durch die Gäste zu notieren.
Das 2:0 fiel kurz vor dem Pausenpfiff. Akaki Gogia zog mit einem Drehschuss einfach ab. Sascha Burchert sah den Schussansatz zu spät und der Ball zappelte im Netz. Im Stadion lief die 41. Minute.

In der 2. Halbzeit blieb die Überlegenheit der Unioner zunächst bestehen. Die Greuther wollten, konnten aber nicht so richtig. In der 58. Minute war der Ball plötzlich im Tor der Eisernen. Peter Kurzwegs Pendant, Greuther Fürths linker Außenverteidiger Maximilian Wittek schickte einen beherzten Schuss in Richtung Jakob Busk und der Ball fand seinen Weg über die Torlinie. Fiel das 2:0 für die Eisernen aus dem Nichts, so fiel dieser Treffer aus dem „Gar-nichts“. Kurzzeitig hinterließ er Wirkung bei den Gastgebern. In der selben Minute wechselte Jens Keller aus. Für Felix Kroos kam Dennis Daube, ein positionsgetreuer Wechsel. In der 59. Minute vergab Sebastian Polter die Riesenchance direkt zu antworten und säbelte den Ball aus aussichtsreicher Position über das Tor. Die Vorarbeit kam von Gogia. Die nächste Großchance für Union machte Burchert mit einer tollen Parade in der 67. Minute zunichte.

Für die Fürther zeigte sich ein kleiner Silberstreif am düsteren Horizont. In der 69. Minute hatten sie eine Torchance. Sie kämpften weiter. In der 74. Minute hätte die endgültige Entscheidung fallen können. Ein schnell vorgetragener Konter wurde erneut von Polter nicht vollendet.

Für die Erlösung sorgte schließlich Simon Hedlund mit seinem Treffer zum 3:1. Dabei blieb es bis zum Schlusspfiff.

Taktik

Die Eisernen wurden von Jens Keller mit einer 4-2-3-1 Grundordnung in die Begegnung geschickt. Damir Buric wollte es mit einer 3-4-2-1 Formation bei eigenem Ballsitz und einem 5-3-1 beim Verteidigen versuchen. Diese Pläne wurden bereits in der 3. Minute durchkreuzt. Fürth musste durch den Rückstand seinerseits aktiver werden. Statt Räume zuzustellen und den Führungstreffer verhindern, musste auf Balleroberung gesetzt werden. Bereits nach 19. Minuten wurde Daniel Steininger für Dursun Serdar vom Platz geholt. Trainer Buric erhoffte sich von Serdar mehr körperliche Präsenz. Sie mussten versuchen, mehr sogenannten langen Bällen in die Spitze auf Serdar zum Erfolg zu kommen. Die entscheidenden Anspiele waren oft zu ungenau. Die Passquote der Gäste betrug 82%, eigentlich ein guter Wert, aber nutzlos wenn die entscheidenden langen Pässe nicht ankommen. Es gelangen den Fürthern einige Balleroberungen, vor dem Tor blieben sie harmlos. Einen einzigen Eckball gab es in der 1. Halbzeit für die Gäste und 2 Schüsse auf das Tor.
Für die Eisernen war die frühe Führung dagegen ein Segen. Sie konnten eine kontrollierte Offensive aufziehen. Die statischen Werte nach der 1. Halbzeit unterstreichen das, die Gäste hatten mehr Ballbesitz (59%) und spielten mehr Pässe. Die entscheidenden Zweikämpfe gewannen die Eisernen, so konnten die Gäste keine Offensivwirkung entfalten. Es war insgesamt zu wenig, was die Gäste boten, um die Berliner ernsthaft in Gefahr zu bringen. In dieser Verfassung muss man sich Sorgen um die dienstälteste Zweitligamannschaft machen. Bis auf den Sonntagschuss, der zum Anschlusstreffer führte, war die Offensive harmlos und stellte Unions Viererkette vor keine Probleme.

Fazit

Den Eisernen gelang ein ungefährdeter Sieg. In der Aufstellung und in der taktischen Grundordnung gab es keine Experimente. Es zeigte sich erneut, dass der Kader auf vielen Positionen doppelt gut besetzt ist. Das gelungene Debüt von Peter Kurzweg unterstreicht dies. Es wurde der 4. Sieg in Folge.

Stimmen zum Spiel

Peter Kurzweg (1. FC Union Berlin): „Das Tor ist früh gefallen und Fürth musste kommen, entschieden war da noch nichts, es hat uns natürlich in die Karten gespielt. Ich bin gleich mit nach vorne gegangen, schnelles umschalten ist eine unserer Stärken. Dass ich heute spielen durfte, kam für mich überraschend. Man muss da sein, wenn die Chance kommt, das ist mein Beruf.“

Maximilian Wittek (Greuther Fürth): „Ich bin jetzt im 4. Jahr Profi und habe nur gegen den Abstieg gespielt, ich kann mit der Situation vielleicht etwas besser umgehen als manch anderer, jetzt müssen wir enger zusammenrücken, wichtig ist, defensiv gut zu stehen, die Null halten, für ein Tor sind wir immer gut.“

Sascha Burchert (Torwart Greuther Fürth): „Das Wort Abstiegskampf nehme ich nicht in den Mund, wir wollen so schnell wie möglich da unten raus. Ich glaube wir hatten Chancen, selbst nach dem Scheiß-Anfang.“

Damir Buric (Trainer Greuther Fürth): „Es war heute schwierig für uns. Wir sind sehr schnell in Rückstand geraten und haben kurz vor der Pause das 0 : 2 kassiert. Trotzdem haben wir versucht zurückzukommen. Union ist eine gute Mannschaft und steht zu Recht da oben.“

Jens Keller (Trainer Union Berlin): „Es freut mich für Peter Kurzweg, der die ganze Zeit auf der Tribüne war, reinkommt und gleich ein Tor macht. Nach dem frühen Tor hätten wir schneller nachlegen müssen. Defensiv standen wir gut und haben wenig zugelassen. In der 2. Halbzeit nach dem Anschlusstreffer haben wir ein bisschen geschwommen, das sollte nicht passieren. Das 3 : 1 hätten wir früher machen müssen, jeder hat gesehen, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten.“

Spieldaten

1. FC Union Berlin
Tor: Jakub Busk Abwehr: Christopher Trimmel; Toni Leistner; Fabian Schönheim; Peter Kurzweg (ab 73. Michael Parensen) Mittelfeld: Felix Kroos (ab 58. Dennis Daube); Grischa Prömel; Marcel Hartel (ab 80. Damir Kreilach); Simon Hedlund; Akaki Gogia;Angriff Sebastian Polter 4-2-3-1
Trainer: Jens Keller

SpVgg Greuther Fürth
Tor: Sascha Burchert Abwehr: Richard Magyar; Mario Maloca; Marco Caligiuri; Mittelfeld: Roberto Hilpert (ab 71. Philipp Hofmann) ; Jürgen Gjasula ; Levent Aycicek (ab 65. David Raum); Maximilian Wittek; Angriff Daniel Steininger (ab 19. Serdar Dursun); Khaled Narey; M. Jimenez Torres 3-4-2-1
Trainer Damir Buric

gelbe Karten
15. Min Richard Magyar (Greuther Fürth)

Ergebnis: 3:1 für den 1. FC Union Berlin

Tore:
1:0 (3. Min) Peter Kurzweg
2:0 (41. Min) Akaki Gogia
2:1 (58. Min) Maximilian Wittek
3:1 (76. Min) Simon Hedlund

Zuschauer: 21.344 Stadion Alte Försterei
Schiedsrichter: Martin Petersen; Markus Sinn; Tobias Christ Henry Müller
Wetter: angenehmes trübes, herbstliches Wetter (12 Grad C)

Anzeige