Die Welt aus Kinderaugen -”¦ zeigen Antje Starost und Hans Helmut Grotjahn in „7 oder Warum ich auf der Welt bin“

Phantasievoll, gewitzt, ernst oder mit Humor teilen sie ihre Weltsicht mit den Zuschauern und geben einen seltenen Einblick in die geheimnisvolle Zeit, die zu schnell aus unserer Erinnerung flieht: die Kindheit. Ihren außergewöhnlichen Dokumentarfilm drehte das Autoren- und Regie-Duo nicht über die Kinder, sondern mit den Kindern. Was ganz selbstverständlich klingt, ist tatsächlich eine Seltenheit, nicht nur im Dokumentarfilm. Oft wird wird über und zu Kindern gesprochen. Oft sind auf Kinder bezogene Fragen Thematik, noch öfter Problematik im Kino. Umso seltener können die Kinder selbst und ohne strenge Vorgaben oder Beschränkungen erzählen. „7 oder Warum ich auf der Welt bin“ verzichtet auf einen erläuternden Hintergrundkommentar oder erklärende Zwischentitel. Nur die Vornamen und die Wohnorte der Protagonisten werden eingeblendet. Frankreich, Griechenland, Bulgarien, Deutschland und Ecuador sind die Heimatländer von Vici, die über den Tod ihres kleinen Bruders spricht und Jonathan, der in seinen Berichten vom Angeln ganz selbstverständlich beschreibt, wie ein harmonisches Zusammenleben von Mensch und Natur möglich sein kann.

Starost und Grotjahn verfremden die Aussagen ihrer Gesprächspartner nicht, indem sie deren Worte in ein vermeintlich „richtiges“ Licht zu rücken versucht, wenn sie sich nicht sofort erschließen. Unterschwellig werden so besonders erwachsene Zuschauer angehalten, den kindlichen Worten bis zum Ende aufmerksam zuzuhören und über über deren tiefere Bedeutung nachzudenken. Die Zurückhaltung, mit der die Protagonisten in ihrem alltäglichen Umfeld gezeigt werden, ist kein Mangel, sondern der entscheidende Vorzug des einfühlsamen Porträts sieben interessanter Persönlichkeiten. Den entstehenden Freiraum füllen die Kinder mühelos mit ihren Überlegungen. Es sind bemerkenswert tiefgründige Gedanken, die einen authentischen, aber auch ermutigenden Einblick in das kindliche Bewusstsein geben. Die Aufrichtigkeit und Unbefangenheit der Aussagen weckt Respekt vor den Charakteren von „7 oder Warum ich auf der Welt bin“, statt sie zu verniedlichen oder zu vorzuführen. Die im Titel enthaltene Frage dient den Reflektionen der Kinder dabei lediglich als Anstoß.

Meist ist gerade sie es, die am knappsten beantwortet wird. Warum er auf der Welt ist? So genau wüsste er das nicht, sagt der siebenjährige Albrecht aus Berlin. Erwachsene würden sie mit biologischen oder theologischen Ausführungen beantworten. Sie würden einen Witz machen oder es einen Zufall nennen. Zugeben, dass sie es selbst nicht wissen – wer kann das, außer Kindern?

Titel: 7 oder Warum ich auf der Welt bin

Land/ Jahr: Deutschland 2010

Genre: Dokumentarfilm

Kinostart: 25. November 2010

Regie und Buch: Antje Starost, Hans Helmut Grotjahn

Mit: Albrecht Felsmann, Basile Grondin, Jonathan Reinhardt, Vici ,

Kamera: Hans Helmut Grotjahn

Musik: Büdi Siebert

Schnitt: Anne Berrini

Laufzeit: 87 Minuten

Verleih: Starost Filmverleih & Vertrieb

www.starostfilm.de

Vorheriger ArtikelStampfkonzerte – Dem „Bödälä“ haben sich die Tänzer aus Gitta Gsells Dokumentarfilm verschrieben
Nächster ArtikelJosephi fängt das Ziegeln an