Die Roten Bullen überrannten die Alte Dame und könnten bester Aufsteiger aller Zeiten werden

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Quelle: Pixabay, gemeinfrei, CC0 Public Domain

Berlin, Deutschland (Weltexpress) Es war das letzte Samstagabend-Spiel der Saison. Die Stadionuhr im Berliner Olympiastadion ging auf halb neun, Schiedsrichter Robert Hartmann pfiff eine einseitige Partie ab. RB Leipzig hatte Hertha BSC mit 4:1 zerlegt. Der Aufsteiger holte sich die noch fehlenden Punkte für die direkte Qualifikation zur Champions-League. Über Berlin ging die Sonne unter, herrliches Abendrot schimmerte über dem Stadion und der Leipziger Fanblock feierte mit den Spielern und Mannschaftsverantwortlichen das Erreichen des angestrebten Saisonziels. Vor der Saison war natürlich nur die Rede vom Klassenerhalt, ganz ernst genommen wurde das von der übrigen Konkurrenz nicht. Die schlechteste Platzierung war Rang 8, seit dem 9. Spieltag verweilten die Leipziger nie schlechter als auf Platz 3.
Die ersatzgeschwächte „Alte Dame“ hatte, wie beim Hinspiel, nicht die Spur einer Chance. Dabei lagen nur 2 Plätze, allerdings 17 Punkte zwischen beiden Mannschaften. Für die Fußball-Traditionalisten war es ein schwarzer Tag. Welch Ironie, ausgerechnet in Berlin, im traditionsbeladenen Olympiastadion, bei der Hertha, gegründet im 19. Jahrhundert, gelingt der große Wurf. Das Investment Rasenball wird sich auszahlen und weist in die Zukunft des Profi-Fußballs. Es ist immer mehr Geld im Spiel. Alles was mit dem Fußballspiel zusammenhängt wird immer perfekter durchgeplant und optimiert. Die Fankultur wird sich diesen Prozessen anpassen müssen, als Teil der Inszenierung.
RB Leipzig, eine Mannschaft, geschaffen mit klug eingesetztem Geld aus dem österreichischen Brauseimperium ist bereits ganz oben. Offizielles Gründungsdatum ist der 15.05.2009, der Weg begann in der Oberliga, 2 Jahre Regionalliga, 1 Jahr 3. Liga und nach 2 Jahren im Unterhaus gelang 2016 der Aufstieg in die 1. Bundesliga, als Tabellenzweiter hinter dem SC Freiburg. Auf den Einkauf großer Stars soll weiter verzichtet werden. Für die Bezahlung der Profis gilt ein vereinsinterner Salary-Cup (Gehaltsobergrenze). Geld schießt auf jeden Fall Tore und viel Geld dementsprechend mehr. Für eine Mannschaft ist es immer von Vorteil, wenn das Geld möglichst gleichmäßig verteilt ist. Beschämt dürften Leverkusen, Wolfsburg und vor allem der HSV in Richtung Leipzig schauen. Warum gelingt uns das nicht ?
Die Spielweise der Leipziger zeigt, was moderner Fußball heißt. Hatte Hertha den Ball erobert, wurden sie sofort von den beiden Leipziger Sturmspitzen angelaufen. Die Berliner brachten fast keinen brauchbaren Angriffszug zustande. Nur ganze 6 Torschüsse gestatteten die Leipziger der Alten Dame. Eine enorme Physis kennzeichnet das Leipziger Spiel. So lag die Gesamtlaufleistung der Leipziger mit insgesamt 114,67 Kilometern um 4 Kilometer höher als bei den Spielern der Hertha. Dabei wäre die Niederlage fast glimpflich ausgefallen. Leipzigs Khedira unterlief ein Eigentor, nach einem Hertha-Freistoß. Es lief bereits die 85. Spielminute und der angezeigte Spielstand von 2:1 für RB Leipzig sollte nicht der Endstand sein. Selke kam für Poulsen und erzielte noch 2 Tore und gab den Berlinern den Rest.
Nach dem 32. Spieltag liegen 20 Punkte zwischen RB Leipzig und Hertha BSC, das wurde im Spiel auch deutlich. Vor 19 Jahren gelang dem 1. FC Kaiserslautern ein ähnliches Kunststück. Als Aufsteiger wurden sie mit 68 Punkten sogar Meister. Das wird den Rasenballern nicht mehr möglich sein. Der Meister steht fest. Es ist – welch Überraschung – der FC Bayern. Am nächsten Spieltag treffen sich München und Leipzig zum Freundschaftsspiel um Punkte. Wie spannend ist doch die Bundesliga ! Leipzig könnte die Punktemarke der Lauterer von 1998 wenigstens noch knacken. Das ihnen anschließend ein ähnliches Schicksal droht wie dem Traditionsclub aus der Pfalz – dort wären sie aktuell froh über den Klassenerhalt in der 2. Liga – ist nicht zu erwarten.
Der Profi-Fußball wandelt sich, man muss nicht nur das Spiel mit dem Ball beherrschen. Das Spiel mit dem Geld wird genauso wichtig. Wer sich da verzockt, dem helfen Tradition und großartige Fankultur nicht weiter.

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