Die „Rocker in Deutschland“ – ein wehmütiger Rückblick von Günther Brecht

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Günther Brecht - Fips: Rocker in Deutschland.
Günther Brecht - Fips: Rocker in Deutschland. Die 80er Jahre, Band 2, von 1983 bis 1986. © Huber Verlag

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Der Verlag Huber aus Mannheim, hat sich auf Literatur von und für Rocker aller Art spezialisiert. Insofern ist es logisch, dass dort der verdiente Langzeitrocker Fips seine Werke zur Geschichte der Rocker in Deutschland herausbringt. Früher war in alles besser, das wird wohl keiner bestreiten. Es ging den Herren noch ums Motoradfahren. Das war ihr wichtiges Hobby, erst danach kamen das Saufen, das Raufen und der ganze Rest. Selbst Udo Lindenberg sang vor langer Zeit: „Wir sind Rocker, wir sind Rocker, doch wir stehn nicht auf Gewalt. Ich bin nicht son primitives Schwein und schlag nem Schwachen die Fresse ein“. Man mochte nackte Frauen bei Festivitäten und im Spind auf Arbeit, stapfte aber daheim brav in Pantoffeln durch Muttis Küche.

Heute ist das anders. Rocker will wirklich niemand haben. Sie selbst finden, sie wären brave Bürger, doch ein kurzes Googeln zeigt uns: in Sachen Prostitution, Menschenhandel, Drogen, Waffenhandel usw. ist der eine oder andere Rocker(club) dicke dabei. Tote, Schwerverletzte, die ganze Palette.

Gute, alte Zeit! Die 80er waren die fetten Jahre für sie, die Szene prosperierte, die Clubs wuchsen, die Maschinen, die Magazine, der Rockerbedarf im Allgemeinen wurde verkauft wie geschnitten Brot. An jeder Ecke gab es Rockerparties, das Volk strömte, die Kasse stimmte. Fips war Herausgeber eines Rockerinfoblatts, nebenher machte er Rockerdisco, er stand in der Blüte seiner Jahre und konnte vom Rockerspass ganz ordentlich leben. Das Buch ist keine kritische Betrachtung dieser Jahre. Es hat nichts mit Literatur zu tun, es ist reine, pure, „echte“ Fipssche Nabelschau. Ein gefiltertes, unkritisches Potpourri der Zeit. Ein Plus: die Fotos: Rocker beim Biertrinken, bei der Disco, auf und neben dem Motorrad etc. Besonders beliebt: Der Rocker in Rockerpose. Frauen kommen am Rand vor, sie sind entweder nackig, oder dabei sich gerade Auszuziehen. Die Texte erzählen vom „harten“ Rockerleben, den Partys und den geschäftlichen Eskapaden von Fips.

Nostalgie, auch für Nichtrocker – ein drolliger Rückblick eines Insiders für Freunde der Subkultur.

Bibliographische Angaben

Günther Brecht – Fips, Rocker in Deutschland – Die 80er Jahre (Band II: 1983 – 1986): Ein autobiografischer Rückblick, 280 Seiten, Format: 220 x 297 mm, Hardcove, Huber Verlag, 1. Auflage Mannheim 2017, ISBN: 3-927896-73-4, Preis: 21,90 EUR (D)

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