Der Traum von der Königsklasse

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Mönchengladbach (Weltexpress) - Borussia Mönchengladbach steht bereits vor dem Rückspiel bei Dynamo Kiew vor der Realität einer sonderbaren Situation. Die Champions-League sei wohl doch eine Nummer zu groß für die Elf vom Niederrhein.

So ähnlich steht es ja auch in den meisten Zeitungsartikeln:

Gladbach – Baustelle Borussia Mönchengladbach”Ž Frankfurter Rundschau

Favre vermisst Reus an allen Ecken und Enden”Ž Welt Online

Mönchengladbach in der Champions League Zu naiv für die große … Süddeutsche

Fans sind trotzdem stolz auf ihre Borussia”Ž RP ONLINE

Gladbachs Pleite gegen Kiew Zu klein für die Großen”Ž Spiegel Online

Nach Niederlage gegen Kiew : Zweifel an Gladbachs Kader”Ž Tagesspiegel

Allerdings kann man die Sache auch ein wenig anders betrachten.

Natürlich war das Spiel um den Nichtabstieg gegen den VFL Bochum, wo ich Im Rückspiel auch live zugegen war, spannender und wichtiger als ein WM-Finale (2006) oder das Halbfinale Deutschland gegen Italien (2006 in Dortmund bei 40 Grad mit Schweiß in den Schuhen). Die letzte Saison war dann für alle Fans, Anhänger, Mitglieder, Sponsoren, Mitarbeiter und gar für die Journalisten ein nicht mehr für möglich gehaltener Lohn der langen Jahres des Leidens.

Am Ende stand also Platz 4 auf der Tabelle und zufällig seit diesem Jahr damit verbunden, der Qualifikationsplatz für die Champions-League. Vor einem Jahr hätte der vierte Tabellenplatz direkt in die unterschätzte Euro-League geführt. Wer zufällig ein paar der vielen tollen Spiel von Hannover 96 im vergangen Jahr in der Euro-League gesehen hat, sollte anders über diese Liga reden.

Nun Fortuna (nicht die aus Düsseldorf), die UEFA-Regelung, der Fußballgott und die Leistung dieser tollen Mannschaft Im vergangenen Jahr hat uns diese Champions-League-Qualifikationsspiele gegen D. Kiew geschenkt.

Dann wurden mit Reus und Dante die wichtigsten Spieler der Mannschaft verkauft und mit Roman Neustädter, ein wichtiger aber leicht überschätzter Spieler, ist ebenfalls gegangen. Seit der Winterpause gab es das Theater um Dante, Favre und Co. Dabei war der Schritt von Reus die Sache in der Winterpause zu verkünden für beide Vereine schlau und fair.

Favre zu den Bayern stand Wochenlang in den Zeitungen. Favre zu Olympique Marseille hieß es nach der Europameisterschaft. Trotzdem hat der Verein klug gehandelt, die Ruhe bewahrt und hat mit Max Eberl in der Sportdirektorfunktion die richtigen Leute verpflichtet. Nun muss sich die Mannschaft finden. Bei Reus, Dante und Co hat dies laut Favre insgesamt auch drei Jahre gedauert.

Allerdings waren mir die Töne vor dem Spiel gegen Kiew auch ein wenig zu defensiv und zu sehr auf eine Niederlage ist nicht so schlimm getrimmt. So was hätte ein Mathias Sammer wohl nie gesagt. Wir alle haben das Spiel gesehen und die ersten 27 Minuten waren toll, dann wurde die Mannschaft von den abgezockten Spielern aus Kiew leider bestraft.

Leider war Arango der einzige Gladbach der sich gegen die Niederlage offensiv stemmte. Aus dem restlichen Mittelfeld kam wenig, der unglücklich De Jong konnte nicht einen Ball vernünftig verarbeiten, De Camargo hatte auch schon bessere Tage… Gerade der fleißige und oft offensiv wichtige Daems fälschte den Ball zum 1:1 ab. Das Eigentor von De Jong war die Krönung des Abends. Als insgesamt war es Lehrgeld, was der gesamte Verein bezahlt hat. Damit haben aber auch die wenigsten Kommentatoren nur wirklich gerechnet. Diverse Kollegen der schreibenden Zunft haben nach dem 1:3 Ihre Texte schnell wieder umgeschrieben, die Hoffnungen und die Leistungen der Borussia neu bewertet. Also lässt sich wohl insgesamt sagen: nach dem 1:0 hat kaum einer mit diesem Spielverlauf gerechnet.
Aber es gilt auch ein paar Dinge zu hinterfragen.

Ich fand die Aussage von Ter Stegen nicht schlecht: Er meinte die Mannschaft wolle nach dem 1:0 immer weiter schnelle Tore machen. Darauf hätte ein Trainer einwirken können oder müssen. De Carmargo wurde ausgewechselt und De Jong spielte weiter, diese Auswechselung habe ich auch nicht ganz verstanden. Hanke hätte vielleicht früher eine Chance verdient.

Insgesamt muss man aber sagen, Trainer Favre hat sich fair und offenen den Fragen der Medien gestellt. Außerdem spricht der Trainer Fehler die er sieht, klar und offen an, wie kaum ein anderer in der Bundesliga. All dies lässt die Sache in der Tat mit einem zuversichtlichen Blick in diese Saison enden. Möge die Mannschaft sich finden und eine tolle Saison in der Bundesliga und in der Euro-League erleben, alles andere war ein schöner Traum, von den guten alten Zeiten. Aber mein Fazit lautet: lieber gegen Kiew zittern als gegen Sandhausen, wie der Verein mit dem Dom vor dem Stadion.

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