Das Zugpferd ist der Alpine Skilauf – Im Wintersportgebiet Oberstdorf/Kleinwalsertal wird vieles neu

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© Bergbahnen Oberstdorf-Kleinwalsertal
Oberstdorf, Bayern, Deutschland; Kleinwalsertal, Voralberg, Österreich (Weltexpress). „Wenn ich jetzt im Winter den aktuellen Wetterbericht im Radio höre, muss ich mich oft ärgern.“ Jörn Homburg, Marketingleiter im Skigebiet Oberstdorf/Kleinwalsertal, schüttelt den Kopf. „Die Meldungen sind meist viel zu pauschal; sie treffen für unser Gebiet oft überhaupt nicht zu. Wenn beispielsweise regnerisches Wetter gemeldet wird, leiden wir oft darunter, weil dann die Skifahrer ausbleiben, obwohl wir beste Bedingungen haben.“

Immer wieder hat Jörg Homburg versucht, auf die Verantwortlichen einzuwirken, um dies zu ändern. Doch genützt hat es wenig. Um so wichtiger sind die Internet-Seiten wie "Das Höchste". „Ich empfehle ganz besonders unsere Webcams“, so Jörg Homburg. „Die bilden immer die aktuelle Situation ab.“ Wie stark die Wetterverhältnisse selbst in der Region differenzieren, schildert er anschaulich an einem persönlichen Erlebnis: „Kürzlich war ich in Immenstadt. Während dort alle Wiesen grün waren, mussten wir in Oberstdorf rund 20 km weiter südlich den vielen Schnee, der in kurzer Zeit gefallen war, mit Schneefräsen wegräumen.“

Der ist mittlerweile auf den Talwiesen rund um Oberstdorf (813 m) geschmolzen. Doch die Berge hinter dem Ort, über dessen Dächer die Anlage der beiden mächtigen Sprungschanzen in den Himmel ragen, leuchten weiß. Viel Schnee, den die Nebelhorn-Seilbahn schon kurz nach Verlassen der Talstation erreicht. An der Bergstation Höfatsblick in 1932 m Höhe herrscht tiefer Winter. Die Talabfahrt, mit 7,5 Kilometern eine der längsten in Deutschland, lockt und führt bis an den Oberstdorfer Ortsrand. Die technische Beschneiung macht’s möglich. Dazu Alfred Spötzl, Technischer Leiter der Nebelhornbahn: „Bis vor wenigen Jahren konnten wir nur selten bis nach Oberstdorf abfahren. Seit diesem Winter ist die Beschneiung, ohne die wir nicht auskommen, auf der ganzen Strecke komplett. Unsere Gäste erwarten das heute von uns.“ Und es gibt weitere große Pläne. Im kommenden Sommer wird Alfred Spötzl zufolge die betagte Gipfelstation komplett umgebaut. Ein neues in den Berg modelliertes Restaurant mit Aussichtsterrasse sowie ein spannender Panoramaweg um den Gipfelbereich herum werden neben dem grandiosen Blick auf 400 Berge die Anziehungskraft des Nebelhorns weiter steigern. Der Druck auch auf die hartnäckigsten Verweigerer des Neubaues der Uralt-Nebelhornbahn wird weiter wachsen. Der Plan für die neue Umlaufbahn, deren 68 moderne 15-Personen-Kabinen pro Stunde bis zu 2000 Personen und somit mehr als drei Mal so viel wie heute befördern, liegt längst in der Schublade.

Das Nebelhorn verspricht nicht die einzige spannende Entwicklungsgeschichte dieser grandiosen Ferienregion. Rund dreihundert Meter höher im österreichischen Kleinwalsertal, wo dicker Schnee zur Zeit auch die Talwiesen zudeckt, erstrecken sich vier ganz unterschiedliche Skigebiete nahe der Orte Riezlern, Hirschegg und Mittelberg. Erste Station: Kanzelwandbahn. An der Talstation der in die Jahre gekommenen Sechs-Personen-Kabinen geht es rasch. Der Blick von der 1967 m hohen Gipfelstation in die Berge ist überwältigend. Die meisten Skifahrer jedoch haben dafür keine Zeit. Sie zieht es hinüber zum kleinen Skicircus von Kanzelwand und Fellhorn mit verschiedenen, abwechslungsreichen Piste, von denen die kurvige, etwa sechs Kilometer lange Talabfahrt am lohnendsten ist. Am Balzplatz, wo sich die Auer– und Birkhähne im Frühjahr gern aufmandln, ballen sich die Menschen vor Fellhorn-Schlepper und Möser-Sessellift. Geduld ist gefragt. Jörn Homburg kennt das Nadelöhr. „Im Sommer ersetzten wir den Schlepper durch eine Sechser-Sesselbahn,“ erklärt er. „Dann ist es vorbei mit der Drängelei.“ Vermutlich aber nicht an der Alpe Bierenwang, wo nur mit viel Glück ein Sitzplatz zu bekommen ist, um sich eine der Allgäuer Köstlichkeiten, wie die Älpler Kässpatzen (11,60 €) oder die Allgäuer Käserahmsuppe (6,80 ), schmecken zu lassen.

Nachmittags zieht die Ski-Karawane auf der Oberen Geren-Piste, die in etwa der deutsch-österreichischen Grenze folgt, zurück zur Kanzelwandbahn, aber nicht, um mit der Bahn zurück ins Tal zu fahren, sondern um auf der vier Kilometer langen, optimal ausgebauten Abfahrt genussvoll ins Tal zu schwingen.

Von der Talstation ist es nicht weit zur Parsennbahn. Und per Shuttle weiter zum Ifen-Skigebiet. Der Hohe Ifen (2228 m), tief verschneit, bietet alles, was Skifahrer wünschen. Sanfte Wege für blutige Anfänger, leichte Pisten für die weniger Anspruchsvollen, steile Abfahrten für die Profis sowie ein abwechslungsreiches Freeride-Gelände, das höchste Begeisterung auslöst, vor allem dann, wenn ein ortskundiger Guide wie Jörn Homburg vorne wegfährt. Weniger Begeisterung lösen die Liften aus. Die Sesselbahn und der lange Schlepper lassen Erinnerungen an längst vergangene skifahrerische Kindheitstage wach werden. Doch seitdem vor einigen Jahren die Kleinwalsertaler Bergbahn die Anlagen erworben hat, wird geplant. Zwar wurde die ursprüngliche Idee, den Ifen mit dem Nachbarskigebiet Walmendinger Horn durch eine kühne Seilbahn zu verbinden, fallen gelassen, aber auf dem Ifen wird alles neu. Erster Schritt: Den Uralt-Schlepper ersetzt ab kommendem Winter eine Sechser-Sesselbahn mit Sitzheizung und Wetterschutzhaube. Dazu kommt eine Beschneiungsanlage. Kosten insgesamt: 14 Millionen Euro.

Das Geld ist vorhanden. Und noch mehr. Dahinter stehen drei Investoren, darunter zwei regionale Energie-versorger, die insgesamt 28 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Gehen die nicht ein gewaltiges Risiko ein angesichts der bedrohlichen Klimaproblematik? „Nein“, betont Augustin Kröll, Vorstand der Kleinwalsertaler Bergbahn AG. „Die würden uns nichts geben, wenn sie nicht davon überzeugt wären, es würde sich lohnen.“ Und weiter: „“Die Wichtigkeit bester Pistenverhältnisse haben auch unsere Geldgeber er-kannt.“ Deshalb werden im Skigebiet Oberstdorf/Kleinwalsertal in den nächsten Jahren nicht nur die alten Anlage ersetzt, sondern auch die Beschneiung wird weiter ausgebaut. Momentan können von allen 128 Pistenkilometern rund 60 Prozent maschinell beschneit werden. Dazu Augustin Kröll: „Das Zugpferd ist und bleibt für uns der Alpine Skisport. Daran orientieren sich auch viele unserer Wintersportgäste, die nicht Ski fahren. Gute Pistenverhältnis signalisieren ihnen, dort herrscht der Winter, den wir suchen.“

Anmerkung:

Vorstehender Beitrag von Henno Heintz ist eine Erstveröffentlichung im Weltexpress.

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