Das war die 90. Grüne Woche

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Ganz schön lila auf der Eröffnungsfeier zur 90. Grünen Woche in Berlin. © Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die Grüne Woche begann mit einer Abendveranstaltung. Das Gastgeberland Marokko, in dem der Adel und der Islam wütet, Monarchen und Muselmanen die Macht in Händen halten und nicht das Volk, präsentierte sich auf der Messe mit Künstlern, die keiner kennt, auch nicht in Marokko, und mit Mahlzeiten, die nicht schmeckten. Restauranttester wie Rach, bitte übernehmen sie!

Die „Tausendundeine Nacht“-Eröffnungsfeier mit rund 3.500 Gästen, auf der Reden gehalten wurden, die in Vergessenheit gerieten noch bevor die Nacht um war, flätze zu einem „From Dusk Till Dawn“ auf Stolperteppichen. Dass das Niveau im Westend sehr sinken würde, das müssen die Russen geahnt haben. Sie blieben dem Auftakt und der 90. Ausgabe der Grünen Woche, die weder grün war noch eine Woche dauerte, fern wie viele Besucher aus Berlin und Brandenburg.

Der Veranstalter, die Messe Berlin GmbH, gibt an, dass sich „knapp 400.000 Messe- und Kongressbesucher … auf der zehntägigen Agrarschau … informiert“ hätten. Dass man diese Zahlen nicht allzu ernst nehmen sollte, das weiß jeder Student nach einem Semester Grundkurs in Empirie und Statistik. Auch den Worten einiger Offizieller, die von Väterchen Frost und Zar Putin orakelten, darf der Leser dieser Sätze getrost mit einem ironischen Lächeln quittieren. Immerhin bleibt die Zehn-Tage-Warenschau „die besucherstärkste Messe Berlins“, wie Messesprecher Wolfgang Rogall erklärte. Das kann man so sagen.

Richtig ist aber auch, dass die Preise oft höher sind als die Qualität der Produkte. Gleichwohl trifft Dr. Christian Göke, Vorsitzender der Geschäftsführung der Messe Berlin GmbH, den Nagel auf den Kopf, wenn er behauptet, dass „das Nahrungs- und Genussmittelangebot aus aller Welt, die regionalen Spezialitäten aus deutschen Landen und die Leistungsschauen aus Landwirtschaft und Gartenbau … die Verbraucher als überaus erlebnisintensiv wahrgenommen und honoriert hätten.“ Wenn man`s nicht besser weiß und in Ermangelung von Alternativen frisst nicht nur der Bauern das, was er kennt.

„Die Pro-Kopf-Ausgaben der Verbraucher“, heißt es in der Pressemitteilung vom 24.01.2016, „lagen mit 121 Euro (2015: 117 Euro) über dem Vorjahresniveau“. Vier Euro mehr oder eine 250-Milliliterflasche Olivenöl aus Marokko. Billigeres und besseres Olivenöl bekam ich vor Monaten auf Lesbos. Und selbst wer sich nicht auf die weite Reise und in den Flieger nach Griechenland begeben möchte, der kann das gute Olivenöl im schnellen Internet bestellen. Selbst die Lieferung dieses Olivenöls von Lesbos ist billiger als das Olivenöl aus Marokko auf der Messe in Berlin zu kaufen.

Kaufen und Verkaufen, das treibt auch Joachim Rukwied als Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes um. Er soll laut Pressemitteilung folgendes gesagt haben: „Angesichts der sehr schwierigen wirtschaftlichen Lage unserer Betriebe infolge des Russland-Embargos und der konjunkturellen Schwäche in einigen Schwellenländern wie China haben wir auch Maßnahmen zur Überwindung der angespannten Liquidität in zahlreichen landwirtschaftlichen Betrieben erörtert.“

Sollte Rukwied in der Russland-Frage zu besseren Antworten gekommen sein als die US-Vasallen mit ihrer Sanktionspolitik in Berlin und Brüssel, dann war die Grüne Woche wohl ein Erfolg und ich will nicht weiter meckern. Doch vorerst werden die Sanktionen gegen die Russen mehrere Monate weitergehen, das Bauernsterben auch.

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