Das geht an die Nieren – Über das Geschäft mit der Blutwäsche in der Ukraine

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Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Die B. Braun Melsungen AG mit Sitz im hessischen Melsungen ist ein traditionsreiches Unternehmen, dessen Ursprung laut Wikipedia auf das Jahr 1839 zurückzuführen sei, in dem Julius Wilhelm Braun in Melsungen eine Apotheke kaufte. Seit dieser Zeit ist aus dem lütten Laden ein globaler Spieler im Bereich der Pharma- und Medizinbranche geworden und der zähle laut „Lexikon der deutschen Weltmarktführer“ zur Königsklasse deutscher Unternehmen.

Bereits nach dem zweiten Weltkrieg stellte sich das deutsche Unternehmen international auf, expandierte und baute Produktionsstätten in Spanien, Malaysia, Frankreich und in den Vereinigten Staaten von Amerika auf. Nach dem Fall der Mauer machten die Melsunger rüber nach Sachsen und kauften, wie wir Wikipedia entnehmen, „in Radeberg und Berggießhübel“ Produktionsstätten.

B. Braun bemüht sich in gewisser Weise um seine Osterweiterung und kümmert sich auch um die Ukraine. Mit der Sparte B. Braun Avitum ist B. Braun laut Wikipedia „einer von drei weltweit tätigen Komplettanbietern bei extrakorporaler Blutbehandlung“.

Kommen wir zur Ukraine, wo auch beim Blut ohne Bakschisch wenig zu laufen scheint. Besorgte Bürger verlangen saubere Recherche und absolute Aufklärung über das schmutzige Geschäft mit Blutreinigungsprodukten. Ukrainische Politiker fordern eine Aufklärungskampagne über die Praktiken im Umgang mit Dialysepatienten in der Ukraine vor dem Hintergrund unsäglicher Zustände in der medizinischen Versorgung der Bevölkerung.

Keine Frage: Auch in den Kliniken und Krankenhäusern der Ukraine gibt es Dialysestationen. Nierenkranke werden dort mit entsprechendem Geräteequipment und ebenso entsprechenden physiologischen Präparaten behandelt. Wie Krebspatienten gehören Dialysepatienten zur Kategorie 1 der vom Gesundheitsministerium in Kiew verfügten Einteilung. Diese besagt, dass der ukrainische Staat die Behandlungskosten hundertprozentig zu tragen hat. In der Regel erhält der Dialysepatient eine Behandlung pro Woche. Ohne Dialyse, ohne das Blutreinigungsverfahren als Ersatzverfahren bei Nierenversagen, würde der Betroffene alsbald sterben. Lediglich eine Nierentransplantation verspricht dauerhafte Heilung. Doch Organhandel ist hier nicht das Thema – es geht um das Geschäft mit der Blutwäsche.

In der Ukraine besitze, klagen Kritiker, ein Unternehmen das Monopol für den gesamten Komplex der Dialyse. Das sei die 1998 gegründete Medical Group-Ukraine mit Sitz im Großraum Kiew.

Der in mehreren ukrainischen Medien erhobene Vorwurf, der beispielsweise von „Kanal 24“ (mehr unter 24tv.ua) erhoben wird, lautet, dass dieses ukrainische Unternehmen mit B. Braun weitere Unternehmen in der Ukraine betreibe, um dem Staat zum Schein finanziell abweichende Angebote zur Dialyseversorgung in der ganzen Republik außer im Oblast Lugansk und im Oblast Donezk, die sich von Kiew abspalteten, vorzulegen. Bei diesem blutigen Spiel liege ein viele Millionen Euro schwerer Geldhaufen auf dem Tisch, um den anscheinend Konkurrenten säßen.

Beim Poker um den Pott gehe es nicht nur um den Geldgewinn, sondern auch um Unterschlagung. Mischt B. Braun wie – laut Vorwürfen von „Kanal 24“ und anderen – Fresenius und bis vor kurzem der ebenfalls global agierende schwedische Medizinkonzern Gambro AB mit Sitz in Lund mit bei Klüngel und Korruption in und um Kiew mit und ist in gewaltige Vermögensdelikte verstrickt? Laut „Ukrainischen Nationalnachrichten“ (UNN) vom 26.10.2015, nachzulesen auf deren Webseite unter unn.com, habe Gambro zum 1. Juli 2015 die Zusammenarbeit mit Partnern in der Ukraine beendet.

Hat einer der scheinbar im Wettbewerb stehenden Unternehmen aufgrund eines vorher abgesprochenen Preisniveaus die staatlichen Versorgungsaufträge, die in den vergangenen Jahren ausgeschrieben wurde, ergaunert? Diese und weitere Fragen wurden von uns an beteiligte Bewerber geschickt. Wir warten auf Antworten und werden darüber berichten.

Anschließend soll es nach „Hromadske.tv“ offensichtlich vollends absurd zugegangen sein: Nach nur einem Monat soll seitens der bei der Ausschreibung siegreichen Firma dem Staat mitgeteilt worden sein, dass zu diesem niedrigen Preis die Versorgung nicht aufrechterhalten werden könne. Der Staat müsse sich nun für einen der drei möglichen Lösungswege entscheiden. Entweder für die Akzeptanz höherer Ausgaben oder die Reduzierung der Dialysesitzungen für die Patienten oder dafür, dass der Patient einen Teil der Kosten selbst trägt.

Entscheide sich der staatliche Partner für die zweite Lösung, so „Hromadske.tv“ in einer Sendung am 25.11.2015, bedeute dies, dass dem betroffenen Patienten im Anschluss einer Kontrolluntersuchung bescheinigt werde, dass es ihm nun bedeutend besser gehe und er fortan nur noch mit Tabletten versorgt werden müsse. Wohin das führen könne, kann sich jeder selber denken.

Angesicht der finanziellen Situation vieler Ukrainer ist es zudem unmöglich, den Patienten ans Portemonnaie zu wollen. Was bleibt? Die klamme Republik Ukraine muss tiefer in die Staatskasse greifen.

Allerdings würden vorgeblich zur Senkung der Kosten die in der Ukraine agierenden Unternehmen beitragen. Als Beispiel wird B. Braun genannt. Dieses deutsche Unternehmen würde billige ägyptische und türkische Präparate auf den ukrainischen Markt bringen. Kritiker nennen das skrupellos. Dabei wären die Beteiligten laut dieser Kritiker verpflichtet, statt der Billigprodukte die Originalpräparate zu liefern.

Makaber wird es, wenn stimmt, was manche behaupten, dass in der Regel Billigpräparate nicht nur billiger im Preis sondern auch billiger im Inhalt seien. Ukrainische Behörden, darunter der Sicherheitsdienst der Ukraine in Kiew, ermitteln deswegen. Der Name B. Braun taucht nach Recherchen des Weltexpress in diesem Zusammenhang in den Akten mehrfach auf.

Weiß der Vorstand der B. Braun Melsungen AG was in der Ukraine los ist? Was wissen die Vorstandsmitglieder Heinz-Walter Große, als Vorsitzender, Hanns-Peter Knaebel, Meinrad Lugan, Caroll H. Neubauer, Annette Beller und Otto Philipp Braun? Weltexpress fragte am 29.03.2016 bei B. Braun an. Jetzt warten wir auf Antworten.

Seit geraumer Zeit werden in der Ukraine Medien und Ermittlungsbehörden sowie die Staatsanwaltschaft aktiv. Auch die Zivilgesellschaft protestiert und wehrt sich. Nicht nur Ärzte, auch Patienten organisieren sich.

Der Trend scheint der zu sein, dass immer mehr Ukrainer keine medizinische Versorgung mehr mit allem, was mit B. Braun zu tun hat, erhalten wollen. Angesichts von schon über zwanzig von Aktivisten und Polizisten diesen Umständen zugeordneten Todesfällen verwundert es nicht, dass die behandelnden Ärzte um ihre Reputation fürchten und den Tag herbei sehnen, von dem ab sie über einwandfreie Präparate verfügen können. Deswegen suchten, so mehrere ukrainische Publikationen wie „Kanal 24tv.ua“, „Kompromat1.info“, „UNNN.in.ua“, „Argumentua.com“, „Hromadske.tv“ und viele andere Medien mehr, Ärzte den Schulterschluss mit Patienten.

Wie aber reagiert die Pharma- und Medizinbranche? Wie reagiert B. Braun auf den zunehmenden Protest und Widerstand in der Ukraine?

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