Da wird der Hahn in der Pfanne verrückt: Das Küchenabenteuer geht weiter. Martina Kittlers Kochbuch gibt einen „Crashkurs Kochen“ – Serie: Auftischen für Anfänger (Teil 2/3)

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Berlin (Weltexpress) – Wir sollen einen „Crashkurs Kochen“brauchen? Wir können kochen, sogar Menüs! Davon waren wir alle zumindest überzeugt. Aber an höherer Macht allein kann es nicht liegen, dass ungeplante Kochaktionen, die einer oder gar mehrere von uns starten, fast zwangsläufig in ebenso ungeplante Katastrophen münden. So kam Martina Kittlers „Crashkurs Kochen“, eine Grundschule der Küchenkunst, auf den Tisch - hoffentlich gefolgt von leckeren Gerichten. Der im GU-Verlag erschienen Standardratgeber vermittelt Basiswissen schnörkellos und ausführlich bebildert. Schnelles, unkompliziertes Zubereiten soll damit auch notorischen Fertiggerichte-Käufern schmackhaft gemacht werden. Zu denen zählen auch wir, daher waren die Kriterien „einfach“ und „preiswert“ Grundvoraussetzung bei unserer Kochbuchauswahl. Ohne Großeinkauf, ohne Vorplanen und möglichst ohne Pannen kochen war das Ziel. Ein paar kamen doch vor, aber ganz ohne wäre der „Crashkurs Kochen“ auch keiner.

Die elf Kapitel des feuerwehrroten Handbuchs verraten nicht nur Rezepte, sondern praktische Grundkenntnisse, dank derer sich kleine Alltagsrätsel lösen: Warum misslang der Kartoffelsalat immer (nicht mit Brühe übergossen)? Sind die grünen Stellen an Kartoffeln tatsächlich giftig (ja)? Und ist Lammlachs Fisch (nein)? Zwar weckte es beim ersten gemeinsamen Durchblättern des großformatigen Ratgebers ungläubigen Spott und vagen Schrecken, das manch einer eine Anleitung zum Kartoffelpellen braucht und wir alle können Kartoffelpuffer, Eierkuchen, Spaghetti oder Nudeln mit Tomatensoße zubereiten. Aber die simplen, dennoch originellen Variationen, die der „Crashkurs Kochen“ vorstellt, warfen ein neues Licht auf die üblichen Verdächtigen der Gemeinschaftsküche. Der italienische Nudelsalat, Curry-Couscous und Spinat mit Feta locken dank der leicht verständlicher Anleitung zum Ausprobieren. Blanchieren, pochieren, panieren, dünsten, dämpfen, Vorgänge, die in Standardkochwerken Unkundige in den Wahnsinn treiben, erklärt Kittlers Crashkurs rasch und leicht verständlich. Nebenbei zeigt das Buch, wie man Klassiker der Fertigküche daheim zubereiten kann.

Fischstäbchen fabrizieren wir zwar langsamer als Käp ´tn Iglo, doch der Spaß gleicht ein wenig Zeitaufwand wieder aus. Nur die Mayonnaise kommt weiterhin aus dem Supermarkt, obwohl der Crashkurs im Salat-Kapitel auch dafür ein Rezept liefert. Das Gelingen von Mayonnaise ist wie das Nicht-Einstürzen von Soufflé oder Aufschlagen von Eierschnee (auch dazu eine Anleitung in Kittlers Werk) höheren Mächten unterworfen. Nicht so das von Klassiker wie Risotto, Paella, Caesar ´s Salad oder Chili con Carne, die sich unter den Rezepten finden. Wir wollten uns zu viert mit Coq au vin zu Küchenprofis aufschwingen. Kaum mehr als eine Handvoll Zutaten listet die Autorin dafür neben den Gewürzen auf. Den Großteil der Zubereitungszeit kann man den Hahn seelenruhig schmoren lassen. Nur bei der Rotweinmenge hat sich die Verfasserin des sonst so praxisnahen „Crashkurs Kochen“ verschätzt. Zwei Flaschen sollten es schon sein, wenn man zu mehreren kocht und ein halber Liter in den Kochtopf wandert. Sonst bleibt nichts für danach zum Anstoßen. Erfolgreiches Bestehen muss gefeiert werden. Das gilt auch, wenn es sich bei der Prüfung um einen „Crashkurs Kochen“ handelt.

Titel: Crashkurs Cooking/ Autor: Martina Kittler/ Verlag: GU/ Jahr: 2008/ Seiten: 192

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