Biathlon-Lotterie am Grenzadler – Gastgeber verpassen auch bei den Männern einen Podiumsplatz

0
164
Oberhof, Thüringen, Deutschland (Weltexpress). Heim-Weltcups scheinen für die deutschen Biathleten - zumindest im thüringischen Oberhof - nicht mehr die leichteste Übung zu sein. Hatten die Frauen, immerhin zuvor Überraschungserste in Hochfilzen, am Mittwoch ohne zwei Stammkräfte einen Absturz auf Rang zehn hinnehmen müssen, so liefen ihre männlichen Kollegen am Donnerstag über 4x7,5 km bei Extrembedingungen als Vierte ein.

Nicht schlecht, aber als olympische Silbermedaillengewinner im Vorjahr in Sotschi und exakt in der Silberbesetzung antretend hatte man zumindest einen Podiumsrang erhofft”¦

Hatte tags zuvor die junge Thüringerin Luise Kummer als Startläuferin einen Schuss Gelassenheit vermissen lassen und mit einer Strafrunde das Quartett hoffnungslos ins Hintertreffen lanciert, so tat es ihr mit Erik Lesser gleich doppelt gleich. Der Biathlet aus dem nahen Frankenhain ging ebenfalls als Thüringer Lokalmatador als Erster für die Gastgeber in die Spur. Und nach einer gelungenen Schießeinlage im Stehendanschlag, wollte er beim Schießen aus dem Stand noch eins drauf setzen”¦doch der Schuss ging buchstäblich nach hinten los. Lesser, zweifacher Silbergewinner in Sotschi, reichten drei Nachlader nicht, um die fünf schwarzen Scheiben verschwinden zu lassen. Eine blieb stehen – ergo eine Strafrunde.

Daniel Böhm holte etwas auf und Arnd Peiffer vermied ebenfalls Zeitverlust durch eine Zusatzrunde, führte die Schützlinge von Bundestrainer Mark Kirchner hinter Norwegen auf Rang zwei.

Doch Schlussläufer Simon Schempp holte sich stehend ebenfalls eine Zusatzrunde und so blieb letztlich der erste Rang hinter den drei an diesem Tag erfolgreichsten Staffeln – hinter Olympiasieger Russland, Norwegen und Frankreich.

Wobei die Russen mit dem überragenden Schlussläufer Anton Shipulin und die Deutschen mit ihren derzeit stärksten Formationen antraten, die Franzosen ohne Topstar Martin Fourcade und die Norges ohne Emil-Hegle Svendsen und Tarje Boe ins Rennen gingen.

Keines der sechs ersten Teams kam ohne Strafrunde ins Ziel und die Zahl der Nachlader dürfte für jeden Vierer vermutlich saisonaler Negativrekord bleiben. Die sonst so treffsicheren Russen kamen auf 1 Strafrunde plus 12 Nachlader. Die Schweizer (6.), betreut vom Deutschen Jens Wollschläger, quittierten gar sechs Strafrunden und 19 Zusatzpatronen! Wilhelm Tell lässt grüßen!

Am Oberhofer Grenzadler wurden einmal mehr alle Schlechtwetter-Klischees bedient – Regen, Wind, Nebel und schlechte Sicht machten das Geschehen fast zu einem Lotteriespiel. Erst war fraglich, ob überhaupt gestartet würde. Dann ging es 30 Minuten nach dem ursprünglichen Termin 14.15 Uhr los. Das Fernsehen mochte und konnte wohl nicht mehr warten. Dann drohte zwischenzeitlich der Abbruch, zumal schon in der ersten Runde vier Stürze auch die Gefährlichkeit der Strecke verdeutlichten”¦es war auf jeden Fall „grenzwertig“ oder noch ein bisschen mehr der Fragwürdigkeit!

Jean Guillaume Beatrix aus dem französischen Aufgebot meinte: „Wir kennen das mittlerweile, dass die Bedingungen in Oberhof fast immer besonders hart sind”¦heute war es sehr schwierig, bei Nebel und Wind Die Schüsse ins Schwarze zu bringen.“

Waren am Mittwoch für den Veranstalter, der sich wie stets größte Mühe in allen Bereichen gibt, 8000 Besucher eher enttäuschend, so wagten sich am Donnerstag immerhin 10 500 raus in Regen, Wind und Kälte. Manche harrten fünf Stunden oder mehr aus. Biathlon in Oberhof ist was für ganz Wetterharte!

Die Gastgeber hatten auch auf Drängen des Weltverbandes IBU erhebliche Investitionen getätigt – für Veränderungen an der Strecke und Verbesserungen bei der Infrastruktur (neues Funktionsgebäude/Wasserreservoire für Produktion von Kunstschnee).
Dass im Vorverkauf nicht wie Jahre zuvor alle Tickets abgesetzt wurden, signalisiert zudem gesunkenes Interesse. Einerseits fehlen momentan einheimische und deutsche Sieggaranten. Zudem sind Tagestickets mit 20 bis 60 Euro auch nicht jedermanns Sache.

Wochentags sind möglicherweise die frühen Anfangszeiten – von den Abendrennen unter Flutlicht hat man sich wegen erhöhter Kosten verabschiedet – mit ein Grund für den Zuschauerschwund.

Das größte Problem aber sind am Rennsteig in etwas mehr als 900 m Höhe die Wetterkapriolen – was am Donnerstag zu  beinahe irregulären Bedingungen führte.

Anzeige