Berliner haben gewählt oder auch nicht – So oder so: der Mumpitz geht weiter

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Der Berliner Flughafen Schönefeld. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Dass in einer Stadt wie Berlin überhaupt noch eine Einwohner das politische Personal wählt, das wundert immer wieder – oder auch nicht. In keiner Stadt der Bundesrepublik Deutschland (BRD) ist der Sumpf zwischen Privatem und Politischem, zwischen Politik und Ökonomie so tief, wie mitten in der Mark Brandenburg.

In Berlin wird mehr geklüngelt als in Köln und das will was heißen. Berlin ist das Korruptionszentrum der Bundesrepublik. Wo sonst wird jeden Tag mehr als eine Millionen Euro in ein Projekt gesteckt, das von vornherein zum Scheitern verurteilt war. Der Bau des Flughafens in Schönefeld braucht jeden Monat 40 Millionen Euro und der aktuell genannte Eröffnungstermin wird wohl wieder verschoben werden. Nach der Wahl wird das bekanntgegeben werden. Dieser ganz reale Irrsinn am ostigen Rand der Republik, an dem neben CDU und SPD sogar erst die PDS dann Die Linke mitmischte – wir erinnern uns: 2001 wurde Gregor Gysi Wirtschaftssenator und schmiss ein Jahr später nach der Bonusmeilen-Affäre hin -, scheint sich bei Berlinern schneller als anderswo im Orkus des Vergessen aufzulösen. Bis 2011 wurde in Berlin Rot-Rot regiert, in Brandenburg seit 2009. Das sind die Zeiten von Planung (auch wenn die auf eine lächerliche Weise bereits einen Monat nach Mauerfall begannen) für und Baubeginn in Schönefeld, dessen Bauende nicht in Sicht ist. Auch bei dieser Schweinerei waren die Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten von der Partei Die Linke mit dabei. Im Verdrängen scheinen auch deren Wähler, die sich vor allen anderen sicherlich über mehr als eine Millionen Euro freuen würden – täglich wohlgemerkt -, ganz groß zu sein.

Ganz groß wollen jetzt auch Bündnis- wie Bürgergrüne und die Miles-and-More-Linkspartei mitmurksen, die mit der Alternative für Deutschland (AfD) die drei 15-Prozent-Parteien der Hauptstadt sind, wenigstens mitregieren und über das Gießen mit Geld gutdünken. Das wollen deren Vorderen und auch der Basis genannte Hintergrund. Vielleicht fallen ein paar Tropfen mehr über diese und andere Belogenen und Betrogenen ab. Man muss auch gönnen können!

Anders als in anderen Großstädten der BRD ist Berlin noch immer eine Mieterstadt und Armutsmetropole, auch wenn in der Hartz-IV-Hauptstadt mehr denn je Wohn- und Hauseigentum gebildet wird und Mieter verdrängt werden. Die klassischen Kieze wandeln sich in Windeseile, die Verdrängung nimmt zu. Das Lumpenproletariat gerät dabei zunehmend unter die Räder und außer Sichtweite der hauptstädtischen Bereiche des Brot-und-Spiele-Komplexes sowie der Inszenierung von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport sowie Kunst und Kultur. Die Ghettos nicht nur für eingewanderte und in Berlin geborene Ausländer wachsen wie die Wohnungsnot Für immer mehr Blonde und Blauäugige wird das Wohnen und Wohlfühlen weniger. Das mag ein Grund dafür sein, dass die Wahlbeteiligung trotz blasser Politikdarsteller, profilloser Parteien und eines lauen Wahlkrampflüftchens von 60,2 Prozent auf 66,6 Prozent gestiegen ist.

Die einst großen Parteien SPD und CDU zerlegten sich in der großen Koalition weiter und fielen auf historische Tiefststände. Die CDU hat sich von fast 50 Prozent vor dem Fall der Mauer auf fast 15 Prozent selbst zerpflückt. Mit 17,6 Prozent holte die CDU an der Spree das schlechteste Ergebnis aller Zeiten. Frank Henkel, Oberboss der Berliner CDU, erzählt davon, dass er seinen „Teil der Verantwortung“ wahrnehmen würde. Nein, „zurücktreten werde ich aber nicht“, schiebt er hinterher und meckert über die CSU und Angela Merkel. Nein, die Parole „Merkel muss weg“ gibt Henkel nicht aus. Was bleibt? Schuld am Debakel der CDU ist die CSU. Damit ist auf jeden Fall das geistige Universum von Frank Henkel hinreichend ausgeleuchtet.

Die SPD als einstige Arbeiterpartei, die in Berlin immer auch Beamtenpartei war und deswegen bei jeder Schweinerei der Bourgeoisie und der Kleinbürger mit von der Partie, wovon der Berliner Bankenskandal nur eines von vielen besten Beispielen war, ist mit aktuell 21,6 Prozent wie in der ganzen BRD nur noch eine 20-Prozent-Partei. Beide Parteien sind so marode, wie der öffentliche Personennahverkehr oder die öffentlichen Schulen, weswegen jeder, der kann, wenn`s wirklich wichtig wird, privat mit dem Auto oder Rad oder Taxi fährt und seine Kinder auf private Schulen schickt.

Nebenbei bemerkt: Die Piraten sind so schnell untergegangen, wie sie einst auftauchten. Dafür ist die Partei der Besserverdienenden, von denen es in Berlin mittlerweile wesentlich mehr gibt, deutlich über die Fünf-Prozent-Hürde gehüpft.

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