Berlinale 66 führte über den roten Teppich zum Erfolg

© Münzenberg Medien, Foto: Stefan Pribnow, 2016
Großer Andrang auch beim Open House mit den Lounge Nights der Audi Berlinale Lounge, die sich nach drei Jahren mit 7.200 Gästen bei 30 Veranstaltungen etabliert hat. Besonders erfreut zeigt sich die Berlinale aber über die rege Teilnahme an Aktivitäten zur Integration von Geflüchteten. In Zusammenarbeit mit dem BBZ Beratungs- und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und Migranten e.V. wurde zum Beispiel 18 Menschen die Möglichkeit geboten während der Festivalzeit in verschiedenen Arbeitsbereichen zu hospitieren. Und am Projekt „Patenschaften für Kinobesuche“ zu Gunsten von Geflüchteten sowie von Ehrenamtlichen gemeinnütziger Organisationen nahmen insgesamt 953 Personen teil. Last not least sprach die Berlinale zum ersten Mal eine Spendenempfehlung aus – mit dem großartigen Ergebnis von genau  25.560,31 Euro an Einnahmen für den guten Zweck.
Wem der Geschmackssinn danach stand Engagement mit Genuss zu verbinden strebte zum Berlinale Street Food. Die Markthalle Neun in Kreuzberg war erneut in Kooperation mit dem Kulinarischen Kino – Motto der elf gezeigten Filme: „Make Food not War“ – und Slow Food Berlin gerne Kurator von mehreren Food Trucks. Die politische wie kulturell-integrative Seite von Essen wurde mit einem „Migrant Truck“ thematisiert. Zusammen mit der Flüchtlingsinitiative „Über den Tellerrand kochen“ servierte Sternekoch Roberto Pazza – bekannt für sein erstaunliches gastronomisches Konzept in Sardinien – Speisen wie pochiertes Ei auf Kartoffelcreme mit sardischen Trüffeln und gerösteten Zwiebeln. Trotz der zugigen Lage fand er bei Wind und Wetter viel Anklang.

Schwenk gen Süden von einer Insel zur anderen. Schwenk zur Preisverleihung im Palast.  Der Goldene Bär für den besten Film ging an „Fuocoammare“, Produzent und Regisseur Gianfranco Rosi nahm ihn für sein Team entgegen – und widmete die Auszeichnung den Bewohnern von Lampedusa. Bewegende Szenen spielten sich bei den Prämierungen auf der Bühne ab, echt wie hier aber auch teils peinlich, so als ob sie schon fester Bestandteil vom Repertoire bei der Berlinale Grand Show sind.

Den Großen Preis der Jury und Silbernen Bär erhielt „Smrt u Sarajevu“. Vordergründig ein Film zum diplomatischen Aufruf für Frieden und Verständigung aus Anlass vom 100. Jahrestag des Attentats in Sarajevo das nur zu gerne als Auslöser für den Ausbruch eines Weltkriegs betrachtet wird, ein Apell aus dem einst noblen Hotel namens Europa dessen Mitarbeiter leider nun – streiken, da seit zwei Monaten ohne Lohn. Hintergründig aber auch eine Geschichte über den lang anhaltenden, sehr qualvollen, nicht enden wollenden Übergangsprozess in Bosnien als Abbild des Balkans aus dem was war und immer noch gegenwärtig ist in das was kommen könnte. In Sarajevo, so der Regisseur Danis Tanović’ spricht niemand von der Zukunft’. Eine sehr gute Wahl der Internationalen Jury – und hoffentlich läuft ,Tod in Sarajevo’ bald überall im Kino.

Gut auch das weder „Alone in Berlin“ noch „24 Stunden“ bei der Preisverleihung bedacht wurden – sprich leer ausgingen. Schade jedoch meiner Meinung nach das „Genius“ nicht  zum Zuge kam. Darf Action bei Filmen zum Thema Literatur denn keine Rolle spielen? Es würde doch erfrischend einwirken so lange wie hier Wort und Sprache immer das A und O der Handlung bestimmen. Was die weiteren silbernen Bären betrifft gab es nur wenige Überraschungen bei der Auswahl. Den Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet erhielt der – tagesfüllende Beitrag – „Hele Sa Hiwagang Hapis“ von Lav Dias. Silberner Bär für die beste Regie ging an Mia Hansen-Lí¸ve für „L’avenir“, für die beste Darstellerin an Trine Dyrholm in „Kollektivet“, für den besten Darsteller an Majd Mastoura in „Inhebbek Hedi“, für das beste Drehbuch an Tomasz Wasilewski für „Zjednoczone stany miÅ‚oÅ›ci“ und für eine herausragende künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design an Mark Lee Ping-Bing für die Kamera in „Chang Jiang Tu“. Tusch und viel Erfolg allen an der Kinokasse!

Auch der European Film Market ist auf Erfolgskurs: Im Vergleich zu 2015 verzeichnete die internationale Handelsplattform der Berlinale 2016 an beiden Ausstellungsorten, im Martin-Gropius-Bau mit neu geschaffenen Gropius Park und im Marriott Hotel, einen deutlichen Zuwachs an Fachbesuchern. Überaus positiv war die Resonanz bei den neuen Plattformen „Drama Series Days“, „EFM Startups“, „EFM Asia“ und der „EFM Producers Hub“. Insgesamt wurde der EFM als positiver Jahresauftakt mit neuen Impulsen für die Branche wahrgenommen.
Anmerkung:
Vorstehender Beitrag basiert teils auf Pressematerial der Berlinale vom Februar 2016.
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