Beachvolleyball-WM: Holtwick/Semmler kaschieren ein insgesamt enttäuschendes Abschneiden – Zielvorgabe für Olympia sehr hoch

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"I love Beachvolleyball" - kann man so sagen! © FIVB
Rotterdam, Niederlande (Weltexpress). Die Berlinerinnen Katrin Holtwick/Ilka Semmler sowie drei brasilianische Teams streiten ab Freitag bei den Weltmeisterschaften der Beachvolleyballer in den Niederlanden um die Medaillen.

Die vor dem Titelkampf eigentlich höher eingeschätzten Duos Karla Borger/Britta Büthe (WM-Zweite 2013 in Polen), Chantal Laboureur/Julia Sude (alle Stuttgart) sowie Laura Ludwig/Kira Walkenhorst (Hamburg) scheiterten allesamt in der ersten K.o.-Runde und kehrten so  mit Rang 17 sowie 7000 Dollar Preisgeld zurück.

Die beiden Männer-Duos Jonathan Erdmann/Kay Matysik (Berlin/WM-Dritter 2013/ nun 9.) und Alexander Walkenhorst/Stefan Windscheif (Essen/ 17.) blieben gleichfalls unter den Erwartungen.

Das Selbstverständnis der deutschen Beachvolleyballer, in Europa führend und global hinter oder neben Brasilien, USA zu rangieren, ist demzufolge mit Fragezeichen zu versehen. Darüber kann auch der Einzug von Holtwick/Semmler ins Semifinal hinweg täuschen. Viele Jahre sind sie vergeblich einem ähnlichen Erfolg – bisher bestes WM-Resultat bei vorher drei Starts war Rang neun – hinterher gelaufen. Nun sind sie, egal wie die Duelle mit den dominanten Brasil-Girls enden, für ihre Ausdauer und Beharrlichkeit belohnt worden.
Obwohl sie mit wechselhaften Leistungen in dieser Saison national im Ranking hinter den drei anderen Paaren in Deutschland zurück gefallen sind. Und beispielsweise beim nächsten Turnier der Weltserie in Gstaad erst über die Qualifikation ins Hauptfeld gelangen können”¦

In Holland kamen sie nach nicht voll überzeugenden Gruppen-Auftritten immer besser in Schwung und steigerten sich in den K.o.-Runden dank ihrer Erfahrung, Nervenstärke und Klasse. Allerdings ersparte ihnen die Auslosung bislang Vergleiche mit den übermächtigen brasilianischen Netz- und Sandspezialistinnen.

„Ganz klar – das Abschneiden ist insgesamt eine Enttäuschung. Neunte Plätze bei den anderen Frauenteams hätte man akzeptieren können“. Doch weist Trainer-Guru Jürgen Wagner aus Moers daraufhin, das vorzeitige Ausscheiden des Trios sei „differenziert zu bewerten“.

Die Saisonaufsteigerinnen Chantal Laboureur/Julia Sude haben seiner Ansicht nach, bei der WM an ihrem Limit gespielt. Karla Borger/Britta Büthe, bisher nicht so stabil wie gewohnt, mussten sich drei umkämpften Durchgängen den Kanadierinnen Bansley/Pavan beugen: “Gegen die kann man schon mal verlieren, wenn man nicht seine beste Leistung abruft.“

Und das von ihm betreute Duo Laura Ludwig/Kira Walkenhorst schien nach immer wieder gesundheitlichen Problemen der Blockspielerin Walkenhorst nach kürzlich Platz vier auf der Welttour auf dem Weg zurück zu alter Stärke. Doch dann kam überraschend das Aus gegen die Russinnen Ukolowa/Birlowa.

„Wir haben nicht das gezeigt, was wir können. Hatten Schwierigkeiten mit dem Wind und haben mehr Fehler als der Gegner gemacht“, sagt Ludwig. Möglicherweise kam eine hohe Erwartungshaltung zu früh. „Warum alle drei in der ersten Ausscheidungsrunde rausfielen?-Das könnte eine mentale Sache sein, dass wir nach relativ leichten Gruppenanforderungen unter dem Druck der Möglichkeit des Scheiterns nicht locker genug gespielt haben.“

Wagner, der vorher Julius Brink/Jonas Reckermann zu ihren Triumphen bei Olympia und Welt-Titelkämpfen geführt hat, meint: „Es war nach den vielen Unterbrechungen im gemeinsamen Training eine 50:50-Situation. Jetzt hat sich gezeigt, sie sind gegenwärtig noch nicht stabil genug.“

Das große Ziel des Frauen-Quartetts bleibt ungeachtet des Rückschlags bei der WM unverändert -Teilnahme an den Olympischen Spielen im nächsten Jahr in Brasilien!

Während da ein harter Kampf um zwei Startplätze weiter gehen dürfte, haben bei den Männern die WM-Teilnehmer diesbezüglich die nationale Konkurrenz kaum zu fürchten. Andererseits sind Erdmann/Matysik wie Walkenhorst/Windscheif derzeit von den Weltbesten weiter entfernt als ihre Nationalmannschafts-Kolleginnen.

Reichlich zwölf Monate vor den olympischen Ballwechseln scheint daher die Zielvereinbarung mit dem Sport-Dachverband DOSB – zwei Medaillen durch die Beachfraktion – im übertragenen Sinne ein wenig auf Sand gebaut!

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