Basketball-EM 2017 – Ein Turnier, vier Länder oder In Istanbul ist alles möglich

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Basketball
Basketballkorb. Quelle: Pixabay

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Basketball-EM. In diesem Jahr findet das Turnier in vier Ländern statt. Am Montag hat eine deutsche Delegation den Flug von Berlin nach Tel Aviv angetreten, die schon allein wegen ihrer Körpergröße Aufsehen erregte. Es war die Nationalmannschaft der Basketballer, die am Donnerstag in Israel ihr EM-Auftaktspiel gegen die Ukraine bestreitet.

Vorrunde mit Deutschland in Tel Aviv

Weitere Gegner sind in der dortigen Vorrundengruppe die Aufgebote aus Georgien, Israel, Italien und Litauen. Die vier besten Teams erreichen das Achtelfinale in der K.o.-Runde, die dann komplett in Istanbul ausgespielt wird.

Finalrunde in Istanbul der Gruppensieger in Istanbul

„Die Vorgabe ist, dass wir nach Istanbul wollen und dort schauen wir, wie es weitergeht”, sagt DBB-Präsident Ingo Weiss. „Für den deutschen Basketball wäre es gut, wenn wir am Ende des Tages unter die ersten Acht kommen.” Das gelang zuletzt vor sechs Jahren. Vor zwei Jahren bei der Heim-Vorrunde in Berlin reichte nicht einmal das Mitwirken des besten deutschen Korbjägers aller Zeiten, Dirk Nowitzki.

Ohne Dirk, aber mit Dennis

Der 2,13-m-Schlaks nähert sich mittlerweile mit aktuell 39 Jahren nun der Generation Ü 40. Mag aber die Finger von jenem Arbeitsgerät noch immer nicht lassen, dass ihn zum mehrfachen Millionär und einer Ausnahmekarriere in der NBA bei den Dallas Mavericks verholfen hat. Doch ein kräfteraubendes EM-Turnier würde seiner Fitness für das Alltagsgeschäft nicht unbedingt gut tun. So hat sich der Würzburger denn aus der Auswahl des Deutschen Basketball-Bundes Ende 2015 verabschiedet. Dennis Schröder ist der neue Anführer

Daniel Theis

Doch Nachfolger stehen in der Nationalmannschaft bereit. Da ist Daniel Theis mit ähnlichen körperlichen Qualitäten – 2,06 m, 110 kg. Aber von der Spielweise anders als der Super-Distanzwerfer Nowitzki. Theis, der vor seiner ersten Saison in der weltbesten Liga NBA für die Boston Celtics steht, bevorzugt das Spiel unter den Brettern und zieht gern zum Korb. Also das, was für Center oder Power Forwards typisch ist.

Dennis Schröder

Und da ist der neue Anführer des Nationalteams. Ein noch weit anderer Spielertyp als Nowitzki. Nur zwei Jahre in der Bundesliga reichten dem Sohn einer gambischen Mutter und eines deutschen Vaters, um in der NBA an die Tür zu klopfen. Versuchte er seit 2013 bei den Atlanta Hawks anfangs vor allem mit seinem blondierten Klecks im krausen Haarschopf Aufmerksamkeit zu erhaschen, so hat sich der selbst für die Position als Spielmacher (Point Gard) mit 1,88 m eher kleingewachsene Korbjäger großartig entwickelt. Im 1:1-Spiel ist er ob seines Antritts, Geschwindigkeit und Sprungkraft kaum zu stoppen. Und nur selten gelingt es seinen Gegnern, auch wenn sie 20 und mehr Zentimeter größer sind, dann seinen Korbwurf zu blocken.

Weil er mit der Zeit an Kraft und Gewicht zugenommen hat, die Trefferquote auch bei Distanzwürfen und die Passgenauigkeit deutlich verbessert hat und seine Hauptaufgabe als Spielmacher mit mehr Übersicht erledigt , hat sein Arbeitgeber im Herbst letzen Jahres sein Gehalt sprunghaft angehoben.

Wurden ihm zuletzt 2,4 Millionen Euro pro Jahr überwiesen, werden es nun mehr als 16 Millionen sein. Das macht in der vierjährigen Vertragslaufzeit inklusive möglicher Boni rund 64 Millionen!

Damit steigt er in Atlanta im Gehaltsranking auf die dritte Stelle. Zum Vergleich: Superstar LeBron James kassiert per anno 30,5 Millionen, Nowitzki auch aufgrund seiner Verdienste 23,8. Der Ex-Münchener Pauls Zipser liegt mit vorerst rund 600 000 Euro in seinem zweiten Jahr für die Chicago Bulls klar dahinter. Damit die Entlohnung und die Einsatzzeiten angehoben werden, hat er wie NBA-Neuling Maximilian Kleber (bisher München, nun Dallas Mavericks) auf die EM-Teilnahme verzichtet. Schon in der Vorbereitung auf die NBA-Saison kann man sein Standing beim Trainer erhöhen.

„Wir haben noch ein paar Trainingseinheiten bis zum EM-Start. Da wollen wir uns als Team noch mehr zusammenschweißen- und dann geht natürlich alles“, sagte Schröder vor dem Abflug. Ausdruck seines scheinbar grenzenlosen Selbstvertrauens.

Diese Eigenschaft hat ihm zu seinem fulminanten Aufstieg verholfen. Aber es ist für seine Mitspieler nicht nur segensreich. Denn es verleitet Schröder dazu, das Geschehen zwischen den Körben resolut in die eigenen Hände zu nehmen, wenn die Kollegen Fehler machen.

Nach der EM vor zwei Jahren im eigenen Lande und dem enttäuschenden Ausscheiden in der Vorrunde, gab es für seine egoistische und wenig mannschaftliche Spielweise öffentliche Kritik. Dass muss ihn so empfindlich getroffen haben, dass er noch in diesem Frühjahr mehr Rückendeckung für sich und sein Spiel eingefordert hat. Sonst könne es heißen, er sei dann ganz schnell weg!

Bundestrainer Chris Flemig, der diesen Job wegen einer Höherstufung zum Cheftrainer in der NBA bei Brooklyn aufgibt, ist denn auch ganz vorsichtig beim Umgang mit seinem besten Spieler. Und so versucht der US-Amerikaner Schröder behilflich zu sein, die Balance zwischen dessen Solodarbietungen und der wichtigen Spielmacherfunktion zu finden. Zumal Schröder seine diesbezüglichen Defizite durchaus bewusst sind. „Ich habe allen gesagt, dass alle mit Selbstbewusstsein werfen sollen und dann habe ich auch kein Problem damit, zu verlieren”, meinte Schröder.

Manko Ballverluste und Passspiel

Dass in den fünf von acht verlorenen Vorbereitungsspielen kein anderer neben dem jeweiligen Topscorer Schröder mehr als 12 Punkte zum Endergebnis beisteuern konnte, zeigt die Verunsicherung im Rest des Teams. Beim 79:85 gegen Frankreich am Sonntag in Berlin hatten die Gäste nur halb so viele Ballverluste und waren auch in der Reboundstatistik klar erfolgreicher. Sie ließen Schröder lange viel Spielraum, der dann auch bester Punktesammler des Tages mit 23 war. Als es am Ende knapp zu werden drohte, verengten sie die Räume und attackierten teilweise den Deutschen mit zwei Leuten. Schröder unterliefen folglich Notabspiele und Fehlwürde. Die Franzosen, gleichfalls mit Akteuren aus der NBA, demonstrierten klar den besseren Teambasketball.

Speis und Strang

Doch Schröder ist erst 23. Sehr jung für einen Spielmacher in der NBA oder der Nationalmannschaft. Dass er durchaus über Gemeinschaftssinn verfügt, bewies seine Einladung zu einem Mannschaftsessen auf seine Kosten in Berlin. Wohl als Geste gedacht, dass die EM nur dann erfolgreich verlaufen dürfte, wenn alle an einem Strang ziehen.

Und möglicherweise als verspätete Reaktion für seinen märchenhaft dotierten Vertrag, der ihm den Weg zu märchenhaftem Reichtum öffnet. Seine Marotte des Blondflecks im Schopf, sein Hang zu dicken Goldketten oder dass er seine beiden Luxuskarossen golden lackieren ließ – geschenkt! Und im NBA-Kosmos durchaus nicht ungewöhnlich.

Aussicht? Podiumsplatz!

Gold bei der EM wird es bei allem Talent Schröders oder dem Ehrgeiz der Mitspieler dennoch kaum werden. Aber ein Podiumsplatz scheint möglich.

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