Baseball World Series – royalistische Träume

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Die Royals am 21.05.2011 in Kansas City, USA (Archivfoto). © Foto: Hans-Peter Becker
Kansas City, Kansas, USA (Weltexpress). Hierzulande ein seltenes Bild, kleine Jungs mit einem überdimensionierten Lederhandschuh, die versuchen damit einen mit weißem Leder umwickelten Korkball zu fangen. In den USA scheint das eine Kulturtechnik zu sein, mit der jeder Heranwachsende unweigerlich konfrontiert wird. Wer fleißig trainiert und Talent mitbringt, kann später in der Profiliga viel Geld verdienen. Bekannte amerikanische Schriftsteller sind bekennende Fans des Baseballs. Philip Roth versuchte sogar in seinem Buch „The Great American Novel“, Teile der jüngeren Weltgeschichte mittels Baseball zu erklären.

In jedem Jahr, wenn im September die letzten Tage gezählt werden, ziehen, vor allem auf dem nordamerikanischen Kontinent, die beginnenden Play-offs im Baseball Millionen in ihren Bann. Auch in Europa stößt dieses Ereignis auf ein gewisses Interesse. Mal abgesehen von Italien und den Niederlanden ist Baseball in Europa eine Randnotiz. Die kleine Fangemeinde in Deutschland leidet während dieser Zeit an einem Defizit an Schlaf. Die Live-Übertragungen im Internet und TV laufen selten zur Primetime.

In diesem Jahr bahnt sich eine große Überraschung an, ein in den letzten 29 Jahren recht erfolgloses Team aus dem mittleren Westen hat in beeindruckender Manier, das Finale, die sogenannte World Series, erreicht. Die „Boys in Blue“ genannten Kansas City Royals verzücken gerade ihre eigenen Fans und Interessenten dieser Sportart. Im letzten Moment der regulären Saison verpassten sie den direkten Einzug in die Play-offs, mussten sich in einem Wildcard-Game qualifizieren. Nach einem epischen Spiel am 30. September, das was fast 5 Stunden dauerte, erst in der 3. Verlängerung entschieden wurde und mit einem 9:8 Erfolg über die Okland Athletics endete, war die Teilnahme perfekt. Seit diesem letzten Septembertag haben die Royals kein Spiel mehr verloren. In der Halbfinalserie wurden die Los Angels Angels glatt mit 3 Siegen in Folge in den Urlaub geschickt, das gleiche Schicksal ereilte anschließend die Baltimore Orioles. Hier waren es nach der Arithmetik einer 7er Serie 4 Siege in Folge, die für das Team aus dem Bundesstaat Maryland das Aus bedeuteten. Es schien, als würden sie von zu Spiel besser. An dieser Stelle muss unbedingt der Trainer, im Baseball Manager genannt, Ned Yost erwähnt werden. Egal, was er bisher tat, wie er aufstellte und einwechselte, alles war richtig. Der Gewinn des Titel in der American League ist bereits die Sensation, sollte das Siegen weitergehen und das Finale, das mit Spiel 1 am 21. Oktober beginnt, gewonnen werden, dann wäre das Baseball-Wunder perfekt.

Um 20:00 Uhr Ortszeit, in Deutschland ist es dann bereits 02:00 Uhr in der Nacht, beginnt im Kauffmann-Stadium in Kansas City Spiel 1 der World Series. Der Gegner ist inzwischen auch ermittelt. Fast wäre es zu einer Neuauflage der World Series von 1985 gekommen, damals wurden St. Louis Cardinals nach 7 Spielen mit 4 zu 3 Siegen bezwungen. Das Missouri-Duell fällt in diesem Jahr aus, den die Cardinals kassierten die Niederlage Nummer 4 gegen die San Francisco Gigants. Nur Sie, die „Boys in Orange“ können jetzt noch den Höhenflug der Royals zum Absturz bringen.

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