Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny der Staatsoper Berlin im Schillertheater

© Staatsoper Berlin, Foto: Matthias Baus, 2014

Die Geschichte der surrealistischen Oper ist rasch erzählt: inmitten der Wüste baut die Witwe Begbick eine Stadt auf, in der alles erlaubt ist – in der Absicht, Goldgräbern und anderen Männern, wie z.B. Holzfäller aus Alaska, ihr Geld aus der Tasche zu ziehen. Nachdem ein Hurricane die Stadt um ein Haar zerstört hätte, wird „Sodom und Gomorrha“ ausgerufen, alles ist erlaubt, außer kein Geld zu haben: „Erstens kommt das Fressen, zweitens der Liebesakt, drittens das Boxen und viertens das Saufen laut Kontrakt.“ Gott tritt auch auf: „In die schwarze Hölle mit Euch, Pack!“. Es ist klar, dass das alles nicht gut gehen kann und Jim Mahoney der eigentliche „Erfinder“ des neuen Mahagonny-Mottos – wird gehängt, nachdem er all sein Geld verloren hat, nur um seinem Holzfäller-Freund beizustehen, der im Boxkampf sein Leben verliert, nachdem ein anderer an Überfressen gestorben ist.

Es ist spannend, sich vorzustellen, wie Berthold Brecht und Kurt Weill sich ein  Jahr zusammensetzen, um diese Oper über eine „Paradiesstadt“ zu verfassen mit „Sittenbildern aus unserer Zeit“. Brecht schrieb das „Libretto“ (Büchlein) und der renommierte, jüdische Komponist Weill verfasste die anspruchsvolle Musik. Inmitten der aufkommenden Nazigräuel mutet es in der heutigen Aufführung wie eine Weissagung an, wenn Brecht einen Joe sagen lässt: „Wir brauchen keinen Hurrikan, wir brauchen keinen Taifun, denn was er an Schrecken tun kann, das können wir selber tun.“ Hat er schon den Holocaust und die kommenden Nazigräuel geahnt? In jedem Fall wurde die Uraufführung im Neuen Theater Leipzig 1930 organisierte die NSDAP Störtrupps und die Aufführung konnte nur mit Mühe zuende geführt werden. Auch die Menschenverachtung der Nazis spiegelt sich schon in Texten, die heute schon Sprichwortcharakter haben: „Wie man sich bettet, so liegt man. Es deckt einen da keiner zu. Und wenn einer tritt, dann bin ich es. Und wird einer getreten, bist Du’s.“

Kurt Weill musste in die USA emigrieren und bezeichnete sich fortan als amerikanischen Komponisten.

Wieder einmal wurde Hochkarätiges an der Staatsoper Berlin aufgeboten: Gabriele Schnaut als Witwe Begbick und Michael König als Jim Mahoney rufen Begeisterungsstürme beim internationalen Publikum hervor. Evelin Novak brilliert als Jenny Hill. Die erotischen Kostüme wurden von Lacroix entworfen und begeistern das modebewußte Auge. Die musikalische Leitung oblag dem gebürtigen  Engländer Wayne Marshall, der internationales Renommée genießt und der mit der Staatskapelle Berlin und dem Staatsopernchor eine leidenschaftliche Aufführung dirgierte! Regiestar Vicent Boussard und Vincent Lemaire für’s Bühnenbild schafften eine klare ästhetische Linie für das turbulente, quirlige Geschehen auf der Bühne unter der Dramaturgie von Katharina Winkler. Eine Aufführung, die in jedem Fall höchsten Empfehlungscharakter hat!

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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, Oper in drei Akten, Text: Bertold Brecht, Komponist: Kurt Weill, Staatsoper Berlin, Schillertheater, Berlin

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