Auf der Suche nach der Alternative für den Diesel – Fiat setzt bei alternativen Antrieben verstärkt auf Erdgas

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Fiat Panda CNG.
Fiat Panda CNG © FCA

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Gegenwärtig ist der einst so geliebte Dieselmotor ob seiner Abgase in der Ächtung. Das ist so nicht gerechtfertigt, doch erzeugt die Androhung von Fahrverboten eine große Unsicherheit bei den Autofahrern. Inzwischen stehen sowohl mit Diesel angetriebene Neufahrzeuge als auch Gebrauchte auf den Höfen der Händler, die nun enorme Wertverluste verkraften sollen. Alternativen sind gesucht, und das sind nicht unbedingt die Benziner, die viel mehr CO2 ausstoßen als die Dieselfahrzeuge.

Antriebe mit Erdgas oder Autogas sind solche Alternativen. Fiat kann Antriebe mit beiden Varianten anbieten, setzt aber vor allem auf das umweltfreundlichere Erdgas CNG – Compressed Natural Gas. Die Italiener haben bereits zwei Jahrzehnte lang Erfahrungen in Konstruktion und Produktion dieses alternativen Antriebs gesammelt, und mehr als 740 000 Fahrzeuge mit CNG-Technologie konnte der Konzern seit 1997 verkaufen.

Das waren Fahrzeuge mit mono- oder bivalentem Erdgasantrieb, die entweder ausschließlich mit Erdgas betrieben werden oder mit einem zusätzlichen Benziner ausgerüstet. Mit bivalentem Antrieb verfügen sie über eine deutlich größere Reichweite und die Sicherheit, weiter fahren zu können, wenn nicht rechtzeitig eine Erdgas-Tankstelle erreicht werden kann.

Relativ sauberes Abgas

Fiat Panda CNG.
Fiat Panda CNG. © FCA

Erdgas erzeugt bei der Verbrennung im Motor kaum Partikel und emittiert deutlich weniger Stickoxide und Kohlenwasserstoffe als Benzin oder Diesel. Beispielsweise liegt der Anteil von Stickoxiden im Abgas um 96 Prozent niedriger als der eines Euro-6-Dieselmotors. Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas, das aktuell 1,07 Euro kostet und an rund 900 Tankstellen deutschlandweit verfügbar ist, entspricht etwa 1,5 Litern Super oder 1,3 Litern Diesel. Und um Erdgas einsetzen zu können, muss die Technik der Verbrennungsmotoren nur marginal geändert werden.

So ist es nur logisch, dass die Bundesregierung den Kraftstoff Erdgas steuerlich weiter subventioniert – zunächst bis zum Jahr 2026. Und so ist es auch kein Wunder, dass sich Hersteller auf Erdgas besinnen – nicht zuletzt Fiat. Der Konzern hat bereits den Ausstieg aus der Diesel-Technologie angekündigt und will nun mit Erdgas-Fahrzeugen weiter in die Offensive gehen. Derzeit bietet Fiat bereits zwölf Erdgas-Modelle unter der Modellbezeichnung „Natural Power“ an – acht davon werden auch in Deutschland verkauft.

Die Fiat-Angebote reichen von Kleinwagen wie Panda oder Punto über Kompaktvans wie den 500L und Großraumlimousinen wie dem Doblo bis hin zu Transportern unterschiedlicher Klassen wie Fiorino oder Ducato. Sie werden entweder ausschließlich mit Erdgasantrieb oder als bivalente Variante mit zusätzlichem Benzin-Aggregat ausgeliefert.

Umschalten geht automatisch

Fiat Panda CNG.
Fiat Panda CNG © FCA

Bei bivalenten Modellen wird immer im Benzin-Modus gestartet. Die Umschaltung von Benzin zu Erdgas erfolgt entweder von Hand oder automatisch. Das bedeutet, dass das System erkennt, wenn der Erdgas-Vorrat zur Neige geht. Es schaltet dann von selbst auf Benzinbetrieb um. Die Reichweite richtet sich nach der Anzahl der verwendeten Tanks, die alle unterflur installiert sind und somit keine Laderaum-Kapazitäten beanspruchen. Werden beide Kraftstoff-Varianten komplett genutzt, ergibt sich bei einem Kleinwagen oder einem leichten Nutzfahrzeug eine Reichweite von oft mehr als 1000 Kilometern.

Das Tanken funktioniert ähnlich wie beim Benziner. Der Doppelschlauch ist mit wenigen Handgriffen angeschlossen und verriegelt – dann startet der automatische Tankvorgang. Ein nicht zu überhörendes Signal zeigt an, dass der Schlauch wieder entfernt werden kann. Ein Problem ist derzeit das noch zu dünne Tankstellen-Netz. Rund 900 Erdgas-Tankstellen stehen bundesweit zur Verfügung. Mittelfristig sollen mehr als 2000 Tankstellen für Erdgas hinzukommen.

Panda ist Erdgas-Europa-Champion

Fiat Panda CNG.
Fiat Panda CNG. © FCA

Im Kurztest nahmen wir den 3,65 Meter kurzen Panda „Natural Power“ der zu Preisen ab 15 690 Euro verkauft wird und bereits mehr als 300 000 Mal in Europa abgesetzt werden konnte und damit die Hitliste anführt, etwas genauer unter die Lupe. Sein 0,9-Liter-Zweizylinder-Motor leistet 80 PS und verbraucht im Durchschnitt 4,5 Liter Super oder 3,1 kg CNG. Der Energiegehalt von einem Kilogramm Erdgas entspricht ungefähr 1,5 Litern Benzin.

Bei den aktuellen Spritpreisen kosten die 100 Kilometer mit Benzinantrieb demnach knapp 6,20 Euro, mit Erdgasantrieb aber nur rund 3,30 Euro. Damit relativiert sich der um 2500 Euro höhere Grundpreis für den Panda Natural Power im Vergleich zum Modell mit dem herkömmlichen Zweizylinder-Benziner. Der Fünftürer erweist sich als recht agil und meistert den Spurt von Null auf Tempo 100 in 12,8 Sekunden und schafft Tempo 168. Der Motor allerdings bringt sich sehr deutlich zu Gehör – etwas bessere Dämmung könnte nicht schaden.

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