1. FC Union verliert in Fürth – es geht nur noch um den Klassenerhalt

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Fans des 1. FC Union Berlin in der Wuhlheide.
Quo vadis 1. FC Union Berlin. © Foto: Hans-Peter Becker

Berlin, Deutschland (Weltexpress). Am 11. Spieltag spielte der 1. FC Union in der Alten Försterei gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth. Es war ein Samstag, der 21. Oktober 2017, bei angenehmen Herbstwetter hatten die Eisernen keine großen Probleme und schickten die Kleeblätter mit einer 1:3 Niederlage nach Hause. Der Punktabstand in der Tabelle betrug 14 Zähler. Die Eisernen waren mit 21 Punkten und Tabellenplatz 4 im Soll, während man sich um die Führter Kleeblätter, mit nur 7 Punkten und Tabellenplatz 17, Sorgen machen mussten. Bis zum Rückspiel hatte sich das Bild grundlegend geändert. Was am 11. Spieltag nach einem Aprilscherz geklungen hätte, wurde am 1. April 2018 bittere Realität. Der 1. FC Union Berlin ist im Kampf gegen den Abstieg angekommen. Von den letzten 10 Spielen konnten nur 3 gewonnen werden. Und der Punktabstand der Eisernen auf den Liga-Konkurrenten Spielvereinigung Greuther Fürth hat sich aktuell auf Null reduziert.

Greuther Fürth gewann am Ostersonntag, der auf einen 1. April fiel, etwas glücklich mit 2:1 gegen den 1. FC Union. Die Eisernen boten eine unterirdische 1. Halbzeit und gerieten in der 21. Minute ins Hintertreffen. Im Anschluss an einen Eckball gewann Roberto Hilbert das Kopfball-Duell gegen Kristian Pedersen und beförderte den Ball in die Maschen. Jakob Busk, wieder die Nummer 1 im Tor, hatte keine Chance der Abwehr.

Erst kurz vor dem Ende der 1. Halbzeit ergab sich eine nennenswerte Torchance für die Berliner. Einen Heber setzte Dennis Daube knapp neben das Tor. In der 33. Minute flatterte ein Freistoß, zentral aus ca. 20m, auf das Busk-Tor zu. Er wurde zur Ecke abgelenkt. In ihren Spielbemühungen hatten sich beide weitgehend neutralisiert.

Die zweiten Halbzeit begann mit Matchglück für die Eisernen. In der 49. Minute erspielten sie sich ihren 2. Eckball und der brachte den Ausgleich aus dem berühmten Nichts. Es war fast eine Kopie des Fürther Treffers, der Ball fliegt in Richtung Strafraum, Marvin Friedrich ist per Kopf zur Stelle. Hilbert erzielte sein erstes Tor für Fürth und Marvin Friedrich feierte ebenfalls seine Torpremiere im Union-Trikot. Diesen Ausgleich mussten die Kleeblätter erst einmal so richtig verdauen. Union bekam Oberwasser und hier da blitzte kurz spielerische Klasse auf.

In der 75. Minute kam die ganze mögliche Tragik eines Fußballspiels zur Geltung. In der 66. hätte Marvin Friedrich die Riesenchance auf 2:1 zu stellen. Stattdessen klingelte es erneut bei den Eisernen. Der eingewechselte Fabian Reese kam nach beherzten Dribbling zum Abschluss. Der Ball landete am Pfosten und es wäre nichts passiert, ja wenn nicht Grischa Prömel über den Weg gelaufen wäre. Er beförderte den Ball ins eigene Tor. Das war Pech für die Eisernen und Matchglück für die Fürther. In der noch verbleibenden Zeit wurde es turbulent. Wenigstens ein Punkt sollte gerettet werden. Philipp Hosiner hatte es auf dem Fuß, in der 84. Minute den verdienten Ausgleich zu erzielen. Nach dem Schlusspfiff jubelten die Kleeblätter. „Jede Woche der gleiche Mist. Wir nutzen unsere Chancen nicht,“ diesen Worten des Union-Kapitäns ist nichts hinzuzufügen.

Taktik

Beide Trainer operierten in der Abwehr mit einer 3er Kette bei eigenem Ballbesitz und gegen den Ball mit 5 Verteidigern. Hofschneider überraschte, da Jakob Busk im Tor den Vorzug vor Daniel Mesenhöler bekam. In der Verteidigung musste, wie befürchtet, Marc Torrejon passen. Der Kapitän der U-19 Lennard Maloney (Jg. 1999) kam zu seinem ersten Einsatz in der Profi-Mannschaft. Passen musste auch Steven Skrzybski, dafür konnte Simon Hedlund spielen. Im Mittelfeld waren Felix Kroos und Grischa Prömel für den Spielaufbau zuständig. Hinter den Stürmern Simon Hedlund und Philipp Hosiner sollte Dennis Daube für Torgefahr sorgen. In die Angriffsaktionen einschalten konnten sich die beiden Außenverteidiger Kristian Pedersen und Christopher Trimmel. Das Problem in der ersten Halbzeit bestand darin, dass es an Genauigkeit im Passspiel fehlte. Nach der relativ frühen Führung überließen die Fürther Union das Mittelfeld. Vor dem Tor waren die Räume zugestellt. Dass Union in der zweiten Halbzeit besser aussah, lag an dem frühen Ausgleichstreffer. Fürth brauchte einige Zeit, um wieder ins Spiel zu finden. In der 58. Minute reagierte Damir Buric und verstärkte mit Fabian Reese die Offensive. Eine Maßnahme, die sich auszahlen sollte. Resse war es, der das Eigentor durch Prömel erzwang. Auffällig war, dass die Fürther versuchten schnell das Mittelfeld zu überbrücken. Das Spiel wollten sie nicht machen,
Nach dem Führungstreffer der Fürther änderte Hofschneider die taktische Grundformation. Durch die Einwechselung von Marcel Hartel für Maloney, der ein durchwachsenes Debüt hatte, wurde auf ein 4-4-2 umgestellt. Union hatte dadurch noch mehr Kontrolle über das Spiel ohne, dass sich am Ergebnis etwas änderte.

Der 1. FC Union rückt nach der unglücklichen Niederlage weiter in den Abstiegskampf. Neben den länger verletzten Michael Parensen, Akaki Gogia, Fabian Schönheim und Sebastian Polter, fielen Marc Torrejon und Steven Skrzybski kurzfristig aus. Die sportliche Krise hält an, jetzt müssen die nötigen Punkte für den Klassenerhalt geholt werden. Ein Blick auf die Tabelle nach 28 Spieltagen zeigt, wie eng in der 2. Liga zugeht. Die Situation ist gefährlich und für die Eisernen neu. Die nächsten Tage werden noch ungemütlicher rund um die Alte Försterei.

Der Beobachter fragte sich, warum die Umstellung auf 4-4-2 durch die Hereinnahme von Marcel Hartel erst so spät erfolgte? Die taktischen Grundformationen spiegelten sich, so dass sich Situationen ergaben, die wie Manndeckung aussahen. Die zahlreich mitgereisten Fans der Eisernen versuchten ihre Mannschaft nach dem Spiel aufzumuntern. Der kämpferische Einsatz stimmte, trotzdem blieb es bei der nunmehr 10 Saisonniederlage.

Spieldaten

2. Bundesliga 28. Spieltag
01.04.2018 13:30 Uhr
SpVgg. Greuther vs 1. FC Union Berlin
Ergebnis: 2:1

SpVgg. Greuther Fürth
Tor: Sascha Burchert; Abwehr: Roberto Hilpert, Mario Maloca, Marco Caligiuri; Mittelfeld: Jürgen Gjasula (ab 59. Fabian Reese), Levent Aycicek, Maximilian Wittek, Lukas Gugganing (ab 79. Richard Magyar), Sebastian Ernst; Angriff: Khaled Narey, Julian Green (ab 89. Serdar Dursun) 3-5-2
Trainer: Damir Buric

1. FC Union Berlin
Tor: Jakub Busk; Abwehr: Christopher Trimmel, Lennart Maloney (ab 77. Marcel Hartel), Marvin Friedrich, Toni Leistner, Kristian Petersen; Mittelfeld: Felix Kroos, Dennis Daube, Grischa Prömel; Angriff: Simon Hedlund, (ab 71. Kenny Redondo), Philipp Hosiner 3-5-2 (ab 75. 4-4-2)
Trainer: André Hofschneider

Tore:
1:0 (21. Min) Maximilian Wittek
1:1 (49. Min) Marvin Friedrich
2:1 (75. Min) Grischa Prömel (Eigentor)

gelbe Karten
32. Min. Simon Hedlund (1. FC Union Berlin)
65. Min Mario Maloca (Greuther Fürth)

Zuschauer: 9.170 Sportpark Ronhof in Fürth

Schiedsrichter: Timo Gerach

Wetter: zwischenzeitlich Regen- und Hagelschauer (12 Grad C)

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